Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BUNDESRAT: Auf der Suche nach «Mister X»

Auch drei Tage vor der Wahl zeichnet sich kein klarer Favorit ab. Nicht einmal ein Sprengkandidat kann ausgeschlossen werden.
Sermîn Faki
Der Eingang zum Bundesratszimmer im Bundeshaus in Bern. Wird am kommenden Mittwoch jemand ganz anders als die drei offiziellen SVP-Kandidaten dort eintreten? (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Der Eingang zum Bundesratszimmer im Bundeshaus in Bern. Wird am kommenden Mittwoch jemand ganz anders als die drei offiziellen SVP-Kandidaten dort eintreten? (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Sermîn Faki

Begeisterung sieht anders aus. Wen man diese Woche in der Wandelhalle auch fragte, immer war die Antwort die gleiche: «So schwierig wie dieses Mal war es noch nie.» Ein Grossteil der Parlamentarier tut sich auch wenige Tage vor der Bundesratswahl schwer, einen Favoriten zu nennen. Thomas Aeschi ist den einen zu «ferngesteuert», den anderen zu neoliberal, den Dritten einfach unsympathisch. Dabei hat der 36-jährige Zuger in der letzten Woche eine beispiellose Charmeoffensive gestartet, lächelnd, händeschüttelnd, smalltalkend. Und gelegentlich übers Ziel hinausschiessend: Im Hearing der BDP soll er Eveline Widmer-Schlumpf «über den grünen Klee» gelobt haben. Aus der CVP heisst es, er sei bei Fragen zur Europäischen Menschenrechtskonvention weiter von der Parteilinie abgewichen als die Konkurrenz. Und während der Waadtländer Guy Parmelin nur der Wahlfeier von Nationalratspräsidentin Christa Markwalder im Emmental beiwohnte, reiste Aeschi darüber hinaus auch noch nach Neuenburg, um Ständeratspräsident Raphaël Comte die Ehre zu erweisen – und für sich zu werben.

Lobbying von allen Seiten

Bei der FDP scheint das gefruchtet zu haben: Eine Mehrheit werde für den «Mann der Wirtschaft» votieren, sagen einflussreiche Fraktionsmitglieder. Das hat auch damit zu tun, dass der Wirtschaftsverband Economiesuisse für Aeschi weibelt, wie verschiedene Parlamentarier bestätigen.

Norman Gobbi hingegen ist zurückgefallen. Auch das hat mit Lobbying zu tun. So weilte alt Nationalratspräsidentin Chiara Simoneschi-Cortesi diese Woche in Bern. Und aus ihrer CVP hörte man plötzlich nicht mehr «nur Gutes» über Gobbi, sondern immer die gleiche Aussage: «Wieso will einer, der bisher durch die Verachtung der staatlichen Institutionen aufgefallen ist, nun selbst ein Teil davon werden? So jemanden kann man nicht wählen.» Gegen einen solchen Opportunismus-Vorwurf nehmen sich die bescheidenen Englischkenntnisse von Guy Parmelin harmlos aus. Viele glauben denn auch, dass er das Rennen machen wird. Aber eben: Begeisterung sieht anders aus. Vielleicht aus diesem Grund haben Exponenten des Mitte-links-Blocks die Suche nach einem Sprengkandidaten immer noch nicht aufgegeben. Es heisst, die CVP habe die Verhandlungen mit potenziellen Kandidaten übernommen. Bestätigt wird das nicht.

Favoritensterben

Bis Mitte der Woche war der Bünd- ner Migrationspolitiker Heinz Brand der aussichtsreichste Sprengkandidat. Da er Aeschi in der SVP-Fraktion nur knapp unterlegen war, wäre es nicht so einfach gewesen, ihn nach einer Wahl auszuschliessen. Bis ein Interview mit der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens dieses Szenario zunichtemachte. Er stehe nicht mehr zur Verfügung, beteuert er. Das Gleiche behauptet der Schaffhauser Ständerat Hannes Germann, der Ende Woche scharfe Kritik an seiner Partei geübt hat. Die Nomination sei ein abgekartetes Spiel gewesen, sagte er den «Schaffhauser Nachrichten».

Töne wie diese wecken die Lust bei den anderen Fraktionen, es der SVP-Rennleitung nicht zu leicht zu machen und einfach jemanden vom offiziellen Dreierticket zu wählen. Nur wen? In diesem Zusammenhang hört man in den letzten Tagen wieder den Namen Heinz Tännler. Der Zuger Landammann hatte sich zunächst aufstellen lassen, seine Kandidatur dann aber überraschend zurückgezogen. Wie es heisst, nicht ganz freiwillig: Seine Fifa-Vergangenheit sei der Findungskommission nicht geheuer gewesen.

Nun heisst es, Tännler würde eine Wahl wohl auch gegen den Willen seiner Partei annehmen. Und er wäre am Mittwoch sogar in Bern: Als Landammann von Aeschis Heimatkanton wird er die Wahl auf der Tribüne oberhalb des Nationalratssaals mitverfolgen. Und was, wenn er selbst gewählt würde? «Kein Kommentar, Ende der Durchsage», sagt Tännler auf Anfrage – und nährt so weitere Spekulationen. Was daran ist, wird sich am Mittwochmorgen zeigen.

Platz für Mittekandidat?

Dann entscheidet sich auch, ob ein Szenario zum Zug kommt, auf das sich die Fraktionsspitzen dem Vernehmen nach ebenfalls vorbereiten: Die Bundesversammlung wählt ein Mitglied der SVP, das nicht auf dem Dreierticket steht. «Mister X» lässt die Bundesversammlung wissen, dass er sich zunächst mit der SVP-Fraktion besprechen müsse, bevor er die Wahl annehmen oder ablehnen könne. Die Fraktion beschliesst, ihn auszuschliessen und nicht wieder aufzunehmen, wenn er die Wahl annimmt. Der Gewählte lehnt daraufhin die Wahl ab – die Bundesversammlung muss noch einmal wählen. Doch wen? Würde man sich in einem solchen Fall an die Konkordanz gebunden fühlen und erneut einen SVPler wählen? Einen der drei offiziellen Kandidaten? Oder würde man das Nein der SVP als Eingeständnis werten, dass die Partei gar keinen zweiten Bundesratssitz will? Und sich frei fühlen, jemand anderen zu wählen? Zum Beispiel einen Mittekandidaten?

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.