Kommentar

Volksinitiativen für ökologischere Lebensmittel: Das schlägt auf den Magen

Die beiden Initiativen geniessen hohen Zuspruch in der Bevölkerung. Doch die Volksbegehren sind nicht unproblematisch.

Fabian Fellmann
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Fabian Fellmann, Leiter Bundeshausredaktion NZZ Regionalmedien.

Fabian Fellmann, Leiter Bundeshausredaktion NZZ Regionalmedien.

Sie lassen den Schweizern offenbar das Wasser im Mund zusammenlaufen. Gleich zwei Volksinitiativen für ökologischere Lebensmittel kommen am 23. September zur Abstimmung. Beide Initiativen geniessen gemäss ersten Umfragen rekordhohe Zuspruchraten von über 70 Prozent. Das liegt daran, dass sie schön angerichtet wurden und die Meinungsbildung noch am Anfang steht. Die Fair-Food-Initiative ist wie ein Teller Älplermagronen: Das mögen einfach alle. Das Volksbegehren einer Allianz um die Grüne Partei verlangt, dass auch für importiertes Essen Schweizer Standards gelten. Das Problem ist, dass die Magronen viel besser riechen, als sie schmecken. Zwar lässt die Initiative viel Umsetzungsspielraum. Doch ohne Bürokratie, höhere Preise und Verzicht auf einige ausländische Produkte ginge es nicht.

Die Ernährungssouveränitäts-Initiative ist wie ein Birchermüesli: Sie wirkt auf den ersten Blick anmächelig. Doch haben die globalisierungskritischen Initianten sehr viele Zutaten beigemischt, die man nicht ohne weiteres bestimmen kann und die schon ordentlich verfault sind. Eine Konzentration auf einheimische Lebensmittel, ein Gentech-Moratorium, eine Erhöhung der Zahl der Bauern, Schutzzölle auf Importe – eine bekömmliche Mischung ist das nicht für Schweizer Mägen.

Die Zustimmung der Stimmbürger wird rasant sinken, wenn sie die Rezepturen der beiden Volksbegehren genau studieren. Sie sollten ihre Lust auf gute Lebensmittel ohnehin nicht an der Urne, sondern beim Befüllen des Einkaufskörbchens befriedigen.