Kommentar

Der Biodiversitätsverlust ist eine Realität

Dank der lancierten Initiativen rückt die Artenvielfalt auf der politischen Agenda nach oben.

Dominic Wirth
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Dominic Wirth

Dominic Wirth

Das politische Thema der Stunde ist die Klimapolitik. Das haben die Wahlen im Kanton Zürich eindrücklich untermauert. Das Thema ist derzeit in aller Munde. Vom zweiten grossen Umweltproblem unserer Zeit kann man das nicht behaupten.

Kaum jemand spricht über die Biodiversität und darüber, wie schlecht es um sie steht. Dabei warnen Wissenschafter, dass das Wegsterben der Arten für die Umwelt ähnlich gefährlich ist wie der Klimawandel. Angekommen ist diese Botschaft allerdings noch nicht, das gilt auch für die Schweiz. Rund 60 Prozent der Befragten beurteilen den Zustand der Biodiversität in der Univox-Umweltstudie von 2016 als gut bis sehr gut.

Mit der Realität hat das nichts zu tun. Laut dem Bundesamt für Umwelt ist fast die Hälfte der Schweizer Arten bedroht, 16 Prozent gar stark gefährdet oder nahe am Aussterben; 3 Prozent sind bereits ganz verschwunden. Die Roten Listen werden immer länger, wertvolle Lebensräume gehen verloren. Das Problem ist, dass das kaum jemand spürt. Der Biodiversitätsverlust drängt sich nicht ins Bewusstsein, wie das der Klimawandel mit heissen Sommern tut. Er ist eine leise Katastrophe.

Dank der nun lancierten Initiativen rückt die Artenvielfalt auf der politischen Agenda nach oben. Es ist höchste Zeit, darüber zu sprechen, ob wir zu ihrem Schutz mehr Fläche und Geld bereitstellen wollen. Eines steht jetzt schon fest: Wir sind auf Leistungen des Ökosystems angewiesen, etwa auf die Bestäubung durch die Bienen. Wenn Biodiversität schwindet, verschwinden auch ihre Leistungen. Die EU schätzt, dass die Kompensation des Verlusts bis 2050 bereits vier Prozent des Bruttoinlandprodukts kostet. Es wird also teuer, so oder so.