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BUNDESRATSWAHL: Cassis' Gegner brauchen ein Wunder

Bei den gestrigen Hearings kristallisierte sich kein klarer Gegenkandidat zu Ignazio Cassis heraus. Dies erschwert es der SP, die Wahl des Tessiners in letzter Minute noch zu verhindern.
Roger Braun, Maja Briner und
Der Kronfavorit im Fokus der Medien: Ignazio Cassis nach dem Hearing bei der SP. (Bild: Yoshiko Kusano/EQ (Bern, 19. September 2017))

Der Kronfavorit im Fokus der Medien: Ignazio Cassis nach dem Hearing bei der SP. (Bild: Yoshiko Kusano/EQ (Bern, 19. September 2017))

Roger Braun, Maja Briner und Anna Kappeler

Heute ist es so weit: Ab 8 Uhr wählt das Bundesparlament den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Bundesrat Didier Burkhalter. Gestern hatten Pierre Maudet und Isabelle Moret bei drei Hearings die letzte Gelegenheit, Boden gutzumachen. Sie hätten SP, BDP und GLP klar auf ihre Seite ziehen müssen, um Fraktionschef Ignazio Cassis noch abzufangen. Sie schafften es nicht.

Die besten Aussichten auf Stimmen versprach die SP, ist Cassis dort doch als Krankenkassenvertreter verschrien. Die Partei war gestern Abend allerdings noch unschlüssig, auf wen sie setzen soll. «Es gab Stimmen für alle drei Kandidaten», sagte SP-Fraktionschef Roger Nordmann nach der Fraktionssitzung. Die Partei verzichtete deshalb darauf, eine Wahlempfehlung abzugeben. Stattdessen wollte sich die Partei in der ominösen «Nacht der langen Messer» mit Vertretern anderer Parteien absprechen. Nordmann sagte es nicht direkt, aber nach den bisherigen Verlautbarungen der SP-Spitze dürfte es vor allem darum gehen, Cassis zu verhindern. Dem Vernehmen nach soll es allerdings auch eine Gruppe SP-Parlamentarier geben, die Cassis wählen wollen.

Die SP ist in der Zwickmühle

Eine wilde Kandidatur schloss die SP aus. «Wir werden einen der drei offiziellen Kandidaten der FDP wählen», kündigte Nordmann an. Er tat dies nicht ohne sein Bedauern auszudrücken, dass die ehemalige Tessiner Regierungsrätin Laura Sadis nicht auf dem Wahlvorschlag der FDP steht. «Sie hätte alle geforderten Kriterien für einen Bundesrat erfüllt», sagte Nordmann. Sie komme aus dem Tessin, sei eine Frau und habe Führungserfahrung. Was Nordmann nicht sagte: Sadis steht deutlich links der offiziellen Kandidaten – weshalb sie von der FDP auch nicht nominiert worden war.

Ob Moret oder Maudet eher Cassis gefährden könnte, war gestern Abend unklar. Die SVP hatte sich letzte Woche mit 45 Stimmen klar für Cassis ausgesprochen. Auf Moret entfielen elf Stimmen, auf Maudet eine einzige. Allerdings ist unklar, ob die Moret-Anhänger sie auch wirklich wählen werden. Die Parteispitze tendiert nämlich klar zu Cassis. Bei der CVP und der FDP kann der Tessiner ebenfalls mit einer Mehrheit der Stimmen rechnen, dahinter scheint Maudet deutlich bessere Karten zu haben als Moret. Die Grünen hingegen werden mehrheitlich, aber nicht einstimmig, für Moret stimmen. Die Vertretung der Frauen im Rat sei wichtiger als jene des Tessins, argumentierte die Partei.

Auch bei den Kleinparteien BDP und GLP zeichnet sich keine klare Alternative zu Cassis ab. Nach dem gestrigen Hearing gab BDP-Fraktionspräsidentin Rosmarie Quadranti bekannt, dass eine Mehrheit ihrer Partei Maudet wählen werde. Er sei die geeignetste Persönlichkeit, um im Bundesrat Lösungen zu finden, sagte sie. Diese Entscheidung überrascht einigermassen, hatte sich Parteipräsident Martin Landolt im August doch klar für Moret und damit eine angemessene Vertretung der Frauen im Bundesrat ausgesprochen.

Eine Präferenz für eine Frau hatte einst auch GLP-Präsident Jürg Grossen. Gestern sagte GLP-Fraktionschefin Tiana Moser hingegen: «Alle drei Kandidaten werden von uns Stimmen erhalten.» Sie argumentierte, dass alle drei untervertretene Bevölkerungsgruppen repräsentierten: Cassis als Tessiner, Moret als Frau und Maudet als Städter.

Die Verzettlung der Nicht-Cassis-Stimmen bringt die SP in ein Dilemma. Soll man aus frauenpolitischen Gründen die Frau wählen oder soll sich die Partei besser an Maudet anlehnen und damit versuchen, mit den bürgerlichen Stimmen das Unmögliche noch zu schaffen? Die SP wollte sich heute Vormittag nochmals treffen, um die endgültige Entscheidung zu fällen. Derweil diskutierten Beobachter, ob Cassis die Wahl bereits im ersten Wahlgang schaffen könnte. Nötig sind 123 Stimmen. Vorausgesetzt die Cassis-Anhänger wählen im ersten Wahlgang bereits diszipliniert den Tessiner, liegt das im Bereich des Möglichen.

Cassis zeigte sich gestern erleichtert, dass der Wahlkampf vorbei ist. Wie ein «Marathon» sei ihm dieser vorgekommen, sagte er nach den Hearings. Er habe getan, was er konnte. «Jetzt ist es an der Vereinigten Bundesversammlung, zu entscheiden.»

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