Fall Carlos

Carlos aus dem Gefängnis: Das Schuldeingeständnis der Zürcher Justiz

Der 18-jährige Carlos kehrt aus dem Gefängnis in ein Sondersetting zurück. Dort, wo er sich nichts mehr zuschulden kommen liess bis er in Haft wieder renitent wurde. Ein Schuldeingeständnis der Zürcher Justiz. Ein Kommentar.

Jürg Krebs
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Der 18-jährige «Carlos» kehrt aus dem Gefängnis in ein Sondersetting zurück. Damit knüpft die Zürcher Oberjugendanwaltschaft an die von ihr im letzten August unterbrochene Massnahme an. Allerdings: Statt 29 000 Franken, darf die neue Spezialbehandlung nur 19 000 Franken kosten.

Das Vorgehen ist nicht überraschend. Nachdem «Carlos» durch eine TV-Reportage national bekannt geworden war, Kosten und Details des Sondersettings zu einer Polemik geführt hatten, wurde der Jugendliche am 30. August inhaftiert.

Der Leitende Oberjugendanwalt Marcel Riesen (SVP) begründete dies mit Schutzmassnahmen.

Der Zürcher Justizdirektor Martin Graf selbst hatte das Sondersetting als Luxusbehandlung gegeisselt. Doch eine eigentliche Alternative dazu konnten weder Riesen noch Graf präsentieren. Bis Donnerstag sass «Carlos» deshalb im Gefängnis, musste aber per Entscheid des Bundesgerichts freigelassen werden.

Das neue Setting zeigt vor allem eines. Die Zürcher Justiz hat Schaden angerichtet.

Zwei Beispiele: Erstens, «Carlos» war in seinem Sondersetting stabil, hatte sich nichts mehr zuschulden kommen lassen, doch seit der Inhaftierung ist er wieder renitent. Zweitens, die Massnahmen des letzten halben Jahres waren viel teurer als das frühere, kritisierte Sondersetting.

Wenn «Carlos» nun wieder ins Sondersetting zurückkehrt, dann geschieht dies nicht, wie die Oberjugendanwaltschaft glauben machen will, aufgrund des Bundesgerichtsurteils, sondern mangels Alternativen. Und das ist vor allem eines: Das Eingeständnis der Zürcher Justiz, seit August alles falsch gemacht zu haben.