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Christoph Blocher geht zu «wütendem» Schawinski – trotz Rüge wegen Talk mit seiner Tochter

Der SRF-Ombudsmann rügt Roger Schawinski, weil er SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher «aggressiv und erregt» befragt habe. Diese überreichte ihm darauf ein süsses Geschenk. Und wie reagiert Vater Christoph Blocher?

Roger Schawinski gibt sich am Telefon gegenüber der CH-Media-Redaktion ungewohnt wortkarg: Zur Rüge des Ombudsmanns will er nichts sagen. Dafür verrät er: «Am Montag kommt Christoph Blocher in meine Sendung.» Dies also unmittelbar nach der Volksabstimmung über die Selbstbestimmungs-Initiative. Blocher, der diese Abstimmung zur «wichtigsten des 21. Jahrhunderts» erhoben hat, dürfte Schawinski als Verlierer gegenüber sitzen. Denn alle Umfragen deuten auf ein deutliches Volks-Nein hin.

Dass der SVP-Übervater dem TV-Talker eine Zusage gegeben hat, deutet darauf hin, dass man in der Familie Blocher die Interviewführung im Fall von Magdalena Martullo nicht als derart «aggressiv» empfunden hat wie Ombudsmann Roger Blum. Dieser hatte auf zwei Beanstandungen reagiert; eine relativ kleine Zahl, wenn man bedenkt, dass der Ombudsmann nach dem Schawinski-Talk mit Satiriker Andreas Thiel mit 185 Reklamationen eingedeckt worden war.

Die beiden Zuschauer hatten sich darüber beschwert, dass sich Schawinski gegenüber Martullo-Blocher nicht korrekt verhalten habe. Roger Blum gibt ihnen recht: Schawinski habe zwar das Vielfaltsangebot beachtet, indem er in der heissen Phase des Abstimmungskampfes beide Lager befragte. Doch die Völkerrechtlerin und Gegnerin der Initiative Helen Keller habe er – im Gegensatz zu Martullo-Blocher – mit «Samthandschuhen» angefasst.

Die Völkerrechtlerin und Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) fasste Roger Schawinski in seiner Sendung mit «Samthandschuhen» an. (Bild: Steffen Schmidt / Keystone)

Die Völkerrechtlerin und Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) fasste Roger Schawinski in seiner Sendung mit «Samthandschuhen» an. (Bild: Steffen Schmidt / Keystone)

«Die Strassburger Richterin befragte er nett, freundlich, zurückhaltend, auf Erkenntnisinteresse ausgerichtet. Die SVP-Nationalrätin hingegen befragte er vorurteilsgeladen, aggressiv, erregt, ja wütend», schreibt Blum in der Stellungnahme. Dadurch habe er die im Vielfaltsgebot angelegte strikte Gleichbehandlung der Parteien im Wahl- oder Abstimmungskampf missachtet.

Bei der SVP-Politikerin scheint die Sendung keine gröberen Verletzungen hinterlassen zu haben: Vor dem Talk sagte sie Schawinski, sie werde ihm nach der Sendung einen Panettone schenken, wenn alles gut gehe. Nach der hitzigen Debatte überreichte sie ihm dann die Leckerei tatsächlich. (pmü/ohe)

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