BUNDESRAT: Geeignet, aber chancenlos?

Mehrere SVP-Politiker sehen den Zuger Nationalrat Thomas Aeschi als neuen Finanz­minister. Zuger Parlamentarier hingegen zeigen sich kritisch.

Samantha Taylor und Harry Ziegler
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Thomas Aeschi verteilte im Wahlkampf Äpfel in Zug: Ob sich der Zuger SVP-Nationalrat für eine Bundesratskandidatur wohl zur Verfügung stellt? (Archivbild Neue ZZ/Maria Schmid)

Thomas Aeschi verteilte im Wahlkampf Äpfel in Zug: Ob sich der Zuger SVP-Nationalrat für eine Bundesratskandidatur wohl zur Verfügung stellt? (Archivbild Neue ZZ/Maria Schmid)

Samantha Taylor und Harry Ziegler

Der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi (36) soll Bundesrat werden. Zumindest, wenn es nach dem Willen einiger SVP-Exponenten geht. «Er hätte alle Voraussetzungen dafür», sagte beispielsweise der Schwyzer SVP-Ständerat Peter Föhn (Ausgabe von gestern). Dabei wäre Aeschi nicht die erste Wahl der Zuger SVP. Diese hatte Landammann Heinz Tännler bereits als Bundesratskandidaten nominiert. Tännler hat sich schliesslich selber aus dem Rennen genommen. «Ich möchte dieses Vabanquespiel um den Bundesratssitz nicht mehr mitmachen und tue mir das auch nicht an», erklärte der Zuger Baudirektor in unserer Zeitung (Ausgabe vom 22. Oktober). Wie der Landammann zu einer allfälligen Kandidatur Aeschis steht, konnte gestern nicht in Erfahrung gebracht werden. Heinz Tännler war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Parteileitungen äussern sich nicht

Bei der SVP des Kantons Zug sind die Meinungen im Vorstand noch nicht gemacht. Dieser müsste Thomas Aeschi ins Rennen schicken und ihn für eine Bundesratskandidatur nominieren, da Aeschi als Präsident der Kantonalpartei dies nicht selbst tun kann. «Wir haben diese Frage in der Parteileitung noch nicht besprochen», sagt Vizepräsident Thomas Werner. Der Vorstand wolle bald zusammenkommen und darüber befinden, so Werner weiter. Für den Vizepräsidenten ist indes klar: «Thomas Aeschi wäre aus meiner Sicht genau der Richtige für dieses Amt, vor allem wenn er das Finanzdepartement übernehmen könnte.» Der Baarer sei ein kluger Kopf, er könne verhandeln und gut auf Leute zugehen. «Er wäre eine Bereicherung für den Bundesrat», ist Werner überzeugt.

Seitens der SVP Schweiz will man sich nicht äussern. «Thomas Aeschi ist eines unserer wichtigsten und profiliertesten Fraktionsmitglieder», so Parteipräsident Toni Brunner. Mehr wolle er zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht sagen. «Ich werde nicht zu einzelnen möglichen Kandidaten Stellung beziehen.» Zuerst müsse die Meldefrist ablaufen, und es müsse klar sein, wer überhaupt zur Verfügung stehe, führt Brunner weiter aus.

Geteilte Meinungen

Bei der Zuger Vertretung in Bern gehen die Meinungen über eine Kandidatur des 36-jährigen SVP-Nationalrats auseinander. So sieht FDP-Nationalrat Bruno Pezzatti die grösste Schwierigkeit bei der Nomination. «Die grösste Hürde muss Aeschi in der eigenen Partei meistern. Bei der Fülle an Kandidaten, die sich anbieten, dürfte es für ihn nicht ganz einfach werden, auch tatsächlich aufgestellt zu werden», ist Pezzatti überzeugt. Dies nicht zuletzt wegen seines Alters. «Sollte er aber tatsächlich nominiert werden, dann hat er meiner Meinung nach gute Chancen.» CVP-Nationalrat Gerhard Pfister sieht dies ähnlich: «Betrachtet man die anderen Namen, die in der Diskussion sind, ist es für Thomas Aeschi vermutlich kein Vorteil, dass er erst eine Legislatur im Parlament ist.» Allerdings ist die Haltung der kantonalen SVP und anderer SVP-Exponenten für den CVP-Mann nachvollziehbar. «Es ist verständlich, dass gewisse Exponenten der SVP Aeschi für den idealen Finanzminister halten. Schliesslich versteht er die Materie», sagt Pfister.

FDP-Ständerat Joachim Eder betont, dass es nicht die Aufgabe der nationalen Politiker sei, mögliche Kandidaturen vor der offiziellen Nomination durch die SVP zu kommentieren zumal jede Woche neue Namen fallen würden. «Es wirkt auf mich wie ein Jekami.» Grundsätzlich würde er dem Baarer SVP-Mann jedoch von einer Kandidatur abraten. «Ich gehe davon aus, dass Thomas Aeschi intelligent genug ist, um zu merken, dass es für dieses hohe Amt noch etwas früh ist.» Die Gefahr einer Niederlage sei sehr gross. Eder weiter: «Thomas Aeschi ist im Bereich Finanzen sicher kompetent und stark. Wir brauchen aber nicht in erster Linie einen Finanzminister, sondern einen Bundesrat, der auch andere Departemente übernehmen könnte. Zum Beispiel das EJPD mit dem Asylwesen.»