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Das Foto aus der Finsternis

Bürokratisch

«Dies Bildnis ist bezaubernd schön», liess es Wolfgang Amadeus Mozart in der «Zauberflöte» flöten. Nun gut. Mozart war kein Schweizer. Vor allem genoss er die Gnade der frühen Geburt und weilt deshalb schon eine ganze Weile nicht mehr hienieden. Denn käme ihm das aktuelle Bundesratsfoto zu Gesicht, dem guten Mozart – womöglich würde er sich das mit dem Bildnis noch einmal überlegen.

Man kann sich über Geschmack trefflich streiten. Und dass das jährliche Bundesratsfoto bei einem Wechsel im Gremium unter dem Jahr (Cassis statt Burkhalter) jeweils in gleicher Art und Weise repliziert wird, hat eine gewisse Tradition. Doch möchte man die Sache doch einmal gerne juristisch geklärt haben: Erfüllt derlei regierungsamtliche Lichtbildnerei nicht den Tatbestand der «Schreckung der Bevölkerung» (Art. 258 StGB)? Denkt denn niemand an die armen Kinder, die wegen solcher Bilder nicht mehr schlafen können? Und warum schreitet der Justizapparat nicht ein? Weil er mit dem Verteilen von Parkbussen überlastet ist? Oder weil die Magistraten zwar fotografisch verunstaltbar, aber strafrechtlich unantastbar sind? Und falls dies der Grund sein sollte: In welchem Kerker schmachtet der Fotograf?

Es gab Zeiten, da liessen sich die Regierenden in Öl pinseln, in Bronze giessen oder in Marmorblöcke meisseln. Grosse Meisterwerke sind so entstanden, welche die Jahrhunderte überdauert haben und uns Betrachter bis heute erfreuen.

Gewiss, die Gepinselten, Gegossenen und Gemeisselten von damals waren nicht alle demokratisch gewählt. Aber gibt es ein Gesetz, wonach die oberste Verwaltungsspitze unseres Staates jedes Jahr den ästhetischen Kasper – und im Falle eines frühzeitigen Wechsels gar den Doppel-Kasper – machen muss? Falls der Preis für die Republik tatsächlich eine Regierung aus der Geisterbahn ist, so muss man festhalten: Die Vertreibung der Habsburger war ein Fehler. Die Schweiz braucht einen König. (pho)

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