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BUNDESRATSWAHLEN: Die Handicaps der Kronfavoritin

Die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter gilt als gesetzt für die Nachfolge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Doch ihr stehen Hürden im Weg.
Fabian Fellmann
Lässt sich noch nicht in die Karten blicken: Karin Keller-Sutter. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 13. März 2018))

Lässt sich noch nicht in die Karten blicken: Karin Keller-Sutter. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 13. März 2018))

Fabian Fellmann

Ein zweites Mal will sie das nicht erleben. 2010 stand Karin Keller-Sutter vor dem Sprung in den Bundesrat. Doch dann versagte die Bundesversammlung der damaligen St. Galler Regierungsrätin die Gunst. Stattdessen zog sie einen aus den eigenen Reihen vor: den Berner Nationalrat Johann Schneider-Ammann.

Nun, da der Wirtschaftsminister seinen Rücktritt auf spätestens Ende 2019 angekündigt hat, richten sich wieder aller Augen auf die 54-Jährige. Schneider-Ammann persönlich hat sie zur Kronfavoritin gekürt. Ihre Wahl zur Ständeratspräsidentin «soll nur den Weg in meine Fussstapfen freihalten», sagte er im November an Keller-Sutters Feier in ihrer Heimatstadt Wil.

Die Politikerin und Wirtschaftsvertreterin selbst schweigt dazu vielsagend. «Ob ich ein zweites Mal ein Exekutivamt übernehmen würde, weiss ich nicht», war das Konkreteste, was sie sich bisher öffentlich entlocken liess. Publiziert wurde die Aussage am Freitag, jenem Tag, als Schneider-Ammann über seinen Rücktrittstermin sprach.

Bedingungen erzeugen böses Blut

Doch in ihrer Partei, der FDP, reden alle über die Botschaft, welche die St. Gallerin übermittelt habe: Sie sei interessiert. Aber nur, wenn sie nicht Gefahr laufe, ein zweites Mal zu verlieren. Anfänglich versuchte sie gar, eine Einer-Kandidatur durchzusetzen, wie es in der FDP heisst. Dar­auf ging die Partei nicht ein – zu riskant. Spätestens seit SVP-Kandidat Bruno Zuppiger 2011 acht Tage vor dem Wahltag über einen Veruntreuungsfall stolperte, sind die Parteien vorsichtig geworden.

Nicht, dass Keller-Sutter auch nur der Hauch eines Verdachts umwehen würde, im Gegenteil: Sie gilt als integer. Doch der Unwägbarkeiten sind viele. Und die Ständerätin scheint sich mit ihren Bedingungen selbst Hürden in den Weg zu stellen. In der Zeitung «24 heures» schnödete gestern ein Parteimitglied anonym, sie verhalte sich «wie eine Primadonna», der man «einen Rosenteppich» auslegen müsse.

Gegen solche Stimmen aus dem Hinterhalt kann sich Keller-Sutter kaum wehren. Sie werden umso gefährlicher, je länger die Ständerätin als Kronfavoritin auf den Wahltag warten muss, zumal die FDP für eine gute Frauenkandidatur nicht zwingend auf sie angewiesen ist. Als Konkurrentin wird auch Parteipräsidentin Pe­tra Gössi gehandelt, selbst wenn diese dazu sagt: «Diese Frage stellt sich derzeit nicht.» Der «Blick» spekulierte gestern gar über ein Duell der beiden. Wohl würde weder die Partei ihre zwei weiblichen Zugpferde aufeinander loslassen, noch würden sie darauf eingehen. Die entscheidende Frage ist: Wer würde antreten im Bewusstsein darum, als Steigbügelhalter zu dienen?

Offen ist, wie die politische Konjunktur Keller-Sutters Chancen prägt. 2010 politisierte die St. Gallerin der Linken zu weit rechts. Inzwischen hat SP-Präsident Christian Levrat sie «für durchaus fähig» erklärt. Doch die SP kritisiert auch, der Bundesrat sei schon mit der Wahl von Ignazio Cassis nach rechts gerückt.

Viel Verständnis für die Bauern

Das weiss auch Keller-Sutter. Dar­um webt sie ihr Netz von Allianzen weiter. Im Streit zwischen Schneider-Ammann und dem CVP-Nationalrat und Bauernpräsidenten Markus Ritter etwa wirkte sie als Schlichterin, in Interviews signalisiert sie als Ständerätin eines Agrarkantons Verständnis für die Bauern. Letztlich bleibt der «mächtigsten Politikerin der Schweiz», wie sie der «Tages-Anzeiger» betitelte, aber nichts übrig, als zu schweigen, bis Schneider-Ammann zurücktritt. Und darauf zu vertrauen, dass die Konstellation dann passt: Weil die Ostschweizer ihre erste Vertretung seit 1999 einfordern, die Frauen die erste FDP-Bundesrätin seit 1989 und das Parlament eine überdurchschnittlich fähige Magistratin.

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