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CANNABIS: Die bürgerliche Stimme für den Hanf-Anbau

Der ehemalige Hanfbauer und BDP-Politiker Heinz Siegenthaler würde lieber heute als morgen wieder Hanf anpflanzen. Er sieht darin auch wirtschaftliche Vorteile.
BDP-Politiker Heinz Siegenthaler (links) setzt sich für den Hanfanbau ein. (Bild: Keystone)

BDP-Politiker Heinz Siegenthaler (links) setzt sich für den Hanfanbau ein. (Bild: Keystone)

Heinz Siegenthalers Mutter hatte Hanf noch im Hausgarten angepflanzt, um die Fliegen zu verscheuchen. In Verruf geraten ist das Kraut erst später. «Als Jugendlicher habe ich in unserem Bauerndorf von den langhaarigen, nichtsnutzigen Haschern in den Städten gehört, ohne zu wissen, was die denn eigentlich genau rauchen», erinnert sich der heute 59-jährige Landwirt aus dem bernischen Rüti bei Büren.

Heute weiss Siegenthaler fast alles über Hanf. Sogar selber probiert hat er ihn schon. Zwar nicht in Form eines Joints. Der «Flash» nach dem Konsum eines Hanfkekses ist ihm aber doch ziemlich eingefahren. In den 90er-Jahren hat der Meisterlandwirt auf zehn Aren Gras angepflanzt – völlig legal, wie er betont. Damals war zwar der Konsum verboten, nicht jedoch der Anbau. Bald kannten die Kiffer der Umgebung jedoch den Standort seiner Felder. «Die Polizei musste immer wieder Hanfdiebe jagen», erzählt Siegenthaler.

Jugendschutz als Voraussetzung

Der Hanfbauer hat mit den jungen Leuten über die Dealer in der Stadt, den Übergang zu härteren Drogen, die fragwürdige Qualität des Stoffs auf dem Schwarzmarkt oder die Unterschiede zum Alkohol diskutiert – und dabei seine Meinung zu Cannabis geändert. Heute befürwortet der ehemalige Präsident der BDP des Kantons Bern die Legalisierung, vorausgesetzt, sie wird von einem strikten Jugendschutz begleitet.

Siegenthaler möchte lieber heute als morgen wieder selber mit dem Anbau von Hanf beginnen. Bald dürfte es dafür Ausnahmebewilligungen des Bundes und sogar einen legalen Markt geben. Mehrere Städte, darunter Basel, Bern und Zürich, wollen in einem wissenschaftlich begleiteten Pilotversuch Kiffern in Apotheken Cannabis verkaufen.

Mitte April hat auch Luzern beschlossen mitzumachen. Siegenthaler sieht nicht ein, wieso der Rohstoff für diese Versuche aus Holland importiert werden soll: «Hanf kann man problemlos in der Schweiz anbauen. Zudem wäre das für die Bauern eine wirtschaftlich interessante Nische.»

Das Feld steht schon bereit

Ein geeignetes Feld hätte Heinz Siegenthaler bereits in Pacht, mit einem 2 Meter hohen Zaun rundherum. Er weiss jedoch selber, dass das vielleicht nicht reichen wird. Hanfdiebe würden nicht davor zurückschrecken, ein Loch in den Zaun zu schneiden. Bei den aktuellen Preisen ist ein Hanffeld viel wert. Der Berner denkt jedoch bereits über Alternativen nach: Viele Bauern hätten leer stehende Scheunen oder Ställe, sagt er. Auch auf seinem Hof gäbe es genügend Platz für eine entsprechende Indoor-Anlage.

Heinz Siegenthaler ist im Kanton Bern bekannt dafür, dass er mit sonorer Bassstimme seine Meinung sagt, auch wenn er damit aneckt. Er gehörte zu den treibenden Kräften, als sich die BDP von der Berner SVP abspaltete.

Als Nationalrat abgewählt

In der kantonalen Politik hat er sich vom einfachen Grossrat bis zum Fraktionschef und Präsidenten der Finanzkommission hochgearbeitet. Im November 2014 rutschte er gar in den Nationalrat nach, um dann ein Jahr später jedoch wieder abgewählt zu werden. Doch Siegenthaler hat mit der Politik noch nicht abgeschlossen. Auf der BDP-Liste steht er auf dem ersten Ersatzplatz. Die Chancen stehen also gut, dass er dereinst wieder nachrutscht.

Bei einem Thema würde er sich garantiert einmischen: der Cannabis-­Legalisierung. Diese kommt in den nächsten Jahren wieder auf die politische Agenda. Bereits ist eine neue Volksinitiative angekündigt, und auch die Pilotversuche werden noch zu reden geben – und dabei wird es nicht nur darum gehen, wer den Stoff liefern soll.

Reto Wissmann

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