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Bundesrat verteidigt Einsatz für Vegi-Apéros – die Fleischbranche fühlt sich ungerecht behandelt

Der Streit um die Empfehlung des Bundesamts für Umwelt, Apéros mehrheitlich fleischlos zu halten, geht in die nächste Runde.
Dominic Wirth
Apéros mit wenig Fleisch: Die Empfehlung des Bundes kommt nicht gut an. (Bild: Shutterstock)

Apéros mit wenig Fleisch: Die Empfehlung des Bundes kommt nicht gut an. (Bild: Shutterstock)

Es war mit dem harmlosen Titel« Nachhaltige Verpflegung» überschrieben. Doch das entsprechende Merkblatt des Bundesamts für Umwelt hat im Frühling für rote Köpfe gesorgt. Mit dem Papier gibt das Amt Tipps zur umweltfreundlichen Gestaltung von Apéros. Zu reden gaben insbesondere zwei Ratschläge: das Buffet, schreibt das Amt, soll «zu zwei Dritteln aus vegetarischen Produkten» bestehen. Zudem sollen diese «an erster Stelle» platziert werden.

Ist es am Bund, sich für fleischlose Apéros einzusetzen, Merkblätter zu verfassen? Nein, fand SVP-Nationalrat Franz Ruppen. Der Walliser ist ein Mann, der von sich sagt, dass er gerne hin und wieder ein Stück Fleisch isst. Und der sich ein Walliserplättchen, das zu zwei Dritteln aus Grünzeug und Käse besteht, nicht ausmalen mag. Da hätten bei ihm «die Alarmglocken geschrillt», sagt er. Vor allem aber fand Ruppen, dass das Umweltamt mit seinem Merkblatt eine Grenze überschritt – und sich einmischte, wo es das nicht sollte. Deshalb fragte Ruppen mit einer Interpellation beim Bundesrat etwa nach, ob er «tatsächlich der Ansicht ist, dass hier von Seiten des Bundes Handlungsbedarf besteht».

Dem Bund ist der Fleischkonsum zu hoch

Seit kurzem liegt die Antwort der Landesregierung vor. Um es kurz zu machen: Ja, der Bundesrat findet durchaus, dass Handlungsbedarf besteht. Er verweist darauf, dass 28 Prozent der gesamten Umweltbelastung der Schweiz durch die Ernährung verursacht werde. Das Umweltamt habe gemäss Gesetz den Auftrag, «die Bevölkerung über umweltverträgliches Verhalten zu informieren und Massnahmen zur Verminderung der Umweltbelastung zu empfehlen».

Ein sinkender Fleischkonsum sei im Sinne der von der Schweiz unterzeichneten Klimaziele. Dass er Apéros vorschlägt, die nur zu einem Drittel aus Fleisch bestehen sollen, begründet er auch mit dem Fleischkonsum der Schweizer. Dieser, das habe die nationale Ernährungserhebung gezeigt, betrage in der Schweiz mehr als das dreifache der empfohlenen Menge.

Ruedi Hadorn, den Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands, überzeugt die bundesrätliche Argumentation nicht. «Ich sehe nicht ein, warum der Bund glaubt, hier mit Umweltvorgaben die Bevölkerung in ihrer Ernährung bevormunden zu müssen», sagt Hadorn. Vielmehr sei die Wahlfreiheit auch beim Fleischgenuss gefragt.

Ruppen hat Angst vor Fleischverbot

Hadorns Kritik geht noch weiter. Er hat «das Umweltamt und die diesem zugewandten, externen Beratungsbüros» schon länger im Verdacht, Stimmung gegen den Fleischkonsum zu machen. Hadorn ist klar der Ansicht, «dass Fleisch gerade aktuell einseitig und zu Unrecht als Sündenbock für eine Vielzahl von Interessen herhalten muss».

Er räumt zwar ein, dass es sehr wohl auch beim Fleischkonsum Optimierungspotenzial gäbe, etwa bei der vielseitigeren Verwertung der Schlachtkörper. «Ich wehre mich aber dezidiert dagegen, wenn man sagt, Fleisch sei böse und alles Pflanzliche gut. Das ist mir zu sehr schwarz-weiss – und geht nebst der Effekthascherei teilweise schon fast ins Religiöse», sagt Hadorn. «Hier wäre vermehrte Objektivität klar zielführender».

Auch Franz Ruppen, der Verfasser der Interpellation, gibt sich mit den Erklärungen des Bundesrats nicht zufrieden. Der Walliser ärgert sich schon länger über die «Verbotsmentalität», die in seinen Augen zunehmend um sich greift. Und die Eigenverantwortung darob unter die Räder kommt. Er hat den Verdacht, dass der Bund dereinst auch beim Fleisch zu Massnahmen greift, die weiter gehen als Empfehlungen. «Da muss man auf der Hut sein», sagt Ruppen.

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