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Busfahrten zum Schleuderpreis

Seit rund zwei Monaten rollen die ersten nationalen Fernbusse quer durch die Schweiz. Betreiber Eurobus lockt mit sehr tiefen Preisen – zum Ärger der Gewerkschaft und der ÖV-Branche.
Maja Briner
Passagierin im Domo-Fernbus von Spanien nach St.Gallen. Bild: Gaëtan Bally/Keystone (1. November 2017)

Passagierin im Domo-Fernbus von Spanien nach St.Gallen.
Bild: Gaëtan Bally/Keystone (1. November 2017)

Für die ÖV-Branche ist es eine kleine Revolution: Seit zwei Monaten betreibt die Carfirma Eurobus drei nationale Fernbuslinien. Zweimal täglich fahren die Busse von St. Gallen nach Genf, von Chur nach Sion und von Basel via Luzern nach Lugano. Dank Sparangeboten kosten manche Fahrten kaum mehr als ein Cappuccino im Restaurant. Aktuell geht’s etwa für 6.10 Franken von Basel nach Luzern oder für 5.85 Franken von Zürich nach St. Gallen – und das ohne Halbtax.

Mit den tiefen Preisen versucht Eurobus, Kunden zu gewinnen. Denn bislang bleiben in den Bussen viele Plätze leer. Die Auslastung entspreche den Erwartungen, da sich das Angebot noch etablieren müsse, heisst es zwar beim Unternehmen. Roger Müri, Geschäftsführer von Eurobus Swiss-Express, gibt aber auch zu: «Wir haben noch nicht die Auslastung, die wir uns langfristig wünschen.» Mitte Juli hatte Müri eingeräumt, dass auf gewissen Strecken die Auslastung nur fünf bis zehn Prozent betrug. Neue Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Es teilt lediglich mit, dass die Buchungen im Juli im Vergleich zum Vormonat um 50 Prozent gestiegen seien. Und: Grundsätzlich funktionierten die Verbindungen zwischen den Zentren besser als jene zwischen den kleineren Ortschaften.

«Dumping-Konkurrenz zum ÖV-Angebot»

Das Aargauer Unternehmen ist das erste, das Fernbuslinien innerhalb der Schweiz betreiben darf. Das neue Angebot wird mit Argusaugen beäugt – von der ÖV-Branche, von Politikern und Gewerkschaften. Die tiefen Preise sorgen für Kritik: «So billige Tarife sind eine Dumping-Konkurrenz zum bestehenden ÖV-Angebot», sagt Christian Fankhauser von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV). Weil die Busse die existierende Infrastruktur praktisch gratis nutzen können, seien sie gegenüber Bahnunternehmen wie den SBB im Vorteil, sagt er. Der SEV befürchtet, dass die Arbeitsbedingungen sich verschlechtern, und fordert deshalb einen Gesamtarbeitsvertrag für das Personal.

Auch der Branchenverband öffentlicher Verkehr (VöV) hat an den Eurobus-Sparangeboten wenig Freude. «Es ist nicht im Sinne des nationalen Tarifsystems», sagt VöV-Direktor Ueli Stückelberger. Er betont aber gleichzeitig: «Es ist zulässig, Spartickets anzubieten – andere Transportunternehmen machen das auch.»

Eurobus plant Ausbau

Im Vergleich zu den über 1,2 Millionen Passagieren, die allein die SBB jeden Tag befördern, sind die zwölf täglichen Fernbus-Verbindungen von Eurobus ein Klacks. Doch Kritiker befürchten, das sei nur der Anfang: Es drohe ein «massiver Ausbau des bisherigen Angebots», glaubt der SEV. Aktuell ist ein Konzessionsgesuch beim Bund hängig – und zwar von Eurobus. Die Firma möchte sieben weitere Linien betreiben, unter anderem von Zürich nach Grindelwald und Davos sowie von Bern nach Montreux.

Dagegen stemmt sich der VöV. Stückelberger: «Wenn Fernbusse das heutige ÖV-System ergänzen, wehren wir uns nicht dagegen.» Es dürfe aber nicht sein, dass der subventionierte ÖV konkurriert werde. Der VöV kann auf die Politik hoffen: Der Nationalrat berät im September über Einschränkungen für nationale Fernbusse. Der Ständerat hat sich bereits dafür ausgesprochen.

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