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Kolumne

Der Bauer ist immer gut

Erlebnisse mit Handys und Jassen an der Ski-WM in Åre.
Claudio Zanini

Neulich schrieb ein Chefredaktor einer grösseren Zeitung, die Menschen müssten wieder lernen zuzuhören. Zu diesem Schluss kam er, weil das Publikum beim Weltwirtschaftsforum in Davos nicht zuhörte, sondern alle an ihren Handybildschirmen klebten. Ob das alarmierend ist, bezweifelte ich ein wenig, nachdem ich besagten Kommentar auf dem Smartphone gelesen habe. Ist ja egal. Weiterstreichen auf dem Bildschirm. Hier noch Transfergerüchte der Fussballwelt, dort eine Instagram-Story. Was ist auf Twitter los? Nein, nein, ich kann zuhören. In Schweden greife ich nun noch mehr zum Handy. Das belegt der Wochenbericht des Betriebssystems. Im Gegensatz zur Woche vor der WM ist die Bildschirmzeit um 20 Prozent gestiegen. Momentan schaffe ich es auf einen Tagesdurchschnitt von 3 Stunden und 21 Minuten. In den letzten sieben Tagen habe ich bemerkenswerte 8 Stunden und 9 Minuten auf sozialen Netzwerken verbracht. Das Gerät hat mich für die WM in Geiselhaft genommen. Ich suche nach Ski-News, nach Videos, nach Zitaten. Wer startet wann? Wem drückt der Schuh wo? Wer ist im Hotel angekommen? Windet es? Schneit es? Sag’s mir bitte! Ein bisschen sozialer als soziale Medien scheint mir, mit Menschen an einen Tisch zu sitzen. Tatsächlich ist mir das kürzlich in Åre passiert. Wir waren zu viert, deshalb lagen schnell Jasskarten auf dem Tisch. 1 Tisch + 4 Schweizer = 1 Jass. Das Menu eins der Schweizer Geselligkeit. Um die Erwartungen meines Jasspartners zu bremsen, wies ich darauf hin, dass ich höchstens ein Anfänger sei. Doch ich konnte mich nicht drücken, es brauchte vier Räder am Wagen, ich wäre lieber das Ersatzrad gewesen. Wenig hilfreich ist, dass sich mein Fokus immer wieder vom Spiel auf den Handybildschirm verschiebt. Oh! Habe ich da eine Push-Meldung gesehen? Wow, eine Nachricht, wenigstens schnell ein Emoji zurückschicken. Welche Farbe Trumpf ist, hörte ich nicht. Den Bauern werfe ich trotzdem lässig in die Mitte, der ist immer gut. Das Nell des Partners habe ich gestochen. Souverän. Ich werde den Fauxpas noch lange zu hören bekommen.

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