BUNDESRAT: Bundesratsjet kommt von Fürst Albert

Was dem Fürsten von Monaco recht war, ist der Schweiz billig: Der Bundesrat fliegt demnächst mit dessen ausrangiertem Jet.

Eva Novak
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Der Bundesrat fliegt künftig feudaler. Die Landesregierung hat sich einen Falcon 900 geleistet. Im Bild eine Falcon 7X. (Bild: PD)

Der Bundesrat fliegt künftig feudaler. Die Landesregierung hat sich einen Falcon 900 geleistet. Im Bild eine Falcon 7X. (Bild: PD)

Fürst Albert II. ist ein umweltbewusster Mann. Als solcher leistete sich der monegassische Staatschef einen neuen Privatjet mit einer besonders guten Umweltbilanz, wie sein Palast betont: einen Falcon 7X des französischen Flugzeugbauers Dassault mit einer Reichweite von 11 000 Kilometern. Der Fürst von Monaco kann also fürderhin ohne Tankstopp in die USA fliegen – die Freude darüber war ihm bei der Jet-Taufe vom Montag anzusehen.

Falcon 900EX für die Schweiz

Freude herrscht auch im schweizerischen Bundeshaus. Denn die bundeseigene Rüstungsbeschafferin Arma­suisse hat die Gunst der Stunde genutzt und im Auftrag der Landesregierung den Falcon 900EX erstanden, mit welchem der Fürst zuvor zu fliegen pflegte. Dieser ist noch immer um Klassen besser als der aktuelle Bundesratsjet vom Typ Falcon 50, der ebenfalls von Dassault stammt, aber 32 Jahre auf dem Buckel hat. Er ist moderner, grösser, fliegt weiter und verfügt über eine richtige Toilette – und nicht nur ein Not-WC wie sein Vorgänger.

Seinen Dienst ab Flughafen Bern-Belp wird das ehemalige Regierungsflugzeug von Monaco im Juni aufnehmen, wie VBS-Sprecherin Sonja Margelist Recherchen unserer Zeitung bestätigt. Bevor sie ihrer Bestimmung als Bundesratsjet zugeführt werden kann, muss die Maschine unter der militärischen Kennung T-785 der Schweizer Luftwaffe immatrikuliert werden. Und einige Anpassungen technischer, organisatorischer und optischer Natur über sich ergehen lassen: Laut Margelist wird die Einsatz- und Navigationsfähigkeit verbessert und die Maschine in die militärische Bodenin-frastruktur eingebunden.

Weiter müssen das Design angepasst, Piloten und Bodenpersonal der Luftwaffe ausgebildet und eine entsprechende Logistik aufgebaut werden. Zusammen mit dem Kaufpreis kostet das nicht mehr als 35 Millionen Franken, wie es im Verteidigungsdepartement heisst. Diese Summe hatte der Bundesrat als Obergrenze festgelegt, als er letzten Juni beschloss, einen Occasionsjet zu kaufen.

Wobei es sich um eine verhältnismässig neue Occasion handelt: Mit Baujahr 2008 liegt der neu-alte «Falke» noch innerhalb der fünfjährigen Garantiefrist. Und leistet ungleich mehr als sein Vorgänger. Weil er 14 Plätze umfasst, kann ein Regierungsmitglied künftig mehr Begleiter auf seine Reisen mitnehmen als mit dem Falcon 50, in dem höchstens neun Personen Platz fanden.

Die Reichweite wird von rund 4500 auf über 8000 Kilometer beinahe verdoppelt. Für einen Transatlantik-Flug reicht das zwar noch nicht, und auch bis Südafrika dürfte es knapp werden. Immerhin kann ein Bundesrat künftig, so er das wünscht, nonstop bis Angola oder Mosambik fliegen, während bisher Nordafrika das höchste der Gefühle war.

Weniger Pleiten, Pech und Pannen

Vor allem aber soll der neue Jet sicherer sein und im Gegensatz zu seinem angejahrten Vorgänger auch bei Nebel starten und landen können. Mit ihm soll es keine Pannen mehr geben – wie jene während der Befreiung der zweiten Schweizer Geisel in Libyen, als die damalige Aussenministerin Micheline Calmy-Rey wegen technischer Probleme stundenlang auf dem Flughafen von Tripolis blockiert blieb.

Es gehe nicht zuletzt ums Image der Schweiz, erklärt Bundesratssprecher André Simonazzi: «Für unser Image ist es wichtig, dass es nicht zu Pannen im Gastland kommt.» Mehr ins Gewicht falle aber etwas anderes: «Für den Bundesrat ist die Flexibilität entscheidend.» In diesem Moment, in dem die internationalen Beziehungen zunehmend an Bedeutung gewinnen würden, müsse die Regierung die Freiheit haben, jederzeit über mittlere Distanzen zu fliegen.

Der Aufruf des SVP-Piloten

Diese Freiheit solle sie sich aber auch nehmen, fordert Thomas Hurter. Der SVP-Nationalrat und Pilot vermisst beim Bundesrat die Bereitschaft, das fliegerische Equipment auch zu benützen, was, wie er es nennt, ein «Beitrag zur Effizienz» wäre. Damit legt sich Hurter mit seiner Partei an, welche die Flüge regelmässig als zu teuer kritisiert. Er fordert die Bundesräte im Gegenteil auf, den Jet so oft wie möglich zu benützen. «Die höchsten Leute im Land sollten mit vernünftigem Mitteleinsatz möglichst speditiv von A nach B gelangen», sagt er und zieht gegen den Bodentransport ins Feld: «Es darf nicht sein, dass man aus falscher Bescheidenheit stundenlang durch das halbe Land gekarrt wird.»