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CYBERANGRIFFE: Schweiz soll für Erpresserattacken vorkehren

Bei der jüngsten weltweiten Attacke mit Erpresser-Software ist die Schweiz glimpflich davongekommen. Doch sie sei schlecht vorbereitet, kritisieren Politiker.

Er gibt noch immer Rätsel auf, der Computerwurm namens NotPetya, der diese Woche weltweit Millionen von Computern infiziert hat. Vordergründig scheint er dazu zu dienen, Geld zu erpressen: Der Wurm verschlüsselt die Daten auf befallenen Systemen. Nur wer Lösegeld zahlt, erhält das Passwort und den Zugang zu seinen Daten zurück.

Reiche Beute haben die Cyberkriminellen nicht gemacht, unter anderem, weil der E-Mail-Anbieter ihre Kontaktadresse sperrte. Bis dato flossen weltweit nur 46 Zahlungen auf das Lösegeldkonto, die Summe beläuft sich auf nicht einmal 10000 Franken. «Es sieht ganz danach aus, als hätten die Angreifer vor allem Schaden anrichten wollen», sagt darum Franz Grüter, Luzerner SVP-Nationalrat und IT-Unternehmer. Hart traf es die Ukraine, wo Tankstellen, Banken und Sicherheitsinfrastrukturen lahmgelegt wurden.

Auch in der Schweiz waren mehrere Unternehmen und Institutionen betroffen, es blieb ­jedoch bei Einzelfällen. «Die Schweiz ist relativ gut davongekommen», sagt Grüter. Das zeige, dass die IT-Infrastruktur gut und auf dem neusten Stand sei, weil das Bewusstsein für die ­Cyber-Bedrohungen hoch sei. «Aber wir sind immer noch schlecht darin, solche Hacker­angriffe zu verhindern», sagt Grüter. Er fordert, dass das Verteidigungsdepartement des Bundes eine Cybertruppe aufbaut. Ähnliche Forderungen haben auch die FDP-Ständeräte Josef Dittli und Joachim Eder erhoben: Dittli etwa schwebt ein Cyberkommando mit 500 Soldaten vor. Grüter sagt, im Verteidigungs­departement finde derzeit ein Umdenken statt. «Die Verwaltung anerkennt endlich, dass wir im Cyberbereich ernsthaften Bedrohungen ausgesetzt sind», sagt Grüter. «Aber es geht immer noch zu wenig schnell vorwärts.»

SVP-Bundesrat und Verteidigungsminister Guy Parmelin will das Budget für die Cyberabwehr auf 100 Millionen Franken jährlich erhöhen, wie diese Zeitung im Mai berichtete. Bis 2020 soll die Zahl der Stellen laut Parmelin von 50 auf 150 verdreifacht werden. «Das ist viel zu wenig», sagt Grüter. Er rechnet mit Kosten von 300 bis 500 Millionen Franken jährlich. Gefordert ist jedoch nicht nur der Bund, sondern auch Unternehmen und Private. Grüters Unternehmen green.ch etwa hat soeben wieder eine Viertelmillion Franken investiert, um Überlastungsangriffe abzuwehren. «Das ist wie ein Krieg: Der Staat und die Privaten brauchen Abwehrwaffen», sagt Grüter.

Fabian Fellmann

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