Coronainfektionen steigen rasant: Jetzt stehen Fussballspiele mit mehr als 1000 Zuschauern wieder auf der Kippe

Die Kantone fordern den Bund dazu auf, einheitliche Regeln zur Maskenpflicht und zu Privatfesten zu erlassen. Verschärfen sich die Probleme mit dem Contact-Tracing, drohen wieder leere Fussball- und Hockeystadien.

Kari Kälin
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Bald nicht mehr möglich? Knapp 10'000 Zuschauer besuchten das Super-League-Spiel Basel gegen Luzern.

Bald nicht mehr möglich? Knapp 10'000 Zuschauer besuchten
das Super-League-Spiel Basel gegen Luzern.

Bild: Patrick Straub/Keystone (Basel, 4. Oktober 2020)

Nur, wenn die Bevölkerung die Massnahmen jetzt umsetzt und im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus einen Gang höherschaltet. Nur dann, sagt Lukas Engelberger, Basler Gesundheitsdirektor und Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK), könne ein Lockdown wie im März verhindert werden. Nach einer Sitzung am Freitag mit Bundesrat Alain Berset - an dem Tag, an dem der Bund mehr als 3000 neue Infektionen meldete - ruft die GDK die Kantone und Bund zu einheitlichen und schärferen Massnahmen auf. Den Kantonen empfiehlt sie dreierlei:

  1. Das Aufrechterhalten des Contact-Tracings.
  2. Strengere Auflagen für Bars, Clubs und Discos: Engelberger denkt an beschränkte Öffnungszeiten und an Besucherlimiten, wie sie viele Kantone bereits beschlossen haben. Eine konkrete Obergrenze nennt er nicht. Diverse Kantone haben sie bei 100 definiert, Genf, Tessin und Waadt haben Discos ganz verriegelt. Die GDK empfiehlt diesen Schritt auch anderen Kantonen. «Wenn Vorsichtsmassnahmen nicht eingehalten werden können, braucht es auch Schliessungen», so Engelberger.
  3. Überprüfen der Bewilligung von Grossanlässen: Das bedeutet konkret, dass zum Beispiel Fussball- und Eishockeyspiele mit mehr als 1000 Zuschauern wieder auf der Kippe stehen. Die Kantone müssen hierfür eine Bewilligung erteilen. «Das bedeutet nicht, dass die Zuschauer ab sofort wieder zu Hause bleiben müssen», sagt Engelberger. Vor allem in Kantonen, in denen sich die Probleme mit dem Contact-Tracing verschärften, sei ein strengeres Regime aber absehbar. Engelberger sagt aber auch: «Wir haben bis jetzt keine Hinweise, dass es an Grossveranstaltungen zu vielen Infektionen kam.»

Seit dem Ende der ausserordentlichen Lage sind die Kantone hauptsächlich verantwortlich für die Seucheneindämmung. Auch die besondere Lage erlaubt es aber dem Bund, nationale Regelungen zu erlassen. Genau dazu fordert die GDK den Bundesrat auf. Namentlich soll dieser ein einheitliches Regime zur Maskentragpflicht in Läden und öffentlich zugänglichen Räumen erlassen – um die bereits in vielen Kantonen verhängten Massnahmen zu konsolidieren. Muss es also der Bund richten, wenn sich die Kantone nicht auf einen einheitlichen Kurs festlegen können? «Es geht um einen partnerschaftlichen Föderalismus, bei dem die richtige Massnahme auf der richtigen Staatsebene beschlossen wird», sagt Engelberger. Er befürchte nicht, dass einzelne Kantone nicht mitziehen, sagt aber:

«Aufgrund der dramatischen Zunahme der Infektionen müssen wir den Takt beschleunigen. Das geht schneller mit einer Bundesregelung.»

Die Kantone wünschen sich vom Bund zudem, dass er die Homeoffice-Empfehlung reaktiviert.

Engelberger glaubt, dass «wir uns im Sommer etwas zu stark entspannt haben und zu schnell wieder in der Normalität wähnten». Jetzt, wo sich das Leben wieder vermehrt in den Innenräumen abspiele und das Vereinsleben Schwung aufnehme, spüre man das gnadenlos.

«Jetzt ist nicht Partyzeit»

Private Feste wie Hochzeiten oder Geburtstagspartys und das Vereinsleben haben sich als Nährboden für das Coronavirus erwiesen. Die GDK verlangt jetzt, dass der Bund auch für private und öffentliche Versammlungen einheitliche Richtlinien definiert. Der Bundesrat scheint den Wunsch zu erhören. Gemäss einem Verordnungsentwurf dürfen sich im öffentlichen Raum schon bald nur noch maximal 15 Personen treffen. Der Kanton Genf hat diese Einschränkung schon installiert. Engelberger möchte durch eine Bundesregelung eine Art kantonalen Coronatourismus für Feste verhindern. Bei solchen Aktivitäten mahnt Engelberger generell zu Zurückhaltung: «Jetzt ist nicht Partyzeit.» Das normale Familien- und Freundesleben solle aber weiterhin ohne Schutzmasken und -konzepte möglich sein.

Die Kantone wollen mit ihrem Massnahmenpaket sicherstellen, dass die Gesundheitsversorgung nicht kollabiert. Mit den Spitälern haben sie bereits Absprachen getroffen, um eine steigende Zahl von Covid-19-Patienten bewältigen zu können.