Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der altgediente Jüngling tritt ab

FDP-Ständerat Raphaël Comte hat eine beispiellose Politkarriere hingelegt. Bereits mit 36 Jahren wurde der Neuenburger Ständeratspräsident. Nun hat der heute 38-Jährige überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben.
Michel Burtscher
Der Neuenburger FDP-Ständerat Raphaël Comte sitzt seit 2010 in der kleinen Kammer. (Bild: Anthony Anex/KEY (Bern, 19. September 2017))

Der Neuenburger FDP-Ständerat Raphaël Comte sitzt seit 2010 in der kleinen Kammer. (Bild: Anthony Anex/KEY (Bern, 19. September 2017))

Er ist noch keine 40 Jahre alt, trotzdem zieht sich Raphaël Comte bereits aus der Bundespolitik zurück. Der Neuenburger Ständerat hat verlauten lassen, dass er im Herbst 2019 nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird. Das ist eine Überraschung angesichts seines noch so jungen Alters. Hat Comte die Lust an der Politik verloren? «Überhaupt nicht», erklärt er auf Anfrage. Die Arbeit im Parlament mache ihm noch immer sehr viel Spass – aber: «Zehn Jahre im Ständerat sind genug für mich», sagt der 38-Jährige. «Ich will kein Sesselkleber sein.» Damit unterscheidet er sich beispielsweise von SP-Ständerat Paul Rechsteiner, der schon seit über 30 Jahren im Bundesparlament ist.

Comte gehört der kleinen Kammer seit Anfang 2010 an, als er den Sitz von Didier Burkhalter erbte, der vom Parlament in den Bundesrat befördert worden war. Damit wurde Comte einer der jüngsten Ständeräte in der Geschichte der Eidgenossenschaft: 30 Jahre alt war er damals, studierte Jura und wohnte noch bei seinen Eltern. Politisiert wurde Comte aber nicht im Elternhaus, sondern im Staatskundeunterricht. Er ging zu den Jungfreisinnigen, wurde im Alter von 20 Jahren in den Einwohnerrat von Corcelles-Cormondrèche gewählt und ein Jahr später ins Neuenburger Kantonsparlament. Ab 2008 gehörte er der Exekutive seiner Heimatgemeinde an. Und zwei Jahre später sass er bereits im «chambre de réflexion», in dem das Durchschnittsalter fast 60 Jahre beträgt. Es ist eine Politkarriere im Schnellgang.

Er politisiert am linken Rand seiner Partei

Im Ständerat hat sich Comte schnell zurechtgefunden. Er gilt als dossierfest und als ruhiger Schaffer. Manche haben ihn auch schon als «blass» bezeichnen. Dazu sagte er einmal: «Nur weil ich nicht autoritär auftrete, heisst das noch lange nicht, dass ich keine starke Persönlichkeit habe.» Im Jahr 2015 folgte dann, was Comte als «einen Höhepunkt meiner Politkarriere» bezeichnet: Er wurde zum Ständeratspräsidenten gewählt – dem jüngsten seit 140 Jahren.

Innerhalb seiner Partei politisiert Comte am linken Flügel, gemäss dem Parlamentarierrating der «NZZ» ist er der linkeste FDP-Ständerat. Besonders bei gesellschaftspolitischen Fragen weicht er immer wieder von der Parteilinie ab – aber nicht nur dort: So befürwortete Comte beispielsweise als einziger FDP-Parlamentarier den vom Volk abgelehnten Mitte-links-Kompromiss bei der Rentenreform.

Probleme mit seinen Parteikollegen hatte er deswegen aber nie: «Sie waren sicher nicht immer einverstanden mit mir – so wie ich auch nicht immer einverstanden war mit ihnen», sagt Comte. Aber das gehöre zur Politik. Besonders am Herzen liegt Comte die Gleichstellung zwischen Mann und Frau, wie er sagt. «Ich finde es darum schön zu sehen, dass es bei diesem Thema in den vergangenen Monaten Bewegung gegeben hat.» Er denkt etwa an das neue Gleichstellungsgesetz. Oder an einen seiner eigenen Vorstösse, mit dem er kürzlich einen kleinen Coup landete. So unterstützte der Ständerat seine Forderung, dass die Vertretung der Geschlechter im Bundesrat künftig rechtlich geregelt werden soll.

Seine Zukunft ist noch offen

Über Comtes Privatleben ist nicht viel bekannt, was von ihm durchaus so gewollt ist; auch in den sozialen Medien ist er weniger präsent als andere Politiker. Was er nach seinem Ausscheiden aus dem Ständerat machen wird, weiss Comte noch nicht. «Ich habe nun eineinhalb Jahre Zeit, mir darüber Gedanken zu machen», sagt er. Und er betont, dass sein Rücktritt aus dem Ständerat nicht unbedingt das Ende seiner politischen Karriere bedeutet. «Es gäbe durchaus Mandate auf kommunaler oder kantonaler Ebene, die ich interessant fände», so Comte.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.