Denver-Clan auf Italienisch

Im Gegensatz zu Nicolas Sarkozy hat es Silvio Berlusconi nicht nötig, politisch Einfluss zu nehmen, um seinen Sprösslingen zu einer glanzvollen beruflichen Karriere zu verhelfen.

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Dominik Straub, Rom

In Berlusconis Firmenimperium Fininvest, zu dem die drei grössten privaten TV-Sender des Landes (Mediaset), ein bedeutender Verlag (Mondadori), eine Bank (Mediolanum) und ein Fussballverein (AC Milan) gehören, ist für jedes der fünf Kinder des Cavaliere ein Plätzchen an der Sonne zu finden.

In der Tat sind die beiden Kinder aus Berlusconis erster Ehe mit Carla Dall'Oglio, die 43-jährige Marina und der 40-jährige Pier Silvio, bereits bestens versorgt: Die Erstgeborene Marina ist Präsidentin der Familienholding Fininvest und des Mondadori-Verlags, während Pier Silvio seit neun Jahren als Vizepräsident von Mediaset die Geschicke des wichtigsten Zweigs der Gruppe führt. Die drei Kinder aus der Ehe mit Veronica Lario, Barbara (25), Eleonora (23) und Nesthäkchen Luigi (21) bereiten sich im Studium auf die Übernahme von Führungsaufgaben in der Familien-Holding vor.

315 Millionen Euro Dividenden

Auch die drei Jüngeren haben zumindest finanziell längst ausgesorgt: Vater Silvio hat im Jahr 2005 alle fünf Kinder zu etwas mehr als 7 Prozent an der Fininvest beteiligt. Allein an Dividenden hat sich für Barbara, Eleonora und Luigi die Summe von 315 Millionen Euro in bar angesammelt - ein nettes Startkapital für den bevorstehenden Sprung ins Berufsleben. Marina kommt auf 78 Millionen, der sparsame Pier Silvio auf 200 Millionen.

Grabenkrieg um Fininvest

Silvio Berlusconis Sorgen sind anderer Natur als jene seines französischen Kollegen: Seit ihn Veronica im Mai vor die Tür gesetzt hat, weil er mit Minderjährigen verkehre und seinen Harem aus TV-Sternchen und Nacktmodellen auf seine Wahllisten gesetzt habe, ist ein familieninterner Grabenkrieg um die künftige Verteilung des auf rund 8 Milliarden Euro geschätzten Imperiums im Gange. Die Fronten sind abgesteckt: Silvio möchte die Erbschaft hälftig zwischen den Kindern aus erster und aus zweiter Ehe aufteilen. Veronica verlangt, dass jedes Kind einen Fünftel erhält - womit ihre drei Sprösslinge in der Fininvest die Kontroll-Mehrheit erhielten.

Kompliziert wird die Sache dadurch, dass es sich beim Verhältnis zwischen den Kindern aus erster und zweiter Ehe nicht um eine überschäumende (Stief-)Geschwisterliebe handeln soll. Unlängst kochte Marina vor Wut, weil Barbara in einem Interview in «Vanity Fair» die Beziehung ihres Vaters zu Noemi mit den Worten kommentiert hatte: «Ich selber habe nie mit älteren Männern verkehrt; das sind psychologische Bindungen, die ich nicht kenne.» Im gleichen Interview äusserte Barbara sich auch noch zur Erbteilung: «Wenn Papa gerecht ist, wird es keinen Streit geben.» Das war eine nur schlecht kaschierte Drohung. Die Scheidung könnte nach Meinung von Vertrauten der Familie noch zu einer deftigen Seifenoper ausarten - zu einem «Denver Clan all'Italiana», wie es die «Repubblica» nennt.