BUNDESRATSWAHLEN: Ist Norman Gobbi der lachende Dritte?

Der Zuger Thomas Aeschi sei so gut wie gewählt, glauben viele. Andere sehen den Romand Guy Parmelin schon im Amt. Profitieren könnte am Ende der Tessiner.

Eva Novak und Sermîn Faki
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Zurücklehnen kann sich Norman Gobbi zwar noch nicht, aber seine Wahlchancen sind gut. (Bild: Keystone/Gabriele Putzu)

Zurücklehnen kann sich Norman Gobbi zwar noch nicht, aber seine Wahlchancen sind gut. (Bild: Keystone/Gabriele Putzu)

In der aktuellen Folge der Internet-Sendung «Teleblocher» äussert sich SVP-Doyen Christoph Blocher zu den bevorstehenden Bundesratswahlen am 9. Dezember. Dabei fallen Sätze wie: «Er setzt sich durch, das ist was Besonderes.» Oder: «Er hat unglaublich viel geleistet.» In derart hohen Tönen lobt Blocher jedoch nicht etwa seinen angeblichen «Ziehsohn» Thomas Aeschi, sondern den «parteifremden» Tessiner Norman Gobbi. Minutenlang schwärmt Blocher von Gobbis Fähigkeiten, über Aeschi heisst es derweil nur, er sei ein «guter Mann». Ein Ablenkmanöver? Keineswegs. Blocher setze wirklich auf Gobbi, heisst es aus seinem Umfeld.

Tessin braucht eine Stimme

«In den letzten Jahren habe ich bei Blocher ein wachsendes Interesse für das Tessin und seine Probleme festgestellt.» Das sagt einer, der es wissen muss: Matthias Ackeret, Journalist und langjähriger Blocher-Kenner. Der Autor des Buchs «Das Blocher-Prinzip» interviewt den alt Bundesrat seit September 2007 auch für das Blocher-TV. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Kandidatur von Gobbi sicher sehr ernst zu nehmen. Seine Chancen sind absolut intakt.

Blocher ist das Tessin in der letzten Zeit richtiggehend ans Herz gewachsen. Vor allem nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative, zu der die Südschweiz entscheidend beigetragen hat. Der Kanton sei in einer sehr schwierigen Lage, so Blocher bei «Teleblocher». Es tue weh, dass sich dessen in Bern niemand annehme. Blocher fordert für das Tessin eine Stimme in Bern. Und fügt hinzu: «Wir haben eine gute Kandidatur mit dem Staatsratspräsidenten.»

Bundesrat gegen Partei

Was Blocher zu solchen Lobeshymnen auf Gobbi bringt, ist nicht nur Sympathie für den 38-jährigen Regierungsrat. Sondern reine Machtpolitik: Kurzfristig wäre Gobbi ein Bundesrat von Blochers Gnaden und müsste spuren. Und selbst wenn sich Gobbi weniger gut kontrollieren liesse als andere: Dank ihm könnte sich die SVP die Lega einverleiben und mittelfristig ins Tessin expandieren. Gelingt dies, kann die Partei schliesslich langfristig weiterwachsen und bei den Wahlen in vier Jahren die 30-Prozent-Marke knacken. Das hätte dann wahrhaft historische Dimension – und würde all jene widerlegen, die meinen, dass in der Schweiz keine Partei die magische Dreissiger-Hürde überspringen kann.

Gobbi jetzt schon Favorit

Das ist die Strategie. Doch Blocher wählt nicht – er wird nicht einmal mehr im Saal sitzen, wenn es so weit ist. Und im Parlament ist Lega-Mann Gobbi ein Aussenseiter, zumal er selbst nur ein Jahr dort politisierte – das ist schon eine Weile her. Grossen Eindruck hinterlassen hat er damals nicht, wenn man bei langjährigen Ratskollegen nachfragt. Und er gehört der Lega an, die als unzuverlässig und nicht salonfähig gilt.

Das alles müsste ein Nachteil sein. Doch Gobbi ist bei mehreren Parlamentariern schon Favorit für den 9. Dezember. «Man hört nur Gutes über ihn», sagt etwa der Schwyzer CVP-Nationalrat Alois Gmür. Gobbi habe als Einziger der drei Kandidaten Exekutiverfahrung, führt FDP-Ständerat Joachim Eder als Pluspunkt ins Feld. Er werde als Zuger jedoch Aeschi unterstützen, «auch wenn ich weiss, dass es gewisse Widerstände gegen ihn gibt». Aeschi gilt als zu unerfahren, zu ehrgeizig, zu Blocher-nah. Vor allem aber stünde er als Bundesrat anderen Deutschschweizern mit Ambitionen vor der Sonne, beispielsweise wenn Ueli Maurer in den kommenden Jahren zurücktritt. Aus diesem Grund soll sich der Zürcher Wirtschaftsflügel der SVP, auf dessen Unterstützung Aeschi angewiesen ist, bereits von ihm abgewendet haben. Das schmälert seine Chancen enorm.

Ein Tessiner wäre ideal

Gleichen Ränkespielen sieht sich Guy Parmelin in der Romandie ausgesetzt – seine Wahl würde zudem zu einer Übervertretung der Westschweiz in der Landesregierung führen, die beim Rücktritt von Didier Burkhalter oder Alain Berset wieder bereinigt würde: Auf Jahre hinaus müssten Romands ihre Karrierepläne begraben. Ein junger Tessiner Bundesrat hingegen wäre für all die Ambitionierten ideal: Der Südkanton wäre befriedigt, und man könnte viel berechenbarer auf frei werdende Sitze spekulieren. Der einzige Leidtragende wäre CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi, der sich von seinen Bundesratsträumen verabschieden kann.

«Ich halte es für möglich, dass Gobbi am Schluss der lachende Dritte ist», sagt Ständerat Eder. Der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister glaubt, dass die Hearings entscheiden werden. In diesem Fall kann sich Christoph Blocher jetzt schon freuen: Geht alles glatt, wird Gobbi dort den besten Eindruck machen. So wie bei der Präsentation der Kandidaten vor den Medien, als er Aeschi und Parmelin locker die Show stahl.