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BUNDESRAT: Norman Gobbi in den Startlöchern

Der junge Lega-Regierungsrat wird sich heute als Kandidat der SVP-Kantonalsektion Tessin für die Bundesratswahlen outen. Er könnte zusammen mit Heinz Brand auf ein Zweierticket kommen.
Der Tessiner Regierungsrat Norman Gobbi (Lega) anlässlich der Eröffnung des neuen Kulturzentrums in Lugano. Der 38-Jährige steigt als SVP-Kandidat ins Rennen um den frei werdenden Bundesratssitz. (Bild: Pablo Gianinazzi / Keystone)

Der Tessiner Regierungsrat Norman Gobbi (Lega) anlässlich der Eröffnung des neuen Kulturzentrums in Lugano. Der 38-Jährige steigt als SVP-Kandidat ins Rennen um den frei werdenden Bundesratssitz. (Bild: Pablo Gianinazzi / Keystone)

Gerhard Lob

In den Diskussionen um die Ersatzwahl von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf war aus dem Kanton Tessin bisher nicht viel zu hören. Doch vor zwei Tagen hat der Wind gedreht. Mit Insistenz kursiert seither der Name des 38-jährigen Tessiner Regierungsrats Norman Gobbi. Der kantonale Polizei- und Justizdirektor gehört zwar der Lega dei Ticinesi an, aber Lega und SVP haben auf nationaler Ebene das Heu auf der gleichen Bühne. Die beiden Lega-Nationalräte gehören der SVP-Fraktion an. Bei den nationalen Wahlen vom 18. Oktober war man im Tessin eine Listenverbindung eingegangen. Für den heutigen Samstagnachmittag hat die SVP eine Medienkonferenz in Bellinzona einberufen. Thema: «Tessiner SVP-Kandidatur für den Bundesrat». Gobbi hat offenbar SVP-Parteipräsident Toni Brunner getroffen, doch beide verstecken sich bisher unter einem «no comment». Der kantonale SVP-Präsident Gabriele Pinoja bestätigte hingegen gestern Abend gegenüber Radio RSI, dass Gobbi offizieller Kandidat der SVP Tessin werde. Er muss dafür noch SVP-Parteimitglied werden. Lega-Koordinator Attilio Bignasca meinte, eine solche Kandidatur sei für die Lega kein Problem. Die Lega verstehe sich als Bewegung und kenne keine formale Parteimitgliedschaft.

Das Tessin in Bern vertreten

Für die SVP ist die Kandidatur von Gobbi eine Möglichkeit, die Vertretung der italienischen Schweiz in die Waagschale zu werfen. Das Tessin beklagt sich seit Jahren, dass der italienische Landesteil seit dem Rücktritt von Flavio Cotti 1999 nicht mehr vertreten ist. Inzwischen kursiert bereits das Gerücht, Gobbi könnte allenfalls auf ein Zweierticket mit dem Bündner Nationalrat Heinz Brand kommen. Die Kantonalparteien reichen ihre Kandidaturen bis 13. November ein.

Gobbi stammt aus der Leventina und spricht neben Italienisch und Tessiner Dialekt auch Schweizerdeutsch und Französisch. Er hat bereits eine eindrückliche politische Karriere hinter sich. 1996, im Alter von nur 19 Jahren, wird er für die Lega in den Gemeinderat von Quinto gewählt, 1999 schafft er den Sprung in den Grossen Rat, 2008 nimmt er Einsitz in die Exekutive seiner damaligen Wohngemeinde und bekleidet im gleichen Jahr bereits das Amt des Grossratspräsidenten. 2010 rückt er auf den zurückgetretenen Attilio Bignasca im Natio­nalrat nach. 2011 wird er – gerade mal 34-jährig – in die Tessiner Kantonsregierung gewählt und im April 2015 bestätigt.

In der Politik erfolgreich

Gobbi hat in Lugano Kommunikationswissenschaften studiert, bezeichnet sich selbst als «gemässigt», politisiert aber klar rechts, ist ein überzeugter Anti-Europäer und hat dieses Jahr mit der Einführung eines obligatorischen Strafregisterauszugs bei Anträgen für eine Grenzgänger- oder Aufenthaltsbewilligung einigen Staub aufgewirbelt. Er forderte bereits, die Grenzen nach Italien zu schliessen und die Steuerverhandlungen mit Italien zu sistieren. Er gehörte stets zu den Kritikern von Eveline Widmer-Schlumpf. Polizei, Militär und Sicherheit sind seine Lieblingsthemen. Ab 2014 präsidierte er für ein Jahr die Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr (RK MZF). Er zeigt sich gerne jugendlich und kumpelhaft, kann aber genauso staatsmännisch auftreten.

Unabhängig von den realen Chancen einer Kandidatur Gobbis kann die Tessiner SVP-Kantonalsektion dadurch das Thema einer angemessenen Vertretung der Landesteile im Bundesrat aufs Tapet bringen. Nach dem Rücktritt Cottis scheiterten alle Versuche von Tessiner Politikern, in die Landesregierung einzuziehen. Remigio Ratti (CVP) erhielt 1999 nach einer zögerlichen Nomination durch die Kantonalpartei nur wenige Stimmen, 2002 erlitt Patrizia Pesenti als nicht offizielle SP-Kandidatin das gleiche Schicksal (gewählt wurde Micheline Calmy-Rey). 2003 kandierte Fulvio Pelli chancenlos für die Nachfolge von Kaspar Villiger. 2009 galt Pelli zuerst als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Pascal Couchepin, wurde schliesslich aber nicht offiziell nominiert. Auch die Versuche von Ignazio Cassis (FDP) im Jahr 2010, Nachfolger von Hans-Rudolf Merz zu werden, sowie von Marina Carobbio 2011 (SP), die auf Calmy-Rey folgen wollte, scheiterten.

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