Duo Amherd/Z'graggen: Die CVP macht es mit einer Überraschung richtig spannend

Die CVP-Fraktion nominiert die Walliser Nationalrätin Viola Amherd und die Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen. Die beiden unterscheiden sich vor allem in gesellschaftspolitischen Fragen.

Fabian Fellmann
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Die beiden nominierten CVP-Bundesratskandidatinnen Viola Amherd, links, und Heidi Z'graggen, rechts, am Ende einer Medienkonferenz, am Freitag, 16. November 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die beiden nominierten CVP-Bundesratskandidatinnen Viola Amherd, links, und Heidi Z'graggen, rechts, am Ende einer Medienkonferenz, am Freitag, 16. November 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Damit hatte niemand gerechnet: Die Bundeshausparlamentarier der CVP haben beschlossen, zwei Frauen zur Wahl in den Bundesrat vorzuschlagen. Aufs Ticket geschafft haben es die Walliser Nationalrätin Viola Amherd sowie die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen, aussen vor bleiben der Zuger Regierungsrat Peter Hegglin und die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneider. Mit welchen Resultaten entschieden wurde, wollte die CVP-Fraktion am Freitagabend nicht kommunizieren.

Die nominierte CVP-Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen beantwortet Fragen von Journalisten. (Bilder: KEYSTONE/Peter Klaunzer, 16. November 2018)
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Die beiden nominierten CVP-Bundesratskandidatinnen: Die Walliser Nationalrätin Viola Amherd (links) und die Urner CVP-Regierungsrätin Heidi Z'graggen an der Pressekonferenz.
Die nominierte FDP-Bundesratskandidatin Karin Keller-Sutter während der Medienkonferenz in Bern.
Die nominierte CVP-Bundesratskandidatin Viola Amherd beantwortet Fragen von Journalisten.
Der Schaffhauser FDP-Mann Christian Amsler schaffte es nicht aufs Ticket.
Auch der Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin verpasste die Nomination.
CVP-Bundesratskandidatin Viola Amherd nach den Hearings.
FDP-Bundesratskandidat und Nidwaldner Ständerat Hans Wicki unterwegs an die Fraktionssitzung.
CVP-Bundesratskandidatin und Urner Regierungsrätin Heidi Zgraggen nach dem Hearing in ihrer Fraktion.
Die Basler CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter wurde nicht nominiert.
Der Schaffhauser FDP-Mann Christian Amsler blieb ohne Chance.

Die nominierte CVP-Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen beantwortet Fragen von Journalisten. (Bilder: KEYSTONE/Peter Klaunzer, 16. November 2018)

Während die 56-jährige Amherd schon länger als Favoritin gehandelt ­wurde, stellt der Erfolg Z’graggens in der Fraktion eine handfeste Überraschung dar. Der 52-jährigen Urner Justizdirektorin wurde ein mangelndes Netzwerk in Bern nachgesagt, das sie vor allem im Vergleich mit Ständerat Hegglin zur Aussenseiterin machte. Das Resultat der Abstimmung in der CVP-Fraktion lässt an dieser Einschätzung zweifeln – es sei denn, Amherds Unterstützer hätten Z’graggen nur aus reinem Kalkül aufs ­Ticket verholfen, weil sie die Urnerin als schwächere Gegnerin einschätzen.

«Die Urnerinnen und Urner sind Kämpfer»

Z’graggen selbst beurteilte das anders. «Die Urnerinnen und Urner sind Kämpfer, nur schon, weil sie in einer Bergregion leben», sagte die ausgebildete Lehrerin und Politologin nach der CVP-Pressekonferenz. Sie müsse ihr Netzwerk in Bern aktivieren und ausbauen, der Kontakt von Regierungsräten mit Bundesparlamentariern werde aber unterschätzt. Als Politikerin aus einem Durchgangskanton bringe sie Offenheit mit – Uri habe sich stets wieder an Neues anpassen müssen. «Bei der Zentralschweiz sehe ich stark, dass wir die Schweiz im Kleinen sind», sagte Z’graggen – mit Verweis auf die Wohlstandsunterschiede zwischen dem bescheidenen Uri, dem durchschnittlichen Luzern und dem reichen Zug. Dessen früherer Finanzdirektor Peter Hegglin, der den Kürzern zog, gab sich als fairer Verlierer: «Das ist Demokratie», sagte er. Nun werde er wieder mehr Zeit für seine anderen Ämter haben.

Gefeiert wird die CVP in den sozialen Medien nun für die Tatsache, dass sie eine reine Frauenauswahl präsentiert. Damit stehen die Chancen gut, dass nach dem 5. Dezember wieder drei Frauen im Bundesrat sitzen, falls bei der FDP Karin Keller-Sutter das Rennen macht.

«Heute Tag der Frauen», bemerkte etwa die grüne Basler Nationalrätin Sibel Arslan. Kandidatin Viola Amherd gab ihrer Freude etwas verklausulierter Ausdruck: «Ich habe im Vorfeld gesagt, es wäre für mich nichts Schlimmes, wenn die CVP mit einem Zweier-Frauen-Ticket kommt.» Mehr als die Frauenfrage strich Fraktionspräsident Filippo Lombardi indes die politische Breite heraus: «Die CVP deckt mit den beiden Frauen das ganze Spektrum ab – von A bis Z.» Das mag ein minder geglückter Kalauer über Amherd und Z’graggen sein, aber er trifft den nun entscheidenden Punkt.

Kann Z’graggen bei der SVP punkten?

Das Parlament erhält mit Amherd und Z’graggen die Möglichkeit einer Richtungswahl. Amherd ist vor allem gesellschaftspolitisch linker als viele in der Fraktion. Z’graggen ist in der Sozial- und Migrationspolitik konservativer. Sie gilt auch als wirtschaftsnäher, hat etwa dem Ägypter Samih Sawiris geholfen, sein Resort in Andermatt zu realisieren. Zudem wird Z’graggen SVP-Nähe nachgesagt: Ihr Partner ist der frühere Zürcher SVP-Kantonsparlamentarier Bruno Dobler, der unter anderem als Gründer der Fluggesellschaft Helvetic bekannt ist.

In den sozialen Medien warfen sich SVP-Anhänger nach der Nominierung sofort für Z’graggen in die Bresche. Eine SP-Politikerin wiederum habe die Urnerin als Präsidentin der Eidgenössischen Heimatschutzkommission erlebt und meinte, sie habe durchaus eine linke Ader. «Jetzt wird es unberechenbar», sagt ein CVP-Politiker.

Bundesratswahlen: Cassis spricht sich für Wahl von zwei Frauen aus

Nach Ansicht von Bundesrat Ignazio Cassis sollen zwei Frauen als Nachfolgerinnen für Doris Leuthard (CVP) und Johann Schneider-Ammann (FDP) in die Landesregierung gewählt werden. Er favorisiere «absolut» eine Frauenwahl, sagte er im Interview mit «Le Matin Dimanche».

Bundesratswahlen: Richtungswahl für die CVP, klare Sache für die FDP

Die Kandidaten für die Nachfolge der scheidenden Bundesräte Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann stehen fest. Bei der FDP dürften inhaltliche Unterschiede kaum eine Rolle spielen. Die St.Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter gilt als klare Favoritin. Offen ist hingegen das Rennen bei der CVP. Der Entscheid wird für die Partei weitreichende Konsequenzen haben.
Roger Braun