Corona macht die Bundesräte populär: Krisengeneral Berset ist sogar beliebter als Sebastian Kurz in Österreich

Eine repräsentative Umfrage, die der «Schweiz am Wochenende» vorab vorliegt, zeigt: Die Schweizerinnen und Schweizer sind zufrieden mit den sieben Regierungsmitgliedern. Doch die Unterschiede sind beträchtlich.

Patrik Müller
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Geniesst hohes Vertrauen: Gesundheitsminister Alain Berset, hier in einem Super-Puma der Schweizer Armee unterwegs zu einem Besuch im Kanton Graubünden.

Geniesst hohes Vertrauen: Gesundheitsminister Alain Berset, hier in einem Super-Puma der Schweizer Armee unterwegs zu einem Besuch im Kanton Graubünden.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Es ist ein Phänomen, das sich zurzeit in ganz Europa beobachten lässt: In der Krise scharen sich die Bürgerinnen und Bürger hinter ihre Regierungen und Staatschefs. So hat etwa Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, die seit der Flüchtlingskrise 2015 in ein Umfragetief steckte, seit Beginn der Pandemie stetig zugelegt - jetzt ist gemäss «Spiegel»-Umfrage wieder eine Mehrheit (56 Prozent) zufrieden mit Merkel. Auch Emmanuel Macron in Frankreich und Giuseppe Conte in Italien haben an Unterstützung gewonnen. Den Europa-Rekord hält der österreichische Kanzler Sebastian Kurz: 80 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden. «Sensationell» sei das, schrieb die Zeitung «Österreich».

Auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, der in der Masken-Frage voranging, gewann in der Krise stark an Popularität.

Auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, der in der Masken-Frage voranging, gewann in der Krise stark an Popularität.

Roland Schlager / AP

Doch die Österreicher haben die Rechnung ohne die Schweizer gemacht. Der helvetische Krisengeneral Alain Berset, wie ihn die «Weltwoche» nannte, toppt Kanzler Kurz noch: 82 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind mit seiner Arbeit zufrieden. Das geht aus einer Umfrage des unabhängigen Forschungsinstituts Link hervor, dessen Ergebnisse der «Schweiz am Wochenende» vorab vorliegen.

Vom 21. bis 29. April hat das Institut 1267 repräsentativ ausgewählten Personen in der ganzen Schweiz folgende Frage gestellt: «Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der einzelnen Bundesratsmitglieder im Zusammenhang mit der Bewältigung der Coronakrise?» Die Zufriedenheit mit den Bundesräten steht in engem Zusammenhang mit deren Medienpräsenz, und diese wiederum hängt davon ab, wie stark die Departemente in der Coronakrise gefordert sind.

Die Zufriedenheit korreliert mit der Aufgabe

Dass Gesundheitsminister Berset ganz oben steht, war deshalb zu erwarten. Selbstverständlich ist es trotzdem nicht, denn würde Berset in den Augen der Bevölkerung einen schlechten Job machen, wäre die Medienpräsenz sogar negativ - Donald Trump lässt grüssen, der als einer der wenigen Staatenlenker an Beliebtheit eingebüsst hat und seine täglichen Pressekonferenzen vor kurzem eingestellt hat.

Und hier die weiteren Plätze der Bundesräte:

  • 66 Prozent: Simonetta Sommaruga, SP. Als Bundespräsidentin ist sie sehr präsent und nimmt ihre Rolle als fürsorgliche, aber auch strenge Landesmutter wahr («es muss ein Ruck durchs Land gehen»).  
  • 52 Prozent: Viola Amherd, CVP. Die Verteidigungsministerin gilt auch ausserhalb der Krisenzeiten als sehr populär. Sie gab die grösste Mobilmachung der Armee seit dem zweiten Weltkrieg bekannt. Inzwischen hat das Militär viele Soldaten wieder aus dem Dienst entlassen, weil die Spitäler nicht ausgelastet sind. 
  • 50 Prozent: Ueli Maurer, SVP. Der Finanzminister bekam viel Lob für die schnelle und unbürokratische Kredithilfe für Klein- und Mittelbetriebe. Dass er im Bundesrat gegen einschneidende Massnahmen und für schnelle Lockerungen ist - quasi der Gegenspieler von Berset -, scheint ihm nicht zu schaden.
  • 46 Prozent: Karin Keller-Sutter, FDP. Als Justizministerin ist sie in der Coronakrise weniger exponiert als die meisten ihrer Kollegen. Das könnte sich jetzt ändern, wo das Ende der Grenzschliessungen naht. 
  • 45 Prozent: Guy Parmelin, SVP. Er profitiert in der Umfrage vergleichsweise wenig von seiner hohen Medienpräsenz, die er als Wirtschaftsminister geniesst. In der öffentlichen Wahrnehmung ist eher Parteikollege Maurer der «Retter» der Wirtschaft, weil er mit den Banken zusammen den milliardenschweren Kredit-Deal beschlossen hat.
  • 33 Prozent: Ignazio Cassis, FDP. Als Aussenminister steht er zurzeit wenig im Fokus. Zu Beginn der Coronakrise exponierte er sich, als er sich dafür starkmachte, dass italienische Grenzgänger weiter in die Schweiz einreisen ­dürfen. 

Das Link-Institut hat die Bevölkerung auch zu anderen Themen im Zusammenhang mit Corona befragt, nachfolgend einige interessante Ergebnisse:

Hohe Bereitschaft, einen Mundschutz zu tragen

Weiter geben 67 Prozent an, sie würden bereits eine Maske besitzen.

Weiter geben 67 Prozent an, sie würden bereits eine Maske besitzen.

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Fast zwei Drittel würden sich impfen lassen

64 Prozent geben an, es sei wahrscheinlich, dass sie sich impfen lassen würden, sobald ein Impfstoff verfügbar ist.

64 Prozent geben an, es sei wahrscheinlich, dass sie sich impfen lassen würden, sobald ein Impfstoff verfügbar ist.

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Fast jedem Dritten gehen die Lockerungen zu schnell

Eine knappe Mehrheit hält den Lockerungs-Fahrplan des Bundesrats für angemessen; es gibt mehr Kritiker, denen dieser zu schnell geht (30 Prozent) als Kritiker, die gern schneller öffnen würden (18 Prozent).

Eine knappe Mehrheit hält den Lockerungs-Fahrplan des Bundesrats für angemessen; es gibt mehr Kritiker, denen dieser zu schnell geht (30 Prozent) als Kritiker, die gern schneller öffnen würden (18 Prozent).

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Best of Berset: Highlights aus den Auftritten von Bundesrat Alain Berset zur Coronakrise

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