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Das sind die Folgen des «Wieder mal zum Chotzä z’Züri!»-Ausrasters des Swiss-Piloten

Vor vier Monaten geriet ein Swiss-Pilot in die Schlagzeilen, als er am Flughafen Zürich laut und derb über eine Fluglotsin herzog. Mittlerweile musste er bei seiner Arbeitgeberin antraben.
Benjamin Weinmann

«Es isch eifach wieder mal zum Chotzä z’Züri!»: Der Funkspruch eines verärgerten Swiss-Piloten, den die Redaktion CH Media publik machte, sorgte vergangenen Herbst für Aufsehen. Weil sich sein Start in Kloten mehrfach verzögerte, platzte dem Piloten der Kragen und er liess gegenüber der Fluglotsin seinem Ärger freien Lauf – auf einer öffentlich zugänglichen Frequenz: «Es isch e Katastrophä. Mir händ foif Slots, mir sind immer parat, und entweder bringt ois dä Flughafä nöd usä. Es isch eifach wieder mal zum Chotzä da z’Züri. Echt! Ich ha d’Schnauzä voll däm huerä Drecksplatz, tschuldigung.»

Der Captain musste bei seiner Arbeitgeberin Swiss antraben. Diese nahm ihren Piloten zwar teilweise in Schutz, da der Ausbruch menschlich gewesen sei. Für die Wortwahl und den Kanal, den der Pilot für seinen Ausraster wählte, gab es hingegen Schelte.

Zu einem ursprünglich angedachten Treffen, bei dem sich der Pilot bei der Lotsin für seinen Tonfall hätte entschuldigen sollen, kam es nicht, wie Insider berichten. Das Thema schien vom Tisch. Doch das ist es nicht ganz. Im neusten Mitgliedermagazin des Pilotenverbandes Aeropers wenden sich die Fluglotsen, die in Zürich den Verkehr regeln, in Form eines Gastbeitrags an die Cockpit-Crew. Die Episode des polternden Swiss-Piloten wird zwar nicht ausdrücklich erwähnt, doch heisst es im Artikel: «Funktioniert die Kommunikation zwischen Cockpit und Tower reibungslos, ist sie normalerweise kein Thema. Problematisch wird es erst dann, wenn Missverständnisse und daraus auch Frust entstehen.»

«Rufen Sie doch an»

Die Fluglotsen laden deshalb die Piloten zum Dialog ein. So könne man verschiedene Fragen beider Parteien auf den Grund gehen. Auch die Bedeutung von «Ready»-Meldungen der Piloten könne zum Beispiel diskutiert werden. «Denn gemäss unseren Erfahrungen gibt es mindestens fünf verschiedene Definitionen dafür.» So enervierte sich der Swiss-Pilot denn auch im Herbst: «Ich bin ready now for 30 minutes. 30 Minutä simmer parat und dä Slot wird permanent umägschobä!»

Man lade Interessierte aus dem Cockpit und der Kabine deshalb gerne zum Austausch ein, schreiben die Flugverkehrsleiter. «Wir sind immer dann da, wenn Ihr es auch seid.» Sogar eine Telefonnummer wird angegeben, welche die Piloten anrufen können. Schliesslich hatte die Fluglotsin dem Polter-Piloten geraten:

«Wenn Sie Diskussionsbedarf haben, dann rufen Sie doch an, das ist besser als auf der Frequenz.»

Und um zu zeigen, dass es die Tower-Angestellten mit ihrer dargebotenen Hand auch wirklich ernst meinen, schliessen sie mit einem Zitat von Nobelpreisträger George Bernard Shaw: «The single biggest problem in communication is the illusion that it has taken place.» – auf Deutsch: «Das grösste Problem in der Kommunikation ist die Illusion, sie hätte stattgefunden.»

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