«Das ist eine humanitäre Katastrophe»: Der Klimastreik will kein politisches Kapital schlagen aus dem Corona-Virus

Lufthansa und Swiss streichen in den nächsten zwei Monaten 50 Prozent aller Flüge. Die Bewegung Klimastreik will den Einbruch des Flugverkehrs aber nicht für sich nutzen. Das betont Klima-Aktivistin Saskia Rebsamen.

Othmar von Matt
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Trotz Corona-Virus soll der nationale Streiktag «Strike for Future» der Bewegung Klimastreik vom 15. Mai auf jeden Fall stattfinden. Notfalls auch ohne Grossdemos.

Trotz Corona-Virus soll der nationale Streiktag «Strike for Future» der Bewegung Klimastreik vom 15. Mai auf jeden Fall stattfinden. Notfalls auch ohne Grossdemos.

Keystone

Ende letzter Woche hatten die Lufthansa und ihre Tochter Swiss drastische Massnahmen bekannt gegeben. Da die Corona-Epidemie für einen heftigen Nachfrageeinbruch von Flügen sorgt, reduzieren der Lufthansa-Konzern und seine Tochter Swiss ihre Flugkapazität um bis zu 50 Prozent.

Bei der Swiss betreffen die Streichungen vor allem die Kurzstrecken-Verbindungen. Während die Lufthansa ihre Mitarbeiter in Zwangsurlaub schicken will, ist dieser Schritt bei der Swiss noch kein Thema.

«Dann können wir auch in Zukunft Restriktionen akzeptieren»

«Wenn wir schon abgesagte Flüge, geschlossene Schulen und verschobene Sportevents akzeptieren», schrieb dazu Stefan Hostettler auf Twitter, der stellvertretende Generalsekretär des Umweltdepartements von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, «können wir in Zukunft vielleicht auch nötige Restriktionen akzeptieren.»

Restriktionen im Sinne des Klimas. Hostettler verlinkte dabei einen Artikel der «Financial Times» unter dem Titel «Wird der Coronavirus die Art und Weise ändern, wie wir leben?»

Hat der Einbruch des Flugverkehrs auch einen Einfluss darauf, wie die Bewegung Klimastreik nun kommuniziert? Immerhin gilt der Flugverkehr als Symbol für die Klimakrise. Nutzt die Bewegung die Auswirkungen, welche die Coronakrise auf die Mobilität hat, um aufzuzeigen, dass ein eingeschränktes Leben auch in Zukunft möglich ist?

Man habe diese Entwicklung in der Bewegung diskutiert, sagt Klima-Aktivistin Saskia Rebsamen. Die Medien hätten den Rückgang der Flüge ja in grösserem Stil thematisiert.   

«Wollen die Epidemie nicht mit der Klimakrise verbinden»

«Doch wir wollen die Epidemie des Corona-Virus nicht mit der Klimakrise verbinden», betont Rebsamen. «Es handelt sich hier  um eine humanitäre Katastrophe. Wir wollen sie nicht nutzen, um uns gegen die globalisierte Welt, gegen das Wirtschafts-System oder gegen die Mobilität zu äussern.»

Die Bewegung Klimastreik war bisher praktisch nicht betroffen vom Verbot für Veranstaltungen mit über 1000 Personen, das der Bundesrat verhängt hat. Für ein nationales Treffen in Bern hatten sich vor zwei Wochen insgesamt knapp hundert Personen eingefunden.

Die Bewegung hatte deswegen wie vorgeschrieben Kontakt mit dem Kanton und eine Liste der Personen erstellt, die nach Bern reisten. «In unserem internen Chat wiesen wir darauf hin», sagt Saskia Rebsamen, «dass Teilnehmende, die in einem Risikogebiet waren oder Grippesymptome haben, nicht nach Bern kommen können.»

Nationale Streiktag vom 15. Mai findet auf jeden Fall statt 

Für die Bewegung Klimastreik ist schon heute klar, dass der grosse Streiktag «Strike for Future» vom 15. Mai auf jeden Fall stattfinden wird. Knackpunkt sind die Demonstrationen, die an diesem Tag ab 16 Uhr in allen grossen Städten der Schweiz geplant sind.

«Sollten am 15. Mai keine grossen Demonstrationen erlaubt sein, werden wir uns selbstverständlich daran halten», betont Rebsamen. Der Streiktag werde dann von den vielen kleineren Anlässen leben, welche die lokalen Klimagruppen  in Gemeinden oder bei Institutionen vorbereiteten. Stand heute existieren rund 80 Klimagruppen.

«Wir setzen im Rahmen des Strike for Future sehr stark auf Dezentralität, um den Wandel voranzubringen», sagt Rebsamen. So finden am 15. März unzählige lokale Versammlungen der rund 80 Klimagruppen statt, die sich im Hinblick auf den 15. Mai gegründet haben. Rebsamen: «Das sind Diskussionsrunden über das Klima, in denen es um Lösungen auf der kleineren Ebene geht, für Gemeinden oder Schulen beispielsweise.» 

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