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Der Aargauer Dirnenmörder Tobi B. ist auf freiem Fuss

Das Bezirksgericht Lenzburg hat den Aargauer Dirnenmörder Tobi B. auf freien Fuss gesetzt. Er lebt jetzt in einem begleiteten Wohnen in Zürich. Der fürsorgerische Freiheitsentzug sei nicht mehr gerechtfertigt gewesen.
Jürg Krebs, Fabian Hägler
Mörder Tobi B. (2011) auf dem Weg ins Bezirksgericht. Als Minderjähriger vergewaltigte, strangulierte und tötete er in Aarau eine Prostituierte. (Bild: zvg)

Mörder Tobi B. (2011) auf dem Weg ins Bezirksgericht. Als Minderjähriger vergewaltigte, strangulierte und tötete er in Aarau eine Prostituierte. (Bild: zvg)

Der Aargauer Dirnenmörder Tobi B. ist auf freiem Fuss. Das teilt das Bezirksgericht Lenzburg am Freitagnachmittag mit. Der Entscheid wurde am 27. März 2019 gefällt und erst jetzt kommuniziert, wo das Urteil rechtskräftig geworden ist.

Einige Tage nach dem Bezirksgericht Lenzburg, am 2. April 2019, hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass für die fürsorgerische Unterbringung des Aargauer Prostituiertenmörders Tobi B. keine ausreichende gesetzliche Grundlage besteht. Der Entscheid war am 1. Mai veröffentlicht worden.

Urteile hängen nicht zusammen

Nicole Payllier, Sprecherin der Gerichte Aargau, sagt auf Anfrage, der Entscheid des Bezirksgerichts Lenzburg habe keinen Zusammenhang mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Dass die beiden Urteile zeitlich so nahe zusammen lägen, sei reiner Zufall - man habe mit der Mitteilung über die Aufhebung der fürsorgerischen Unterbringungen zugewartet, bis dieses Urteil rechtskräftig gewesen sei.

Vereinfacht gesagt: Das Bezirksgericht Lenzburg ging davon aus, dass die fürsorgerische Unterbringung von Tobi B. grundsätzlich zulässig ist und prüfte nur, ob die Voraussetzungen dafür noch erfüllt sind. Dies basierend auf der Schweizer Rechtsprechung - das Bundesgericht hatte dies bestätigt. Der Europäische Gerichtshof beurteilte dies anders, das Urteil aus Strassburg war aber noch nicht gefallen, als in Lenzburg über die weitere Unterbringung von Tobi B. entschieden wurde.

Tobi B. in begleitetem Wohnen

Das Bezirksgericht Lenzburg, Abteilung Familiengericht, hatte die fürsorgerische Unterbringung von Tobi B. ein weiteres Mal überprüft. Aufgrund der positiven Entwicklung sei es zum Schluss gekommen, dass die Voraussetzungen für die fürsorgerische Unterbringung nicht mehr gegeben sind. Tobi B. befinde sich aktuell in einem begleiteten Wohnen im Kanton Zürich, also auf freiem Fusse. In diesem Rahmen werde er «unterstützt, betreut und behandelt».

Das Bezirksgericht begründet die Freilassung von Tobi B. folgendermassen: Zentrale Vorgabe des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts sei, dass die anzuordnenden Massnahmen verhältnismässig sein müssten. Von den verschiedenen möglichen Massnahmen sei jeweils die mildeste anzuordnen. Die fürsorgerische Unterbringung sei die einschneidendste Massnahme des Erwachsenenschutzrechts. Die Situation um Tobi B. hat sich positiv entwickelt, so das Gericht. Dies gelte insbesondere auch für die Zeit seit seiner Verlegung in den Kanton Zürich.

Wechsel zu milderer Massnahme

Unter den gegebenen Umständen sei eine fürsorgerische Unterbringung nicht mehr gerechtfertigt gewesen. Das Bezirksgericht Lenzburg hat diese deshalb zugunsten einer milderen Massnahme aufgehoben und durch eine geregelte Nachbetreuung ersetzt.

Weitere Informationen will das Gericht nicht geben, da familienrechtliche Verfahren und damit auch Verfahren um die fürsorgerische Unterbringung von Gesetzes wegen nicht öffentlich seien.

Die Straftat von Tobi B.

Tobi B. hatte 2008 im Alter von 17 Jahren, also als Minderjähriger, eine 40-jährige Prostituierte aus Deutschland in einem Erotiksalon beim Bahnhof Aarau vergewaltigt, stranguliert und umgebracht. Er wohnte damals in Rupperswil AG.

Im Jahr 2008 wurde er für diese Tat vom Jugendgericht Aarau wegen Mordes, sexueller Nötigung und Vergewaltigung zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Dies war die höchstmögliche Strafe auf der Grundlage des geltenden Jugendstrafgesetzes. Das Jugendgericht ordnete zudem die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt und eine ambulante Behandlung wegen seiner psychischen Störung an. Zum Ende der Freiheitsstrafe verfügte das zuständige Bezirksamt im Juni 2012 einen fürsorgerischen Freiheitsentzug. Ansonsten hätte Tobi B. in Freiheit entlassen werden müssen.

Damals durften Massnahmen wie der fürsorgerische Freiheitsentzug gemäss Jugendstrafrecht höchstens bis zum 22. Lebensjahr dauern. Diese Gesetzesbestimmung galt auch für Tobi B.. Seit Anfang 2013 ist dies, wegen einer Gesetzesänderung, bis zum 25. Lebensjahr möglich.

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