CHIPKARTE: Skispass ohne SwissPass

Gebrochene Karten, technische Probleme, zu hohe Gebühren: Skitageskarten auf dem SwissPass sorgen bei Bergbahnen für rote Köpfe. Viele machen auch zwei Jahre nach der Lancierung gar nicht erst mit.

Tobias Gafafer
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In Skigebieten wie Engelberg-Titlis macht der SwissPass wenig Freude. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (30. Januar 2009))

In Skigebieten wie Engelberg-Titlis macht der SwissPass wenig Freude. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (30. Januar 2009))

Tobias Gafafer

 

«Anstehen ist Schnee von gestern.» Der Satz, mit dem die SBB für den Kauf eines Skiabos über den SwissPass werben, erweist sich beim Ausflug in die Jungfrau-Region als PR-Floskel. Schon der Onlinekauf der Skitageskarte funktioniert nicht. Und auch am Schalter will der Verkäufer das Billett nicht auf die rote Chipkarte laden, sondern empfiehlt die bewährte Karte der Jungfrau-Bahnen (JB). «Sonst stehen Sie in einer halben Stunde wieder hier.» Noch 2015 warb der JB-Chef an der Seite der SBB persönlich für den SwissPass.

Die Jungfrau-Region ist kein Einzelfall. «Auch wir haben technische Probleme», sagt etwa Peter Reinle, stellvertretender Chef und Leiter Marketing der Titlis-Bahnen in Engelberg. Wenn es sehr kalt sei, würden die Karten des SwissPass brechen. «Zudem macht uns Sorgen, dass die Kunden die Karte an den Sesselbahnen sehr nahe an die Lesegeräte halten müssen.» Bei den Skikarten der Titlis-Bahnen funktioniere dies auch aus einer Distanz von rund 30 Zentimetern problemlos. Das Unternehmen empfiehlt den Kunden an der Kasse deshalb ebenfalls die eigenen Karten. Der SwissPass wird denn auch nur mässig genutzt. Gemäss Reinle braucht es einen besseren Chip.

Wintersportgäste auf die Schiene bringen

Auch die Jungfrau-Bahnen führen «gewisse Performance-Probleme» darauf zurück, dass auf der Karte zwei Chips programmiert sind, wie Sprecherin Patrizia Bickel sagt. Wegen einer technischen Umstellung auf der Website sei es zudem kurzfristig zu einem Service-Unterbruch gekommen. Die SBB, die im Auftrag der ÖV-Branche den SwissPass konzipierten, spielen die Probleme herunter. Es seien «einzelne Fälle» bekannt, wo die Funktionalität der Karte beeinträchtigt gewesen sei, sagt Sprecherin Masha Foursova auf Anfrage. Dies komme nicht häufiger vor als bei anderen elektronischen Tickets. Zu den Verkaufszahlen ihrer Partner in den Skigebieten äussern sich die SBB nicht.

Die Kombination von Skipass und SwissPass wäre eigentlich attraktiv. Sie war neben Angeboten wie Mobility als Zückerchen für die ÖV-Nutzer gedacht, denen die unbeliebte Chipkarte kaum einen Mehrwert bringt. Gemäss den letzten Zahlen der SBB nutzen diese bereits 1,6 Millionen Kunden. Und es sollen noch mehr werden, da alle GA und Halbtax-Abonnemente ersetzt werden. Dies ist für den Tourismus eine grosse Chance, sofern die Probleme behoben werden.

«Der SwissPass unterstreicht unser Ziel, den Wintersportgast von der Strasse auf die Schiene zu holen», sagt Patrizia Bickel von den Jungfrau-Bahnen. Dies ziele in die richtige Richtung. Der Durchbruch sei möglich, wenn drei Millionen Kunden die rote Chipkarte nutzten, sagt Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus. Im Moment werde der SwissPass allerdings nur wenig genutzt.

Dieser bietet laut den SBB Zugang zu 70 von rund 200 Skigebieten in der Schweiz. Unter den Abwesenden sind grosse Namen wie die Weisse Arena in Flims/Laax, die eine eigene Onlineplattform mit App anbietet und keine externen Plattformen akzeptiert. Abschreckend sei auch die Kommission von sechs Prozent für die SBB, sagt eine Sprecherin. «Die Margen sind viel zu hoch», bestätigt Egon Scheiwiller, Direktor der Bergbahnen Motta Naluns im Unterengadin.

SBB und Branche handeln Konditionen neu aus

Die SBB vereinbarten die Teilnahmebedingungen mit der Branche für zwei Jahre. Jetzt soll diese eine Arbeitsgruppe neu aushandeln. «Wenn mehr Bahnen mitmachen sollen, müssen die SBB die Konditionen überdenken», sagt Andreas Keller, Sprecher von Seilbahnen Schweiz. Vielen Bergbahnen steht das Wasser bis zum Hals. Die SBB stellen sich dagegen auf den Standpunkt, die Gebühren seien vergleichsweise moderat. Manche Skigebiete bleiben ohnehin skeptisch. «Wir sehen nicht unbedingt einen Bedarf», sagt etwa Silvana Collet von der Mythenregion. Man bleibe lieber beim bestehenden System.