Bundesanwaltschaft kippt das «Lauber-Buch» samt dem Autor aus dem Programm

Mit dem Abgang von Michael Lauber wurden auch Pläne für ein Buch über die Bundesanwaltschaft abgeblasen.

Henry Habegger
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Bundesanwalt Michael Lauber ging, und mit ihm das Buchprojekt zur «Geschichte der Bundesanwaltschaft» und der mutmassliche Buchautor.

Bundesanwalt Michael Lauber ging, und mit ihm das Buchprojekt zur «Geschichte der Bundesanwaltschaft» und der mutmassliche Buchautor.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Mehr als vier Jahre lang ging die Bundesanwaltschaft (BA) unter Michael Lauber mit einem Buchprojekt schwanger. Als CH Media im Rahmen von Recherchen Mitte 2016 erstmals auf Spuren des Projektes stiess, teilte die Bundesanwaltschaft mit: Ein ehemaliger Mitarbeiter, Jürg Blaser, sei beauftragt worden, «ein Buch über die BA zu schreiben, welches der geschichtlichen Entwicklung gewidmet sein wird sowie die Mechanismen der BA von den Anfängen bis heute darlegen wird.»

Projekt wurde «im Juli 2020 gestoppt»

Lauber hat seinen Posten mittlerweile gekündigt, um der Amtsenthebung zu entgehen, die ihm im Zusammenhang mit seinem ominösen Geheimtreffen mit Fifa-Boss Gianni Infantino im Berner «Schweizerhof» drohte. Mit Lauber, der Ende August seinen letzten Arbeitstag bei der Bundesanwaltschaft hatte – ist auch das Buchprojekt Vergangenheit.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft hält auf Anfrage fest: «Im Rahmen der regelmässigen Überprüfung und Priorisierung von Projekten wurde das Buchprojekt im Juli 2020 gestoppt. Dieses Projekt wird nicht weitergeführt.»

Beim Sprecher, der diese Auskunft erteilte, handelt es sich um André Marty, den langjährigen engen Vertrauten von Michael Lauber. Der ehemalige TV-Mann, der am mysteriösen Geheimtreffen ebenfalls dabei war und sich laut eigenen Angaben ebenfalls nicht an den Inhalt erinnern kann, arbeitet weiterhin als Informationschef der BA, wie er auf Anfrage festhält. Er soll sich laut verschiedenen Quellen zuletzt mit Lauber überworfen haben.

Buchautor kassierte angeblich nur 1 Franken

Dass das nie erschiene und womöglich nie bearbeitete Lauber-Buch jetzt einer «Priorisierung» zum Opfer fällt, ist erstaunlich. Denn wie CH Media einst enthüllte, kostete die Erstellung des Werkes angeblich nichts. Oder praktisch nichts. Gemäss einem Vertrag aus dem Jahr 2018, rückwirkend in Kraft auf Anfang 2017, kassierte der Autor Jürg Blaser genau «CHF 1.- (exkl. MWSt)» für seine Arbeit am Buch.

Allerdings erhielt er andere geldwerte Leistungen: «Die Infrastruktur, inklusive Dienstwagen, der Bundesanwaltschaft kann vom Auftragnehmer genutzt werden», stand im Vertrag, den Lauber selbst unterzeichnet hatte. Und: «Die Auftraggeberin stellt dem Auftragnehmer einen Arbeitsplatz zur Verfügung.»

«Das entsprechende Mandat wurde von Jürg Blaser ohne Vergütung wahrgenommen, verursachte der Bundesanwaltschaft somit keine Kosten», sagt Marty heute. Blaser konnte laut Vertrag Spesen verrechnen, was er aber angeblich nicht tat.

Blaser, pensionierter Staatsanwalt, von Lauber über das Rentenalter hinaus für allerlei Handreichungen weiterbeschäftigt, verfügte allerdings daneben auch noch über einen «Beratungsvertrag» mit der Bundesanwaltschaft. Auch dieser laufe «per Ende 2020 aus», hält Informationschef Marty fest.

Stelle ausgeschrieben: Gesucht wird der Anti-Lauber

Der seltsame Vorgang um das Buch deutet es an: Wer auch immer Nachfolger oder Nachfolgerin von Bundesanwalt Lauber ist - er oder sie dürfte im Innern der Behörde noch auf die eine oder andere Überraschung stossen.

Die Stelle des Bundesanwalts oder Bundesanwältin ist mittlerweile öffentlich ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist läuft bis am 2. Oktober. Gesucht wird Herr oder Frau Anti-Lauber: eine Person nämlich mit «fundierten Kenntnissen in der Strafverfolgung», die «mit der Verfahrensleitung bestens vertraut» ist.

Das ist eine Reaktion auf Lauber, der beide Kriterien nicht erfüllte. So vertrat Lauber auch nie einen Fall vor Gericht.

Lauber-Nachfolge: «Professionalität» als Kriterium

Der oder die Neue muss zudem laut Anforderungsprofil über «Professionalität, Verhandlungsgeschick, Belastbarkeit sowie Sicherheit und Gewandtheit im Umgang mit Behörden, Verfahrensbeteiligten und der Öffentlichkeit» verfügen.

Laubers zwei Stellvertreter, Ruedi Montanari und Jacques Rayroud, die in der Fifa-Affäre und ihrer Bewältigung eine trübe Rolle spielten und die Geschäfte der Behörde jetzt interimistisch leiten, teilten beide intern mit, sie seien nicht Kandidat für die Nachfolge.

Die Bewerbungen gehen an die Gerichtskommission, die Nachfolgewahl im Bundesparlament soll in der Dezembersession stattfinden. Amtsantritt ist der 1. Januar 2021. Lohn: Ungefähr 300'000 Franken in Jahr.