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BUNDESRAT: Schmid und Aeschi steigen ins Rennen

Der Nidwaldner Regierungsrat Res Schmid und der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi wollen für die SVP in die Regierung. Beide gehören nicht zu den Topfavoriten.
Res Schmid (links) und Thomas Aeschi. (Bild: Keystone)

Res Schmid (links) und Thomas Aeschi. (Bild: Keystone)

Lukas Leuzinger

Die Liste der Kandidaturen für den zweiten SVP-Bundesrat füllt sich allmählich. Heute Freitag läuft die Frist ab, Kandidaten bei der parteieigenen Findungskommission zu melden. Seit gestern ist klar: Das Gremium wird sich auch zwei Bewerber aus der Zentralschweiz genauer anschauen. Die SVP Nidwalden nominierte ihren Regierungsrat Res Schmid als Kandidaten, und die Zuger SVP schickt ihren Präsidenten und Nationalrat Thomas Aeschi ins Rennen.

Die Innerschweiz hat, gemessen an ihrer Bevölkerungsstärke, in der Vergangenheit weniger Bundesräte gestellt als andere Regionen (siehe Ausgabe von gestern). Nidwalden hatte sogar noch nie einen Vertreter in der Landesregierung. «Vom Grundgedanken des Föderalismus her dürfte die Zentralschweiz durchaus im Bundesrat vertreten sein», sagte Res Schmid gestern auf Anfrage. Das sei aber nicht der einzige Grund gewesen, dass er sich für eine Kandidatur entschieden habe. Die Schweiz stehe vor vielen Problemen. «Aufgrund meiner beruflichen, politischen und militärischen Erfahrung traue ich mir das Amt zu», sagte der 57-Jährige.

Anfang November hatte die SVP Nidwalden noch angekündigt, Schmid nicht aktiv zu nominieren. Den Entscheid, ob der Bildungsdirektor in die engere Auswahl kommen soll, wollte sie der Findungskommission überlassen, wie Parteipräsident Christoph Keller damals sagte («Zentralschweiz am Sonntag» vom 1. November). Inzwischen habe die Findungskommission in einem Schreiben aber signalisiert, dass eine Nomination nötig sei, erklärte Keller gestern.

Internationaler Hintergrund

Auch Thomas Aeschi hatte sich nicht vorgedrängt. Die Zuger SVP nominierte zunächst Regierungsrat Heinz Tännler. Dieser sagte jedoch ab. «Ich möchte dieses Vabanque-Spiel um den Bundesratssitz nicht mehr mitmachen», erklärte er Ende Oktober. Nach diesem Entscheid habe die Partei die Situation neu analysiert, sagte Aeschi gestern.

Der 36-jährige Aeschi wurde 2010 in den Kantonsrat und nur ein Jahr später in den Nationalrat gewählt. In seiner ersten Legislatur machte er sich vor allem als Finanzpolitiker einen Namen. Er politisiert nah an der SVP-Parteilinie, gleichzeitig gibt er sich weltoffen. Aeschi studierte in Malaysia, Israel sowie an der renommierten Harvard-Universität in den USA. Seit 2008 arbeitet er für eine globale Strategieberatungsfirma.

«Ich habe einen internationalen Hintergrund und Berufserfahrung in anspruchsvollen Sektoren. Ich bin es gewohnt, mit komplexen Aufgaben umzugehen», erklärte Aeschi seine Vorzüge. Kollegen im Parlament attestieren ihm Engagement und Fachwissen. Als Hindernis wird allerdings gesehen, dass er mit vier Jahren vergleichsweise wenig Erfahrung in Bundesbern habe. Aeschi räumt ein, dass er zwar weniger Erfahrung als andere Kandidaten mitbringe. Dafür habe er «umso mehr Energie und Gestaltungswillen». Er sehe sich als Vertreter der jungen Generation. «Es ist wichtig, dass es im Bundesrat einen guten Mix von verschiedenen Altersgruppen gibt.»

Offen für alle Departemente

Er sei in der Lage, jedes Departement zu übernehmen, sagte Aeschi. «Das Finanzdepartement ist das Departement, mit dem ich in den vergangenen vier Jahren am meisten zu tun gehabt habe. Aber auch die anderen Departemente wie zum Beispiel das EJPD mit seinen eng mit der EU verknüpften Aufgabenbereichen wären interessant.» Dagegen wäre Res Schmid für das Verteidigungsdepartement prädestiniert: Er ist ausgebildeter Militärpilot und war von 2004 bis 2010 sogar Cheftestpilot beim VBS. Schmid ist aber offen für jedes Departement, wie er sagt.

Auf Parteilinie, aber konsensfähig

Seine politische Karriere begann Schmid 2001 mit der Gründung der SVP-Ortssektion in Emmetten, deren erster Präsident er wurde. Ab 2002 sass er im Nidwaldner Landrat, 2010 folgte die Wahl in den Regierungsrat. Daneben ist er als Experte im Stab von VBS-Chef Ueli Maurer nach wie vor im militärischen Bereich tätig. Wie Aeschi gilt auch Schmid als SVP-Politiker, der auf Partei­linie politisiert. Er selbst sagte: «Ich bin SVP-Vertreter, bin aber auch konsensfähig.» Ein Nachteil von Schmid könnte sein, dass es für Politiker, die selbst nie dem nationalen Parlament angehörten, schwer ist, von diesem gewählt zu werden. Aufgrund seiner Tätigkeit für das VBS hat er aber viele Kontakte in Bern.

Die Luzerner CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann kennt Schmid, weil er die Evaluation für den Kauf neuer Kampfjets leitete. Die Luzernerin ist Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission. Schmid sei «sehr engagiert und kompetent», sagte sie gestern gegenüber unserer Zeitung. Seine Arbeit als Regierungsrat könne sie nicht einschätzen. Im persönlichen Umgang sei er aber sehr angenehm.

Auf seine Wahlchancen angesprochen, gibt sich Schmid zurückhaltend. Er gehöre wohl nicht zum engsten Favoritenkreis, sagte er – aber: «Es ist schwierig zu sagen, wie es rauskommt.»

Pluspunkte bei anderen Parteien

Ähnlich äusserte sich Aeschi: «Bundesratswahlen sind sehr schwer vorauszusagen, und das Kandidatenfeld ist sehr breit.» Die erste Hürde, welche die Bundesratsaspiranten nehmen müssen, ist die Nomination durch die SVP-Fraktion. Diese wird am 20. November entscheiden (siehe Box). Letztlich entscheidet aber das Parlament. Aeschi ist zuversichtlich, dass er auch bei anderen Parteien punkten kann: «Aufgrund von Gesprächen mit Parlamentariern bin ich überzeugt davon, dass ich bei einer Nomination durch die Partei Wahlchancen in der Bundesversammlung habe.»

Sprachgewandte Kandidaten

Kein Hindernis stellen bei Aeschi und Schmid die Sprachkenntnisse dar: Im Gegensatz zu anderen SVP-Politikern, die im Gespräch sind, sprechen beide fliessend französisch. Schmid ist auch in der Westschweiz kein Unbekannter: Vergangenes Jahr hatte sich die Nidwaldner Regierung dafür ausgesprochen, den Französischunterricht auf Primarstufe abzuschaffen, und dafür schweizweit Kritik ausgelöst. Schmid trat daraufhin in der Sendung «Infrarouge» auf, dem «Arena»-Pendant des französischsprachigen Fernsehens RTS, und verteidigte den Entscheid – in einem Französisch, das manch einem Deutschschweizer Bundesrat gut anstehen würde.

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