Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

CVP: Gerhard Pfisters Herkulesaufgabe

Der neue Präsident will seiner Partei ein schärferes Profil geben. Doch das ist gar nicht so einfach.
Gerhard Pfister, hier noch nicht Präsident der CVP Schweiz, anlässlich der Dreikönigskonferenz der Zuger CVP. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)

Gerhard Pfister, hier noch nicht Präsident der CVP Schweiz, anlässlich der Dreikönigskonferenz der Zuger CVP. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)

sda. Die Familienpartei CVP macht Politik mit einer Schweizer Privatsache: der Familie. Und dieser geht es offenbar bestens. Zumindest gehören Familienfragen nicht zu den wichtigsten Problemen der Wähler. Doch die Frage, ob die CVP an den Bürgern vorbei politisiere, verneint Parteichef Gerhard Pfister. «Wir politisieren nicht an den Wählerinnen und Wählern vorbei; dies zeigen all die Abstimmungen, die wir gewonnen haben», sagt er. «Aber wir haben keine ausgeprägte Themenführerschaft, ausser bei der Familie.»

Ohne Profil keine Profilierung

Die Schweizer Wahlstudie Selects zeigt, dass die Flüchtlingskrise den Wählern am heftigsten unter den Nägeln brannte. Die SVP profitierte davon bei den nationalen Wahlen im Oktober 2015. Auch das Verhältnis zu Europa und die Wirtschaft trieb die Leute um – zur Freude der FDP. Die CVP dagegen wurde bei den Hauptproblemen nicht «besonders häufig» als kompetenteste Partei benannt. «Für alle Parteien ist es wichtig, dass sie mit mindestens einem der für die Wähler wichtigen Themen wie Migration, Wirtschaft oder Sozialpolitik identifiziert werden», sagt Georg Lutz vom Forschungszentrum Fors in Lausanne. Lutz leitet das Selects-Projekt. «Deshalb kommt eine Partei immer mit den gleichen Themen. So setzen die SP auf Soziales und die Grünen auf Umwelt und Klima. Die Wahlkämpfe der Parteien werden so vorhersehbar.»

Zum Arsenal der Parteien gehören Abstimmungen. Dabei gilt auch in der Politik das Hollywood-Motto: Hauptsache, der Name ist richtig geschrieben. Im Februar scheiterte die CVP-Initiative gegen die «Heiratsstrafe» an der Urne wegen der Definition der Ehe als Gemeinschaft nur zwischen Mann und Frau hauchdünn am Volksmehr. «Die Initiative zu lancieren war nicht falsch, denn es ist immer auch eine Gelegenheit, um sich zu profilieren», sagt Pfister.

Die Initiative hatte für Kontroversen gesorgt, gerade innerhalb der CVP. «In der Familienpolitik läuft die CVP immer Gefahr, mit Grundsatzfragen konfrontiert zu werden wie bei der Homoehe», sagt Parteienforscher Andreas Ladner von der Universität Lausanne. Die Frage sei, welche Familie die Partei verteidigen wolle: eine dem katholischen Familienbild entsprechende oder die moderne Familie, bei der beide Elternteile im Arbeitsleben stehen, Patchworkfamilien inklusive. Je nach Entscheid riskiere die CVP, einen ihrer beiden Flügel zu verärgern: den wertkonservativen in seinen katholischen Stammlanden oder die moderneren christlichen Schichten in den urbanen Zentren. Eine Vielfalt an Meinungen sei normal und zugleich eine Herausforderung in einer Volkspartei, sagt Gerhard Pfister. «Aber natürlich ist damit die Kommunikation mit den Wählern anspruchsvoller.»

«Breite Diskussion» lanciert

Die CVP erreichte bei den National- und Ständeratswahlen noch einen Wähleranteil von 11,6 Prozent (2011: 12,3 Prozent). 1995 hatte die CVP einen Wähleranteil von 16,8 Prozent.

«Ein zweites starkes Thema zu haben, hilft jeder Partei, sich breiter abzustützen», sagt Wahlforscher Lutz. Parteienforscher Ladner ergänzt: «Die Vorstellung, mit nur einem Thema alles zu gewinnen, ist naiv.» Um neue Schwerpunkte zu finden, hat die CVP inzwischen eine Debatte unter dem Label «Erneuerungsprozess 2025» lanciert. Moderieren muss die «nötige, breite und ausführliche Diskussion» Parteichef Pfister. Er selbst hat seit seiner Wahl im April zwei Themen forciert: die christlichen Wurzeln Europas und die Nähe zu den KMU. «Die Leute wählen uns der Inhalte wegen und nicht, weil wir in der Mitte sitzen», sagt er. Dort spielt die Partei oft das Zünglein an der Waage. «Die Rolle der Mehrheitsbeschafferin hat ihren Preis, weil die andere Seite dies nicht sympathisch findet», sagt Ladner. Bei Wahlen am erfolgreichsten war die CVP, als der Bürgerblock mit FDP und SVP noch harmonierte.

Pfisters Aufgabe als Parteichef sei, den Rückgang zu stoppen. In den letzten 20 Jahren hat besonders die SVP der CVP viele katholisch-konservative Wähler abgeworben, wie die Selects-Studie zeigt. Ist Pfisters Wahl der Versuch, der SVP diese Wähler wieder abzujagen? Pfister selbst gibt sich bedeckt: Zunächst gehe es um Inhalte, nicht um Strategien.

Verluste kaum zu vermeiden

Selects-Leiter Lutz hält einen Angriff auf die SVP für eine Hochrisikostrategie, denn damit «würde die CVP die Mitte jemand anderem überlassen». Doch gerade dort finden sich die meisten Wähler. Ganz rechts Wähler zu gewinnen, sei schwierig, denn «dort sitzt die SVP fest im Sattel». «Die CVP muss sich entscheiden, ob sie in ihren Stammlanden den Besitzstand wahren oder in den urbanen Zentren wachsen will», sagt Parteiforscher Ladner. «Doch was immer sie tut, es wird mit Verlusten verbunden sein.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.