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Die Bundesratskandidaturen werden immer professioneller

Bundesratsanwärter wie CVP-Ständerat Peter Hegglin oder FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter überlassen nichts dem Zufall. Fehltritte sind tabu.
Roger Braun
Karin Keller-Sutter gab vergangene Woche an einer Medienkonferenz ihre Kandidatur für den Bundesrat bekannt. (Bild: Thomas Hary)

Karin Keller-Sutter gab vergangene Woche an einer Medienkonferenz ihre Kandidatur für den Bundesrat bekannt. (Bild: Thomas Hary)

Der Moment war sorgfältig gewählt. Als Peter Hegglin seine Kandidatur für den Bundesrat am Wochenende bekannt gab, war die Wirkung maximal. Drei von vier Sonntagszeitungen berichteten gross über den Zuger CVP-Ständerat, der die Nachfolge von Doris Leuthard antreten möchte. Gleichentags ging seine neue Webseite online. Deren Name ist Programm: www.peter-hegglin-in-den-bundesrat.ch. Bereits hat Hegglin auch ein Team um sich geschart, das ihm dabei helfen soll, am 5.Dezember in den Bundesrat gewählt zu werden.

«Bundesratswahlen haben sich enorm gewandelt»

Hochprofessionell geht auch FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter die Wahl an. Die Favoritin für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann lud die Medien in ihre Heimatstadt Wil ein, um ihre Kandidatur für den Bundesrat bekannt zu geben. Von einer «Kampagne» will zwar sie nicht sprechen, doch offensichtlich scheut sie keine Mühe. In einem zehnseitigen Dossier in zwei Sprachen finden sich eine Medienmitteilung, ihre Ansprache, ein Lebenslauf und die Reden ihrer St.Galler Parteikollegen. Auf Fragen der Journalisten gab sie souverän Auskunft. Später findet man Versatzstücke ihrer Antworten in etlichen persönlichen Interviews – ein untrügliches Zeichen für eine minutiöse Vorbereitung auf die Fragen.

«Bundesratswahlen haben sich enorm gewandelt», sagt Politologe Georg Lutz von der Universität Lausanne. Er spricht von einem «gigantischen» medialen Interesse für die möglichen Kandidaten. «Wer sich da nicht professionell vorbereitet, hat von Beginn weg keine Chance.» Für Lutz ist die mediale Berichterstattung im Vergleich zu früher deutlich kritischer geworden. «Jeder Kandidat muss inzwischen damit rechnen, von Fuss bis Kopf durchleuchtet zu werden», sagt er.

Laut Lutz sind die hochmediatisierten und ausgesprochen kompetitiven Bundesratswahlen ein Phänomen neueren Datums. Mit Verweis auf die Bundesratswahlen im Jahr 2010 sagt er: «Jemand mit kommunikativen Schwächen wie Johann Schneider-Ammann hätte es heute viel schwerer, in den Bundesrat gewählt zu werden.»

Neue Massstäbe setzte vor einem Jahr der Genfer FDP-Regierungsrat Pierre Maudet. Er entwarf ein politisches Programm, war in den Medien allgegenwärtig und er traf 97 der 246 Bundesparlamentarier persönlich. Nachdem SVP-Nationalrat Luzi Stamm in einer Zeitung erklärt hatte, dass seine Frau noch nie etwas von Maudet gehört habe, stand dieser kurze Zeit später vor der Türe - mit einem Geschenkkorb für Stamms Frau.

Jagd auf jede einzelne Stimme im Parlament

Für Hegglin und Keller-Sutter bricht nun die zweite Phase der Kampagne an. In den nächsten Wochen werden die beiden versuchen, möglichst viele Bundesparlamentariern zu kontaktieren, um sie von einer Wahl zu überzeugen. Beide haben sich mit einflussreichen Politikern umgeben, um die einzelnen Parlamentarier gezielt anzusprechen. Bauernvertreter sprechen mit Bauern, Romands mit Romands, Zentralschweizer mit Zentralschweizern. In minutiöser Planung wird versucht, jeden der 246 Bundesparlamentarier zu erreichen. Vorerst stehen die Parteikollegen im Vordergrund, die am 16. November den Wahlvorschlag der jeweiligen Fraktion beschliessen werden. Danach wird sich das Lobbying auf Parlamentarier anderer Parteien ausweiten.

Stichwort Lobbying: So wichtig PR-Leute in der Bundespolitik sind, bei den Bundesratswahlen spielen sie eine untergeordnete Rolle. «Lobbyisten sind vor allem für Interessengruppen wichtig, die keinen eigenen Draht zu Parlamentariern haben», sagt ein Parteifunktionär. «Wer schon im Parlament sitzt, hat dafür schlicht keinen Bedarf.» Der Funktionär rät den Kandidaten seiner Partei ab, für die Bundesratskampagne eine grosse PR-Firma anzuheuern. Ein Bundesratswahlkampf sei etwas sehr Persönliches, bei dem die Kandidaten auch Intimes über sich preisgeben, sagt er. «Damit macht man sich auch von einer PR-Agentur abhängig.»

Dies ändert allerdings nichts daran, dass sich Kandidaten punktuell mit Kommunikationsberatern austauschen. So war es Kommunikationsberaterin Brigitte Hauser-Süess, die gestern über die Nierenerkrankung von Bundesratsanwärterin Viola Amherd informierte. Auch kontaktierte die PR-Agentur Furrerhugi Journalisten auf oberster Ebene, um die zivilrechtliche Verurteilung von Amherd wegen überzogenerer Miete herunterzuspielen.

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