BUNDESRAT: Ein «Phantom» startet durch

Heute wird entschieden, ob Thomas Aeschi aufs SVP-Ticket kommt. Der Zuger gilt als Geheimfavorit. Geheimnisvoll ist auch er selbst – eine Spurensuche.

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Thomas Aeschi – hier im Gespräch mit seinen Parteikollegen Toni Brunner (links)  und Christoph Mörgeli (Mitte) – gilt als fleissig und ambitioniert. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Thomas Aeschi – hier im Gespräch mit seinen Parteikollegen Toni Brunner (links) und Christoph Mörgeli (Mitte) – gilt als fleissig und ambitioniert. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Raphael Biermayr und Samantha Taylor

Studium an der Hochschule St. Gallen sowie an der Eliteuniversität Harvard, diverse Auslandaufenthalte, Tätigkeit als Berater und ein steiler politischer Aufstieg: Das sind die bekannten Meilensteine im Leben des Zuger SVP-Nationalrats Thomas Aeschi (36). Ein weiterer könnte heute hinzukommen, wenn die SVP-Bundeshausfraktion entscheidet, ob sie ihn als Bundesratskandidaten nominiert. Doch wer ist der aufstrebende junge Mann, der 2010 auf der politischen Landkarte des Kantons Zug mehr oder weniger plötzlich auftauchte und der bereits fünf Jahre später das CVP-Schwergewicht Gerhard Pfister bei den Nationalratswahlen mit persönlichen Stimmen überholte?

Etwas Aufschluss gibt die Homepage Aeschis. Unter «Persönlich» weist er sämtliche Stationen aus Schule, Beruf und politischer und militärischer Laufbahn aus. Auch bezüglich seiner «Interessenbindungen» schafft er Transparenz. Bei nicht weniger als 27 Organisationen ist der Baarer als Mitglied oder Gönner aktiv.

Thomas Aeschi (ZG). (Bild: parlament.ch)
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Norman Gobbi (TI). (Bild: parlament.ch)
Guy Parmelin (VD). (Bild: parlament.ch)
Heinz Brand (Bild: parlament.ch)
Oskar Freysinger (Bild: parlament.ch)
Res Schmid (Bild: pd)
Albert Rösti (BE) verzichtet. (Bild: pd)
David Weiss (BL) verzichtet. (Bild: pd)
Hannes Germann (SH) wird vom Fraktionsvorstand nicht vorgeschlagen. (Bild: pd)
Thomas de Courten (BL) wird vom Fraktionsvorstand nicht vorgeschlagen. (Bild: parlament.ch)
Thomas Hurter (SH) wird vom Fraktionsvorstand nicht vorgeschlagen. (Bild: parlament.ch)

Thomas Aeschi (ZG). (Bild: parlament.ch)

Als Einziger in die Kanti

Trotzdem bleibt der private Thomas Aeschi schwer greifbar. Diejenigen, die über ihn sprechen, stammen vorwiegend aus seinem politischem Umfeld und wissen darüber hinaus wenig über ihn. Ein Parteifreund nennt ihn gar ein «Phantom». Auf Facebook führt Aeschi kein Profil, sondern lediglich eine Fanseite mit politischen Inhalten. Immerhin ist er auf einem Foto mit seinem Göttikind zu sehen – im Bundeshaus. Ansonsten: Bilder von Parteianlässen. Personen, die sich ausserhalb des politischen Zirkels befinden und die etwas über den 36-Jährigen sagen können oder wollen, sind nicht leicht zu finden. Angefragte Familienmitglieder geben keine Auskunft. Von einer Beziehung ist nichts öffentlich bekannt.

Ein Weggefährte aus der Anfangszeit von Aeschis Politikkarriere schildert ihn als Person, die durchaus auch die Gemütlichkeit zu pflegen weiss. «Ich erinnere mich an Situationen, als wir zum Bier an einem Tisch sassen und auch er das Jackett öffnete und die Krawatte auszog.» Der ehemalige Zuger Kantonsrat erkennt im Politiker Thomas Aeschi auch den Menschen wieder. «Er ist absolut authentisch, wie er öffentlich in Erscheinung tritt. Ich denke, das erkennen und schätzen die Leute.» Er konstatiert, dass Aeschi nach aussen «trocken und kalkuliert wirken kann», wertet das aber als Ausdruck seiner Zielstrebigkeit. Jene habe er in sämtlichen Situationen erlebt, in denen er mit Aeschi zu tun hatte. «Wenn er etwas zum Ziel hat, verfolgt er das mit enormer Hartnäckigkeit.»

Diese Attribute ziehen sich wie ein roter Faden durch Aeschis bekanntes Leben. Alex Keel, der ihn in der 5. und 6. Klasse in Allenwinden unterrichtet hat, weiss zu berichten, dass er schon als zwölfjähriger Knabe äusserst ehrgeizig war. Ein «unheimlicher Schaffer» sei er gewesen, ausserdem «blitzgescheit», wissbegierig und ein pflegeleichter Schüler. «Er hatte eine schnelle Auffassungsgabe, hat vieles hinterfragt und wollte es stets genau wissen», erinnert sich Keel. Gleichzeitig beschreibt er den jungen Aeschi als «Einzelkämpfer». Dies allerdings nicht, weil er von den Klassengspändli ausgeschlossen worden sei. «Ich glaube vielmehr, dass er das so wollte.» Das bestätigt auch eine ehemalige Mitschülerin Aeschis. Sie erinnert sich an dessen Eigenständigkeit bereits als Primarschüler. «Er lernte sehr hart.» Und das zahlte sich aus: Aeschi schaffte es als Einziger seiner Klasse in die Kantonsschule.

«Bekömmlicher Mensch»

Neben dem zielstrebigen Schaffer hat der SVP-Nationalrat anscheinend auch eine gesellige Seite. Zu hören ist, dass man den Politiker immer wieder an Anlässen trifft, nicht nur aus politischem Kalkül. An den Chilbis in Oberägeri oder Baar ist er jedenfalls Stammgast. Wohl auch wegen dieser Volksnähe bezeichnet ihn etwa Walter Müller als «bekömmlichen Menschen». Der Präsident des Vereins Pro Allenwinden, wo Aeschi Mitglied ist, sieht Parallelen zu Aeschis Vater Siegfried: «Er ist auch ein Ruhiger. Die Familie ist an sich selektiv, aber sehr angenehm.» Walter Müller zeigt sich beeindruckt von der bisherigen Lebensleistung des Politikers. «Was der schon alles gemacht hat in Ausbildung und Beruf! Er hat die Studien an den renommierten Universitäten selbst finanziert – das ist eindrücklich.»

Dabei war sich Aeschi für kaum etwas zu schade. So hat er während des Studiums als Sandwich-Macher und -Verkäufer bei einer US-Imbisskette gearbeitet. Für Müller ist klar: «Wer so früh so viel schafft, hat natürlich Neider.» Er habe mit dem Nationalrat einmal den Heimweg von einem Restaurant geteilt und länger mit ihm gesprochen. Müllers Fazit: «Thomas kann gut zuhören und zwingt einem seine Meinung nicht auf – er ist wirklich bekömmlich.»