Coronakrise

SwissCovid erhält Unterstützung durch tausende Schweizer Ärzte – das steckt dahinter

Dank den Mitgliedern des Ärzteverbandes FMH soll ein «Flaschenhals» beim Schweizer Contact-Tracing-Systems beseitigt werden. Eine Verantwortliche erklärt.

Daniel Schurter / watson.ch
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Positiver Corona-Test? Hausärzte und Spitalärzte spielen neu eine zentrale Rolle bei der raschen Alarmierung über die SwissCovid-App.

Positiver Corona-Test? Hausärzte und Spitalärzte spielen neu eine zentrale Rolle bei der raschen Alarmierung über die SwissCovid-App.

Keystone

Ab sofort generieren in der Schweiz praktizierende Ärzte Codes für die SwissCovid-App und geben diese per Telefon, SMS oder per E-Mail an infizierte Patienten weiter.

Diese Ankündigung des Berufsverbandes der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH vom Montag lässt hoffen, dass eine gravierende Schwachstelle des Schweizer Contact-Tracing-Systems innert kurzer Zeit «entschärft» werden kann.

Bisher waren die kantonsärztlichen Dienste für das Ausstellen der sogenannten Covidcodes zuständig. Laut Schilderungen von Betroffenen kommt es dabei zu Verzögerungen, so dass Warnungen verspätet oder gar nicht mehr in nützlicher Zeit angezeigt werden. Nun sollte dieser «Flaschenhals» bei dem vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) konzipierten Alarmierungssystem behoben worden sein. Als Konsequenz können SwissCovid-Nutzer, die vielleicht unbemerkt angesteckt wurden, schneller gewarnt werden als bisher.

watson hat beim Ärzteverband FMH nachgefragt. Im Folgenden werden die Antworten von Dr. med. Yvonne Gilli, Mitglied des FMH-Zentralvorstandes und Departementsverantwortliche Digitalisierung / eHealth wiedergegeben.*

Wie viele Ärzte können mitmachen?

Der Berufsverband hat gemäss eigenen Angaben über 42ʼ000 Mitglieder. Auf die Frage, wie viele Schweizer Ärztinnen und Ärzte nun Covidcodes ausstellen können, schreibt FMH-Vorstandsmitglied Yvonne Gilli:

«Die FMH hat alle praktizierenden Ärztinnen und Ärzte angeschrieben. Das sind auch diejenigen, welche selbst die SARS-CoV-2-Diagnostik durchführen oder veranlassen und als Erste über positive Resultate informiert werden. Spitalärztinnen und Spitalärzte wurden durch den Dachverband der Spitäler angeschrieben. Nach Bedarf können auch Spitäler von diesem Angebot Gebrauch machen.»

Kann man schon etwas zur Akzeptanz sagen?

Dazu die FMH-Vertreterin:

«Bereits am ersten Tag haben sich über 500 Ärztinnen und Ärzte registrieren lassen.»

Bringt's das?

Das FMH-Vorstandsmitglied bestätigt, dass es keine Erfolgskontrolle gibt, weil die Zahl der eingegebenen Covidcodes nicht statistisch erfasst wird durch das System:

«Wir gehen davon aus, dass diejenigen Ärztinnen und Ärzte, welche sich für die Erstregistrierung melden, auch Covid-Codes an jene Patienten und Patientinnen vergeben, die positiv getestet worden sind und die App nutzen. Wer von diesen Patientinnen und Patienten den Code auch über seine App verwendet und seine Kontaktpersonen damit warnt, wissen wir nicht.»

Müssen die Arztpraxen und Spitäler mitmachen?

Nein.

Wie schon die Nutzung der SwissCovid-App erfolge auch das Ausstellen und Weitergeben der Covidcodes durch die Praxisärztinnen und Praxisärzte auf freiwilliger Basis.

Wer hat das umgesetzt?

Die techische Umsetzung und das Know-how werden von der Schweizer Firma HIN (Health Info Net AG) zur Verfügung gestellt, ebenso wie der Support für die Erstregistrierung der Ärztinnen und Ärzte, wie der Ärzteverband auf Anfrage mitteilt. Dabei handelt es sich um ein privates Unternehmen, das 1996 auf Initiative der FMH und der Ärztekasse gegründet wurde. Mehrheitsaktionärin ist die FMH.

Die aktuelle Lösung sei in enger Zusammenarbeit zwischen dem Ärzteverband FMH, der Firma HIN sowie dem BAG und BIT (Bundesamt für Informatik) erarbeitet worden. Die Kommunikation an die Ärzte koordiniere der Verband.

Wie funktioniert das?

Dazu das FMH-Vorstandsmitglied:

«HIN AG stellt die Identität derjenigen Person fest, welche auf das Portal des BAG zugreifen möchte und wirkt damit wie ein Türöffner (Login-Verfahren). Die Identifikation dieser Person bei HIN erfolgt über die HIN-Identität, welche bereits viele Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz für andere Anwendungen wie bspw. die Mail-Verschlüsselung haben. Für Mitglieder, die nicht über eine HIN-Identität verfügen, stellt die FMH eine eigene Identität kostenfrei zur Verfügung, die auf der HIN-Technologie beruht.»

Gibts ein Monitoring?

Dazu schreibt die FMH-Vertreterin:

«Wir monitoren jenen Bereich, der in unserer Verantwortung liegt: Wie viele Ärztinnen und Ärzte lassen sich registrieren? Welche Rückmeldungen erhalten wir? So können wir auch proaktiv kommunizieren. Im Übrigen bleiben wir in engem Kontakt mit dem BAG, um synergistisch einen bestmöglichen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten zu können.»

* Das Interview wurde per E-Mail geführt.