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«Das ist ein Dumpingpreis»

Der Bundesrat will unter anderem die Tarife in der Chirurgie kürzen. Der Präsident des Chirurgenverbands FMCH, der Luzerner Orthopäde Josef Brandenberg, kritisiert die Vorschläge. Er warnt vor Leistungsabbau.

Der Bundesrat hat entschieden, in den Tarmed einzugreifen. 700 Millionen Franken sollen gespart werden. Was halten Sie davon?

Ich habe Zweifel, dass damit 700 Millionen eingespart werden können. Gewisse Vorschläge können nicht so umgesetzt werden oder haben Nebenwirkungen. Ein Beispiel: Der vorgeschlagene Tarif für die Operation des grauen Stars ist ein Dumpingpreis, wie er in Europa einmalig sein dürfte. Solche Dumpingpreise würden dazu führen, dass gewisse Leistungen nicht mehr erbracht oder verlagert werden.

Sie glauben, dass Ärzte eine solche Operation nicht mehr machen würden?

Ja. Ein so rigoroser Eingriff in den Tarif führt zu Leistungsabbau.

Der Tarmed gilt als veraltet. Bestreiten Sie das?

Der Tarmed an sich ist gut, aber die technischen Entwicklungen führen dazu, dass gewisse Leistungen günstiger geworden sind, andere jedoch teurer. Es braucht eine Revision, diese muss aber sachgerecht sein. Man darf sich dabei nicht auf Dumpingpreise versteifen.

Der Bundesrat sagt, sein Ziel seien sachgerechte Tarife.

Die Absicht mag ja gut sein. Aber gewisse Leistungen werden mit den vorgeschlagenen Tarifen nicht sachgerecht vergütet, sondern zu tief. Das sieht man auf den ersten Blick.

Die Ärzte sind mitschuldig daran, dass der Bundesrat eingreift: Sie haben keine Einigung hingekriegt.

Die FMCH arbeitet seit einem Jahr mit dem Krankenkassenverband Santésuisse ein System mit Pauschaltarifen aus. Wir haben einen Teil bereits beim Bundesrat eingereicht. Dass solche Bemühungen nicht mit einbezogen wurden, enttäuscht uns. Da muss man uns nicht vorwerfen, wir täten nichts.

Der Bundesrat vermutet, dass die Spezialisten die Kürzungen von 2014 teilweise mit Mengenausweitungen kompensiert haben. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich glaube nicht, dass Leistungen verrechnet werden, die nicht gemacht werden. Dafür habe ich nie einen Beweis gesehen. Sehen Sie: Ich stand vor drei Jahren noch selbst am Operationstisch. Was ich und auch meine Kollegen am häufigsten vergessen haben zu verrechnen, war, wenn ein Patient etwa den Operationstag ändern wollte. Wenn man nun aber Tarife kürzt, dann sinkt die Kulanz der Ärzte, und sie rechnen pingelig alles ab.

Falls die Revision so in Kraft gesetzt wird wie jetzt vorgeschlagen: Wird sich die FMCH dagegen wehren?

Ich will nicht mit Massnahmen drohen. Aber irgendwann ist das Fass am Überlaufen. Wenn die Vorlage so, wie sie heute aussieht, umgesetzt wird, dann werden sich die Ärzteverbände Aktionen überlegen. Wir werden uns nun aber erst mal an der Vernehmlassung beteiligen. (mjb)

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