Alain Bersets wichtigsten Aussagen in der Sendung vom 30. April im Zusammenschnitt, die Sendung in voller Länge weiter unten.

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Bundesrat Alain Berset: «Wir können die Leute doch nicht für dumm halten»

In der Woche nach dem Lockdown kündigte der Bundesrat weitere Lockerungen der Pandemie-Massnahmen an. Gesundheitsminister Alain Berset nahm im «TalkTäglich» der Regionalsender von CH Media Stellung zum Kurs des Bundesrats. Und zum Vorwurf, die Landesregierung riskiere zu viel – oder zu wenig.

Simone Morger
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Die Meinungen in Politik, Wirtschaft und Bevölkerung gehen auseinander. Während die einen nach den in Aussicht gestellten Lockerungen der Pandemie-Massnahmen aufatmen, befürchten andere eine zweite Welle von Infektionen mit dem Coronavirus und kritisieren das Vorgehen des Bundesrats.

Gesundheitsminister und Bundesrat Alain Berset war am Donnerstagabend zu Gast in der Sendung «TalkTäglich», die auf den Regionalsendern von CH Media ausgestrahlt worden ist. Gegenüber Moderator Oliver Steffen nahm er Stellung zum Kurs der Landesregierung.

«Ist der Bundesrat eingeknickt unter dem Druck der Wirtschaft?»

«Riskiert die Landesregierung bewusst eine zweite Welle an Corona-Infektionen und glaubt sie wirklich an die Disziplin der Bevölkerung?», stellte Steffen gleich zu Beginn der Sendung die Fragen in den Raum. Und stellte aufgrund der geplanten Massnahmen-Lockerungen in Gastronomie, Detailhandel und Kultur die These auf: «Ist der Bundesrat eingeknickt unter dem Druck der Wirtschaft?»

Alain Berset betonte mehrmals, der Bundesrat habe in Zusammenarbeit mit Experten stets versucht, aufgrund der aktuellen Informationslage, einen optimalen Weg zu finden, die Schweiz vor dem Coronavirus und den damit zusammenhängenden Auswirkungen zu schützen. «Und ich glaube, das ist uns bis jetzt ganz gut gelungen.»

Mit den geplanten Lockerungen und den entsprechenden Regeln wolle der Bundesrat verhindern, dass in der Schweiz passiert, was in anderen Ländern passiert ist: Dass nach Lockerungen die Massnahmen wieder verschärft werden müssen.

«Die Regierung kann doch nicht jede persönliche Situation von oben herab vorschreiben.»

Die geplanten Lockerungen verursachen in der Bevölkerung aber nicht nur geteilte Meinungen, sie stiften oft auch neue Verwirrung. Etwa im Umgang mit Kindern oder Schutzmasken. «Ich höre von vielen, sie wüssten gar nicht mehr, was denn nun gelte», insistierte Moderator Steffen.

«Wir dürfen die Leute doch nicht für dumm halten», konterte Berset. «Die Regierung kann doch nicht jede persönliche, alltägliche Situation von oben herab vorschreiben.» Viel mehr müsse der Bundesrat einfach darüber informieren, was man wisse, und gewisse Regeln vorgeben, um die Menschen zu schützen. «Und dann soll jeder einzelne selber entscheiden können und müssen. Deshalb gibt es auch keine allgemeine Maskenpflicht.»

In der Tat sei sehr vieles unklar und ungewiss. «Aber mit dieser Ungewissheit müssen wir leben lernen.» Wie übrigens auch mit dem Virus: «Diese Normalität nach der wir uns alle sehnen, wird eine andere sein als bisher.»

«Wir sind im Bundesrat, um Verantwortung zu tragen mit allen Konsequenzen. Aber ich kann Ihnen sagen, das ist nicht einfach.»

Angesprochen auf Ueli Maurers Aussage, er fühle sich beim Gedanken an die Milliardenausgaben des Bundes für die Wirtschaft nicht mehr wohl in seiner Haut, sagte Berset einerseits, dass er die Aussagen seiner Kollegen nicht kommentieren möge. Und andererseits: «Selbstverständlich macht mir das auch Bauchweh. Aber wir sind im Bundesrat, um Verantwortung zu übernehmen mit allen Konsequenzen. Deswegen sind wir da, sonst muss man das nicht machen. Aber ich kann Ihnen sagen, das ist nicht einfach.»

Sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Alain Berset in voller Länge:

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