Bundesrat
Bundesratskandidat Zuppiger soll Erbschaft veruntreut haben

Der SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger soll sich über mehrere Jahre aus einer Erbschaft einer ehemaligen Angestellten seiner Firma bedient haben. Dies hat die «Weltwoche» heute offengelegt und bringt den Hinwiler nun arg in Bedrängnis.

Marco Sansoni
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Bruno Zuppiger

Bruno Zuppiger

Die Geschichte scheint ein Politkrimi zu sein, der seinesgleichen sucht: Die SVP will einen zweiten Vertreter im Bundesrat und nominiert ausgerechnet eine Person aus demselben Wohnort, wo auch die schon im Bundesrat sitzende Person herkommt. Genau eine Woche vor den Wahlen holt nun ausgerechnet das rechtslastige Magazin «Weltwoche» den Kandidaten wieder vom hohen Ross.

Zuppiger als Willensvollstrecker

So geschehen heute: Die «Weltwoche» veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom Donnerstag Recherchen, dass einer der beiden SVP-Kronfavoriten, Bruno Zuppiger nämlich, sich über Jahre hinweg aus einer Erbschaft bedient haben soll. Den Anfang nahm die Geschichte mit dem Tod einer ehemaligen Angestellten Zuppigers vor etwas mehr als elf Jahren. Sie hinterliess rund 265000 Franken, aber keine erbberechtigten Verwandten. Im Testament vermachte die Frau ihr Vermögen zwei gemeinnützigen Organisationen, als Willensvollstrecker setzte sie Bruno Zuppigers Firma Zuppiger & Partner AG ein.

An sich keine grosse Arbeit: Das Geld hätte lediglich zu den Organisationen fliessen sollen. Soweit so gut. Doch es kam anders: 2004 erkundigten sich die Begünstigten erstmals bei Zuppiger über den Verbleib des Geldes, wie die «Weltwoche» schreibt. Längere Zeit ging nichts, bis im Jahre 2005 der Willensvollstrecker den Organisationen eine Zwischenabrechnung präsentierte. Dort führte er drei Personen, darunter sich selber, mit dem entsprechenden Arbeitsaufwand auf. Summa summarum verrechnete er für die drei Personen 800 Franken - pro Stunde notabene.

Als Grund gab er die aufwändige Suche nach einem möglichen Verwandten an. Das hätte die Verstorbene zuvor noch so gewollt - beweisen konnte es Zuppiger aber nie. Die Geschichte verzögerte sich so stark, dass zehn Jahre nach dem Ableben der ehemaligen Mitarbeiterin das Geld immer noch bei Zuppiger lag.

Zuppiger liess Geld auf Privatkonto wandern

Die missachteten Organisationen klagten so Zuppigers Firma am 18. Oktober 2010 vor dem Bezirksgericht Zürich ein. Gemäss der heute erschienen Recherchen beteuerte der jetzige Bundesratskandidat seine Unschuld und versuchte, Fristen zu erwirken. Erst dank der Klage händigte Zuppiger die Unterlagen aus. Und da offenbarte sich das Ausmass: So hatte der Firmenchef im April 2007 persönlich beauftragt, den Restbetrag des Erbes zu saldieren und auf das Privatkonto Zuppigers zu überweisen.

Im Zusatz zur Klageschrift gingen die Organisationen aufs Ganze. Sie stellten Zuppiger ein Ultimatum, die Sache bis zum Jahreswechsel 2010/2011 zu klären, da sonst «die vorliegende Angelegenheit auch in strafrechtlicher Hinsicht der notwendigen Klärung zugeführt würde», so die «Weltwoche»-Recherchen.

Karriere zu retten versucht

Die Drohung wirkte. Zuppiger versuchte, vermutlich die Bundesratsambitionen schon im Kopf, seine Karriere zu retten und beglich den Betrag umgehend, inklusive satten Jahreszinsen von fünf Prozent. Als der Autor der «Weltwoche» Zuppiger mit den Vorwürfen konfrontierte, antwortete er nur: ««Der Fall ist abgeschlossen. Alles ist geregelt ohne jeden Schaden für Dritte.»

SVP: «Die Sache ist erledigt»

Inwiefern nun die Posse und der «Weltwoche»-Artikel dem Bundesratskandidaten schaden, wird sich zeigen müssen. Die SVP jedenfalls reagierte am Mittwochabend mit einem Communiqué auf die Vorwürfe - und stellte sich hinter Zuppiger.

Die SVP-Spitze, heisst es in dem Schreiben, sei vor der Nomination über die Angelegenheit informiert worden. Zuppiger hat nach Ansicht der SVP «die Sache» in Ordnung gebracht. Deshalb habe auch nie ein Grund bestanden, eine Nomination infrage zu stellen. «Für die SVP ist die Sache erledigt.»

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