DEMOGRAFIE: Bevölkerung wächst langsamer

Weniger Zu- und mehr Abwanderung, Rückgang bei den Geburten: Die Bevölkerung in der Schweiz ist zwar auch im vergangenen Jahr wieder gewachsen – allerdings mit deutlich gedrosseltem Tempo.

Gregory Remez
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Der Geburtenüberschuss, also die Differenz zwischen Geburten und Todesfällen, war 2017 stark rückläufig. (Themenbild) (Bild: Keystone/GAETAN BALLY)

Der Geburtenüberschuss, also die Differenz zwischen Geburten und Todesfällen, war 2017 stark rückläufig. (Themenbild) (Bild: Keystone/GAETAN BALLY)

Gregory Remez

In Zeiten, in denen der nachhaltige Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen einen immer wichtigeren Platz im öffentlichen Diskurs einnimmt, rückt auch das politisch heikle Thema Bevölkerungswachstum zunehmend in den Fokus. Seit Jahrzehnten warnen Wissenschafter, Non-Profit-Organisationen und Denkfabriken vor den poten- ziellen Negativfolgen der explosionsartigen Zunahme der globalen Bevölkerung seit Beginn der industriellen Revolution.

Vor dem Hintergrund des wachsenden Bewusstseins für diese Problematik, die sich laut Beobachtern in den kommenden Dekaden weiter akzentuieren dürfte, sorgte das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) gestern – zumindest zwischenzeitlich – für eine gute Nachricht. Denn wie die provisorischen Ergebnisse des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen, ist das Bevölkerungswachstum in der Schweiz 2017 im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit langer Zeit wieder stark zurückgegangen. Zwar stieg die Zahl der Bevölkerung im ­letzten Jahr hierzulande um 62 602 auf insgesamt 8 482 152, gleichzeitig sank aber die Wachstumsrate unter die Schwelle von 1 Prozent und war damit deutlich tiefer als in den Jahren 2007 bis 2016 (siehe Grafik). Sie ist nun vergleichbar mit jener zu Beginn der Nullerjahre.

Bild: Grafik: ISi

Bild: Grafik: ISi

Ganz überraschend kommt die aus ökologischer Sicht erfreuliche Entwicklung für das BFS nicht: «Das Staatssekretariat für Migration, das SEM, hatte im ­Februar dieses Jahres bereits die Statistiken zur Zuwanderung ­publiziert. Diese liessen erahnen, dass das Bevölkerungswachstum insgesamt wohl zurückgegangen sein könnte. Nun haben wir dies mit unseren ­Zahlen bestätigt», sagt Fabienne Rausa, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Sektion Demografie und Migration beim BFS.

Ausländische Bevölkerung wächst schneller

Ausschlaggebend für das Bevölkerungswachstum sind vor allem zwei Faktoren: der Wanderungssaldo, der die Differenz zwischen den Zu- und Abwanderungen beschreibt, und der Geburtenüberschuss. Laut dem BFS wanderten letztes Jahr 172550 Menschen in die Schweiz ein, 121169 wanderten aus. Damit nahm die Immigration im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent ab, der Wanderungssaldo sogar um 28 Prozent. Er liegt nun auf dem tiefsten Stand seit 2006. Ebenfalls rückläufig war der Geburtenüberschuss. Das heisst, die Todesfälle nahmen zu, während die Geburten zurückgingen. Unter dem Strich wurden 18400 mehr Geburten als Todesfälle verzeichnet – ein Minus von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Derweil nahm sowohl die schweizerische als auch die ausländische Wohnbevölkerung zu, erstere (0,6 Prozent) etwas weniger als letztere (1,1 Prozent). Mit Ausnahme von Neuenburg und Tessin stieg die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner in allen Kantonen. Das grösste Wachstum wies dabei der Kanton Zug mit einem Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf.

Und wie sieht es im laufenden Jahr aus? Ist heuer erneut mit einem Wachstumsrückgang zu rechnen? «Das lässt sich derzeit noch nicht sagen», sagt Rausa. Prognosen seien schwierig, denn die Bevölkerungsentwicklung werde auch durch die sozioökonomische und politische Situation im nahen wie im fernen Ausland beeinflusst – und die könne sich jederzeit ändern.