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BUNDESRAT: «Eishockey ist wie Politik»

Als Hockeyspieler stiess er rasch an seine Grenzen. Dafür kommt Norman Gobbi vielleicht bald zu Bundesratsweihen. Der Tessiner erklärt, weshalb dies für seinen Kanton so wichtig wäre.
Norman Gobbi, Bundesratskandidat und Tessiner Regierungsrat, in seinem Büro. Hinter ihm an der Wand hängen Fotos von Filmszenen aus «Don Camillo und Peppone». (Bild: Keystone/Gabriele Putzu)

Norman Gobbi, Bundesratskandidat und Tessiner Regierungsrat, in seinem Büro. Hinter ihm an der Wand hängen Fotos von Filmszenen aus «Don Camillo und Peppone». (Bild: Keystone/Gabriele Putzu)

Interview kari Kälin, Bellinzona

Norman Gobbi, Sie spielten bei den Junioren des Hockeyclubs Ambri- Piotta ...

Norman Gobbi: ... ohne grossen sportlichen Erfolg. Mein Bruder Egon hingegen wurde Schweizer Meister bei den Elite-Junioren. Und mein Cousin John Gobbi ist heute Captain des HC Lausanne.

Haben Sie als Kind davon geträumt, in der Valascia vor vollen Rängen als Ambri-Spieler aufzulaufen?

Gobbi: Das tut jedes Kind, das in der Leventina mit Eishockey beginnt. Ich wusste schon früh, dass ich kein grosser Hockeyspieler würde. Ich habe mich deshalb an anderen Fronten engagiert.

Nämlich?

Gobbi: In verschiedenen Vereinen. Ich habe zum Beispiel als 16-Jähriger Risotto für den Fasnachtsverein gekocht oder engagierte mich in Turn- und Schützenvereinen. Mit 14 Jahren wurde ich Hockeyschiedsrichter. Davon habe ich stark profitiert. Ich musste mich schon als Teenager gegen erwachsene Spieler behaupten und lernte nebenbei Deutsch.

Helfen Eigenschaften aus dem Eishockey für Ihre jetzige Tätigkeit?

Gobbi: Eishockey ist ein bisschen wie die Politik. Wenn man politische Bodychecks austeilen will, muss man auch Kritik einstecken können. Das ist Teil des Spiels.

Für die Bundesratswahlen vom übernächsten Mittwoch, quasi die Playoffs, tragen Sie nun plötzlich ein SVP-Trikot. War das die Idee der SVP Schweiz, oder haben Sie Toni Brunner angerufen und sich selber ins Spiel gebracht?

Gobbi: Die SVP Schweiz hat mich kontaktiert. Es half sicher, dass ich 2010 ein Jahr als Lega-Nationalrat der SVP-Fraktion angehörte. Die SVP weiss, dass ich ihre Werte – Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit – teile. Die Lega dei Ticinesi und die SVP haben sich auf meine Bundesratskandidatur verständigt.

Ist Ihr Transfer zur SVP zwecks Förderung der eigenen politischen Karriere nicht ganz einfach opportunistisch?

Gobbi: Wenn ich in Schwyz anstatt Faido geboren worden wäre, in welcher Partei wäre ich wohl? Natürlich in der SVP. Damit erübrigt sich Ihre Frage. Ich bin der Lega beigetreten, weil sie 1992 als einzige politische Formation im Kanton Tessin den Beitritt zum EWR ablehnte.

Wollten Sie schon immer Bundesrat werden?

Gobbi: Als Kind wollte ich Koch oder Diplomat werden. Ich habe mich aber schon früh auf verschiedene Art für das Gemeinwohl eingesetzt. Ich verstehe es als Aufgabe, mich für die Gemeinschaft einzusetzen. In der Schweiz sind die Bürger der Staat, der Staat ist den Bürgern nicht fremd. Dieses Motto habe ich verinnerlicht.

Die Lega-Zeitung «Mattino della Domenica» hat Sie schon in Superman-Kleidern («Super Norman») auf der Frontseite präsentiert, während sie zum Beispiel Bundesräte scharf attackiert. Der Nachname von Eveline Widmer-Schlumpf wird wörtlich übersetzt («Widmer-Puffo»). Ihr Kommentar?

Gobbi: Das gefällt mir nicht. Das widerspiegelt nicht meinen Kommunikationsstil. Ich werde ennet des Gotthards geschätzt, weil ich klare Positionen vertrete, durchaus harte Kritik formuliere, dies aber mit Respekt mache und letztlich pragmatisch nach Lösungen suche.

Weshalb sollte der nächste Bundesrat aus der italienischen Schweiz sein?

Gobbi: Sie nimmt eine Scharnierfunktion zwischen der Deutsch- und Westschweiz ein. Zudem steht in der Bundesverfassung geschrieben, dass die Sprachregionen und Landesteile angemessen in der Landesregierung vertreten sein sollten. Die Schweiz hat seit 16 Jahren keinen Tessiner Bundesrat mehr – so lange wie nie mehr seit dem 19. Jahrhundert. Es darf keine Selbstverständlichkeit werden, dass die italienische Schweiz nicht im Bundesrat repräsentiert ist. Die Tessiner sind begeisterte Schweizer. Aber ab und zu muss dieses Feuer neu entfacht werden.

Was könnten Sie als Bundesrat für den Kanton Tessin konkret herausholen?

Gobbi: In den letzten zwei Jahren sind immer wieder Bundesräte ins Tessin gereist, um den Kanton zu verstehen. Ich könnte die Positionen des Kantons Tessin und dessen Besonderheiten direkt einbringen. Der Kanton grenzt an die Lombardei mit zehn Millionen Einwohnern. Jeder vierte Arbeitnehmer ist ein Grenzgänger. An der Südgrenze herrscht seit langem grosser Migrationsdruck. Wir kämpfen mit Lohndumping. Der Kanton Tessin ist eine Art Warnlampe, der Entwicklungen vorwegnimmt, mit denen später auch andere Landesteile konfrontiert sind. Von dieser Erfahrung könnte der Bundesrat profitieren.

Die Zentralschweiz hatte, gemessen an der Bevölkerung, so wenige Bundesräte wie keine andere Region. Hätten wir es nicht auch wieder einmal verdient?

Gobbi: Das muss die Vereinigte Bundesversammlung entscheiden. Als Ober­leventiner liegt mir die Gotthardregion und damit die Zentralschweiz am Herzen. Fans aus Uri, Schwyz und Ob- und Nidwalden sowie Luzern besuchen Hockeyspiele von Ambri-Piotta.

Sie wären also auch ein bisschen ein Zentralschweizer Bundesrat?

Gobbi: Mit ein bisschen gutem Willen vielleicht ja. Ich wohne in Airolo. Altdorf erreiche ich mit dem Auto in 45 Minuten. Für Bellinzona brauche ich nicht weniger lang.

Im Kanton Tessin erfahren Sie viel Unterstützung, sind aber für viele linke Wähler auch ein rotes Tuch. Und der ehemalige Staatsanwalt Paolo Bernasconi hat Sie als Schande für das Tessin bezeichnet, weil Sie die Konfrontation anstatt den Konsens suchen würden.

Gobbi: Im Frühling wurde ich mit brillanten 73 540 Stimmen als Regierungsrat bestätigt. Die Regierung und der Kantonsrat, auch Vertreter linker Parteien, unterstützen mich. Auf der Strasse drücken mir viele Bürger die Daumen. Ein bisschen Kritik ist Teil des politischen Spiels. Ob man jemanden als konfrontativ bezeichnet oder nicht, hängt vom politischen Standpunkt ab. Unter dem Strich politisiere ich lösungsorientiert.

Sie verlangen Strafregisterauszüge für Ausländer, die eine Aufenthalts- oder eine Grenzgängerbewilligung beantragen. Damit gehen Sie auf Konfrontationskurs mit Justizministerin Simonetta Sommaruga (SP), die Sie für diesen Schritt gerüffelt hat. Können Sie sich vorstellen, mit ihr gut zusammenzuarbeiten?

Gobbi: Ich interpretiere diese Geschichte nicht so. Es handelt sich um eine Polizeimassnahme, die der Sicherheit dient. Und Sicherheit ist nicht eine Selbstverständlichkeit. Bundespräsidentin Sommaruga hat nach den Angriffen in Paris gesagt, Sicherheit sei ein hohes Gut, vielleicht sogar das höchste Gut, ohne Sicherheit werde alles schwierig. Da habe ich nichts hinzuzufügen.

Sprechen wir noch einmal über Eishockey. Sie haben auf den Zuschauerrängen im Jahr 2007 einen schwarzen Spieler des HC Lugano als «negro» bezeichnet. Wie erklären Sie diesen Ausrutscher bei den Anhörungen der Bundeshausfraktionen?

Gobbi: Es handelt sich um eine Jugendsünde, die ich bereue und für dich ich mich schon mindestens 1000 Mal entschuldigt habe, zuerst beim Spieler selber und danach bei den Verantwortlichen des HC Lugano. Ich habe daraus meine Lehren gezogen und halte gleichzeitig fest, dass ich deswegen nie angeklagt oder verurteilt wurde.

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