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BUNDESFEIERTAG: Die magische Mitte der Schweiz

Die Älggialp im Kanton Obwalden ist der geografische Mittelpunkt der Schweiz. Nicht nur aus diesem Grund verbringen manche den 1. August an diesem fast unberührten Ort.
Kari Kälin
Anita Durrer ist die Wirtin vom Berggasthaus Älggialp. Der geografische Mittelpunkt der Schweiz erfreut sich am 1. August besonderer Beliebtheit. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Anita Durrer ist die Wirtin vom Berggasthaus Älggialp. Der geografische Mittelpunkt der Schweiz erfreut sich am 1. August besonderer Beliebtheit. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Kari Kälin

Die wirtschaftliche Metropole ist Zürich, Gesetze geschmiedet werden in Bern, Genf beherbergt die hohe Diplomatie, die Wiege der Eidgenossenschaft ist das Rütli. Das wahre Zentrum der Schweiz ist weder eine Stadt noch eine von Mythen umrankte Wiese am Vierwaldstättersee, sondern die Älggialp im Kanton Obwalden. Auf 1650 Metern über Meer befindet sich der geografische Mittelpunkt der Schweiz. Diese Tatsache haben das Eidgenössische Amt für Landestopografie und die ETH Zürich 1988 ermittelt.

Landeshymne Ja, Feuerwerk Nein

«Zmitzt i dr Schwiiz»: mit diesem Slogan empfangen Anita Durrer und ihr Team ihre Gäste auf der Alp. Einige kommen extra wegen des Nationalfeiertages. «Viele Menschen möchten den 1. August einmal in ihrem Leben in der Mitte der Schweiz verbringen», sagt Durrer. Seit fünf Jahren führt sie mit einem achtköpfigen Team das Berggasthaus mit Gäste-und Gruppenhaus auf der Älggialp. Ein Feuerwerk gibt es nicht, politische Redner sind keine angekündigt, stattdessen sorgen Ländlermusik und die Landeshymne für den patriotischen Rahmen. Kulinarisch ist einheimisch Trumpf: Auf dem Menüplan steht «Schnitz und drunder», ein traditionelles Eintopfgericht mit Kartoffeln, getrockneten Birnenschnitzen und Speck.

Die Strasse, die von Sachseln zur Alp führt, ist schmal, man fährt nahe am Abgrund. «Nie wieder», denkt sich manch ein Gast nach dem unfreiwilligen Adrenalinschub. Doch die Angst ungeübter Flachland-Autofahrer wandelt sich beim Anblick der Älggialp rasch in Begeisterung. Halbkreisförmig eingekesselt von Bergen und steilen Hängen, findet sich hier ein Stück fast unberührte Natur. Kühe weiden, Älpler käsen, Wanderer beschreiten den Steinmandlipfad, beim Mittelpunkt der Schweiz ertönt ein lauter Juchzer, auf dem Älggiboden trohnt eine kleine Kappelle. Der Ort strahlt Ruhe aus, lädt zum Entspannen ein, macht aus gestressten Menschen entspannte Zeitgenossen.

Cuche schlägt Burkhalter

Zu Handörgeliklängen tanzen Jung und Alt, Einheimische und Fremde, Manager und Handwerker, hier trifft sich das Land in seiner Vielfalt, man pflegt das Brauchtum. «Das macht die Schweiz aus, das bedeutet für mich Heimat», sagt Anita Durrer. Die Suche nach den eigenen Wurzeln und einer gemeinsamen Identität führe viele Menschen auf die Älggialp. Bekanntheit hat der Mittelpunkt der Schweiz nicht nur wegen geografischen Erkenntnissen erlangt. Seit 2002 wurden die Namen sämtlicher «Schweizer des Jahres», erkoren von den Zuschauern des Schweizer Fernsehens (SRF), auf eine Gedenktafel eingraviert. Anita Durrer bedauerte, dass das SRF die Sendung eingestellt hat.

Begegnungen mit helvetischen Helden bleiben umso stärker in Erinnerung. Zum Beispiel jene mit Didier Cuche, welcher der Älggialp im Sommer 2012 persönlich seine Ehre erwies und mehr als 1000 Fans anlockte. Der Neuenburger Skirennfahrer erfreute sich deutlich mehr Popularität als der Neuenburger Bundesrat Didier Burkhalter, der drei Jahre später als «Schweizer des Jahres» der Älggialp seine Aufwartung machte. Den Aussenminister wollten nur rund 300 Personen sehen – Wintersportler schlägt Staatsmann.

Hochzeiten und Taufen

Im Winter ist der Mittelpunkt der Schweiz fast verlassen. Höchstens ein paar Schneeschuhwanderer stapfen manchmal hoch zur Älggialp. In dieser Zeit erledigt die in Kerns aufgewachsene Anita Durrer Büroarbeiten, nimmt Reservationen für Taufen, Hochzeiten und andere Feste für das kommende Jahr entgegen. Der Ort mit seinem sanften Tourismus zieht Durrer magisch in den Bann.

Zauberhafte Sonnenuntergänge entschädigen sie für die Arbeitstage, die bis zu 18 Stunden dauern. Man müsse bei guter Gesundheit sein, um diesen Job zu machen, sagt sie – die Atmosphäre auf der Älggialp scheint die nötige Kraft zu verleihen.

Zum 125. Mal wird der 12. August gefeiert

Bundesfeier Vor 125 Jahren feierte die Schweiz erstmals am 1. August eine Bundesfeier. Eine alljährliche Wiederholung war nicht vorgesehen. Ebenso wenig, dass an diesem Tag nicht gearbeitet wird. Ein Rückblick: Als die moderne Schweiz 1848 gegründet wurde, hatte das Land keinen offiziellen Nationalfeiertag. Als Gründungstag der alten Eidgenossenschaft wurde gemeinhin der 8. November angesehen, da sich die Landsleute von Uri, Schwyz und Unterwalden gemäss der Überlieferung am «Mittwoch vor Martini» im Jahr 1307 auf dem Rütli zu ihrem Schwur getroffen haben sollen.

Notwendig für innere Stabilität

Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts rückte langsam der 1. August als neuer «Geburtstag» in den Vordergrund, schreibt der Historiker Urs Altermatt in einem Artikel zum Bundesfeiertag. Das Datum verweist auf den Bundesbrief, der auf «Anfang August 1291» datiert ist. «Der moderne Bundesstaat brauchte für die innere Stabilität eine patriotische Ideologie, die die liberale und konservative Schweiz miteinander versöhnte und dem noch nicht 50-jährigen modernen Bundesstaat historischen Glanz vermittelte», schreibt Altermatt.

Noch 1847 hatten sich Liberale und Konservative im Sonderbundeskrieg erbittert bekämpft.

Urner zeigten sich trotzig

Gegen das Datum, den 1. August, sträubten sich vor allem die Urner. Diese «hielten noch lange trotzig an der für sie günstigeren Datierung fest», schreibt Kreis in einem Artikel. Denn während die Geschichte vom Rütlischwur im Jahr 1307 auf Urner Boden spielt, nahm man vom Bundesbrief an, dass er auf Schwyzer Boden angefertigt wurde.

Im Sockel des Tell-Denkmals in Altdorf liessen die Urner demonstrativ das Gründungsjahr 1307 einmeisseln, 1907 feierte der Kanton das gemäss seiner Berechnung 600-jährige Bestehen der Eidgenossenschaft.

Andernorts liess man sich die Laune zur Bundesfeier im Jahr 1891 nicht verderben. Neben dem Hauptfest in Schwyz wurde auch in den meisten anderen Schweizer Gemeinden am 1. August ausgiebig gefeiert – mit Böllerschüssen, Umzügen, patriotischen Ansprachen, Musik- und Gymnastikeinlagen, wie Altermatt beschreibt. Alle Landesteile hätten das Bundesfest mit der gleichen patriotischen Inbrunst gefeiert. «Die Welschen standen den Deutschschweizern in keiner Weise nach.»

Auslandschweizer wollten 14. Juli

Nach dem Fest zum runden Geburtstag der Schweiz war aber vorerst Schluss. Eine jährliche Wiederholung wurde erst sieben Jahre später festgelegt. Der Bundesrat forderte die Kantone ab dem Jahr 1899 auf, jeweils am Abend des 1. August die Glocken läuten zu lassen. Die Landesregierung fällte den Entscheid nicht zuletzt auf Drängen von Auslandschweizerkolonien, die ebenfalls eine Art von «Quatorze Juillet» verlangten, schreibt Kreis. Die Franzosen hatten den 14. Juli bereits im Jahr 1880 zu ihrem Nationalfeiertag erkoren.

Erst ab 1993 Feiertag

Vorerst blieb der 1. August aber ein normaler Arbeitstag. «Man verstand es als dem schweizerischen Charakter angemessen, dass auch an einem solchen Tag normal gearbeitet würde», schreibt der Historiker Georg Kreis im Historischen Lexikon der Schweiz.

Erst durch eine Volksabstimmung im Jahr 1993 wurde der 1. August schweizweit zum arbeitsfreien Tag erklärt. Die Initiative der Schweizer Demokraten (SD) wurde mit 83,8 Prozent Ja-Stimmen angenommen – ein bisher ungebrochener Rekord.

Barbara Inglin, SDA

US-Aussenminister Kerry gratuliert

Mitteilung red. Mit einem Facebook-Eintrag hat US-Aussenminister John Kerry (Bild) der Schweiz zum 1. August gratuliert. Die USA seien «stolz, die Schweiz zu den engsten Freunden und Partnern zu zählen. Unsere Länder teilen eine tiefe Verbindung durch die gemeinsamen Ideale – Demokratie, Friedensförderung und das Bekenntnis zum Rechtsstaat», schreibt Kerry. Im Eintrag lobt er explizit die diplomatischen Anstrengungen der Schweiz etwa im Syrien-Konflikt und in den Atom-Verhandlungen mit dem Iran.

Den Originaleintrag (in Englisch) gibts hier.

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