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CHUR: Bistum soll zwangsverwaltet werden

Der Generalvikar Martin Kopp fordert nach dem Abgang von Bischof Huonder eine Zäsur. Ein vom Papst eingesetzter Administrator soll wieder Vertrauen zwischen Bistum und Basis schaffen.
Guy Studer
Bischof Vitus Huonder hat wiederholt für Unmut im Bistum Chur gesorgt. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Bischof Vitus Huonder hat wiederholt für Unmut im Bistum Chur gesorgt. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Guy Studer

Die Amtszeit des Churer Bischofs Vitus Huonder neigt sich dem Ende zu. In knapp einem Jahr wird er 75 Jahre alt und damit beim Papst in Rom seine Demission einreichen müssen. Wenn der Papst nicht zwingende Gründe sieht, weshalb Huonder noch etwas länger im Amt bleiben sollte, wird er das Rücktrittsgesuch annehmen. Dann beginnt das Wahlverfahren für einen neuen Bischof.

Vorerst keine Wahl

Genau hier fordert Martin Kopp, regionaler Generalvikar für die Kantone Schwyz, Uri, Obwalden und Nidwalden, nun eine Zäsur. Für ihn ist die Zeit für wichtige Veränderungen gekommen. «Ich vertrete klar die Meinung, dass man diesmal die Wahl aussetzen sollte», sagt er im Interview mit dem «Obwaldner Pfarrblatt». Er kritisiert das bisherige Wahlverfahren dabei scharf. Wahlvorschläge für den Bischof seien in der Vergangenheit in keiner Weise aus der Basis herausgewachsen. Gewählt wird der Papst vom Domkapitel, einem Leitungsgremium der Bistumskirche. Dieses erhält von der römischen Kurie in Rom ein Dreierticket. «Wie die Dreierliste entsteht, ist ein striktes Geheimnis», sagt Kopp auf Anfrage unserer Zeitung. Fakt sei, dass sie in Rom «redigiert» werde. Wer genau darüber bestimme, welche Namen auf der Liste stehen, sei vollkommen intransparent. «Im Wesentlichen ist es zwar die Bischofskongregation in Rom, aber wer sonst noch mitmischt, ist unklar. Als Generalvikar wurde ich auch noch nie gefragt.»

So fordert Kopp denn auch eine Mitsprache der Ortskirche bei der Bischofswahl. Dies im Gegensatz zur Wahl von Vitus Huonder 2007: «Der päpstliche Nuntius kam einzig und alleine bei uns vorbei, um zu sagen, dass ihn unsere Vorschläge und Anregungen überhaupt nicht interessierten», sagt Kopp. «Und wir hätten zu akzeptieren, dass der neue Bischof ein Mann sei, der ganz dem heiligen Vater ergeben sei.» So seien schliesslich zwei völlig unbekannte Namen auf der Dreierliste gestanden, und dazu jener, den man wollte.

Das Vertrauen ist «zerstört»

Seit eben dieser Huonder im Amt ist, hat er mit seinen Aussagen immer wieder für Empörung gesorgt und letztlich seine Gemeinde gespalten. So stellte er etwa kirchliches über weltliches Recht, vor allem in Bezug auf die Rechte von Homosexuellen. Zuletzt hat er für einen Sturm der Entrüstung gesorgt, als er bei einem Vortrag in Fulda (D) Textstellen aus dem Buch Levitikus im Alten Testament zitierte, wonach Homosexuelle mit dem Tod bestraft werden sollten. Das Unheil im Bistum hat aber bereits viel früher seinen Lauf genommen, namentlich mit der Einsetzung des ultrakonservativen Bischofs Wolfgang Haas 1990. Dieser brachte seine Gemeinde derart gegen sich auf, dass er schliesslich 1997 nach Vaduz abgeschoben wurde.

Gemäss Kopp ist das Vertrauen innerhalb des Bistums denn auch schon länger zerstört. Deshalb sei nun eine Auszeit «von sechs oder sieben Jahren» nötig, um gegenseitiges Vertrauen wieder aufzubauen. «Diese Meinung vertrete ich längst nicht alleine im Bistum, sie wird weit herum geteilt», sagt Kopp. Er hat sich nun aber vorgenommen, diese Forderung auch laut zu formulieren. «Jemand muss das tun, damit das Problem in Rom erst wahrgenommen wird.» Denn einen apostolischen Administrator muss schliesslich der Papst einsetzen. Und beim jetzigen Papst Franziskus sieht Kopp auch Chancen: «Ich setze grosse Hoffnungen auf ihn, damit das Bistum mit diesem Anliegen Gehör findet.»

Die Massnahme sei nicht radikal: «Es besteht schliesslich ohnehin eine Vakanz, niemand wird abgesetzt.» Der Administrator könne dann eine Bischofswahl in die Wege leiten, die breit abgestützt sei. Die Forderung von Kopp ist klar: «Die Basis muss viel mehr und qualifizierter mitreden können.» Dies widerspreche dem katholischen Kirchenrecht nicht, «und der heutige Papst Franziskus würde das sicher begrüssen».

Darf «nicht vorbelastet» sein

Wer käme als Administrator denn in Frage? Für Kopp ist klar: «Es darf niemand sein, der mit dem bisherigen Geschehen im Bistum verknüpft ist.» Es müsse zwar jemand sein, der mit den Schweizer Verhältnissen vertraut sei, aber nicht hier tätig und damit nicht vorbelastet sei. «Es wurden bereits zu viele gute Leute verheizt.»

Das Bistum Chur wollte die Aussagen von Martin Kopp auf Anfrage nicht kommentieren.

Verwalter auf unbestimmte Zeit

Übergang gus. Ein Apostolischer Administrator ist gemäss Kirchenrecht ein vom Papst auf unbestimmte Zeit eingesetzter Verwalter eines Bistums oder einer Diözese. In der Regel hat der Administrator die Bischofsweihe, es sind aber auch Ausnahmen möglich. Einen Apostolischen Administrator hat derzeit das Bistum Limburg, nachdem dessen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst 2014 zurückgetreten ist. Er hatte mit dem verschwenderisch teuren Umbau seines Bischofssitzes für ein finanzielles Fiasko gesorgt.
Ein Generalvikar ist ein Vertreter des Bischofs. Im Bistum Chur gibt es zudem drei regionale Generalvikare für Zürich und Glarus, Graubünden sowie für die Urschweiz.

«Es wurden bereits zu viele gute Leute verheizt.» Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz (Bild: Primus Camenzind / Neue OZ)

«Es wurden bereits zu viele gute Leute verheizt.» Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz (Bild: Primus Camenzind / Neue OZ)

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