Dem Bund Beine machen

Kommentar

Balz Bruder
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Balz Bruder. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Balz Bruder. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Die Spitäler wollen sich von den Kantonen nicht einfach vorschreiben lassen, wann sie eine Operation ambulant statt stationär durchzuführen haben. Das war zu erwarten. Denn im Selbstverständnis von Medizinern sollen sich Politiker gefälligst darum kümmern, dass der Staat finanziert, wozu er nach Recht und Gesetz verpflichtet ist. Nicht vorgesehen ist dagegen, dass die Politik Hand an den Operationstisch legt.

Kein Wunder also, führen die vereinigten Schweizer Privat­kliniken in einem Auftragsgutachten schweres juristisches Geschütz gegen sogenannte Operationslisten auf. Mit diesen wollen die Kantone ambulante Behandlungen fördern und stationäre vermeiden – wenn es die medizinische Indikation erlaubt, wohlverstanden. Das ist unzweifelhaft ein vernünftiges Anliegen. Und zwar unabhängig davon, ob die Kompetenz zum Erlass solcher Listen bei den Kantonen oder beim Bund liegt.

Trotzdem werden es die Listen – wie jene in Luzern, aber auch jene in Zürich – schwer haben. Denn kantonale Sonderzüglein sind im Zeitalter der freien Spitalwahl nicht das höchste aller Gefühle. Sie sorgen am Ende bei allen Beteiligten für mehr Nothalte als Durchfahrten. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass das Vorpreschen der Kantone nötig ist. Denn eine konsolidierte Bundesliste, die auch den wähle­rischen Ärzte­gesellschaften einigermassen passt, würde ohne den föderalistischen Druck noch lange auf sich warten lassen.

Es gibt deshalb keinen Anlass, die kantonalen Listenverfahren zu stoppen. Im Gegenteil: Sie sind die Katalysatoren für eine notwendige Entwicklung – auch für uns Patienten.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch