Dramatische Situation in der Luftfahrt – André Dosé schlägt Alarm: «Der Bund muss der Swiss jetzt helfen!»

Der erste Chef der Swissair-Nachfolgerin zeigt sich besorgt über die dramatische Situation in der Luftfahrt. Die gegroundeten Swiss-Maschinen wecken bei ihm böse Erinnerungen. Er fordert rasches Handeln – aber nicht nur für die Airlines.

Benjamin Weinmann
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Er war der erste Chef, den die Swiss hatte: Der ehemalige Crossair-Pilot übernahm 2001 beim Start der Swissair-Nachfolgerin das Ruder. In seine Amtszeit – 2004 trat er zurück - fiel auch die Sars-Krise. «Wir waren gerade erst mit Müh und Not gestartet, als wir mit der Sars-Pandemie in Asien und dem Irak-Krieg konfrontiert wurden», erinnert sich André Dosé im Gespräch mit CH Media. «Ich musste innerhalb eines Monats 3500 Leute entlassen.» Und dennoch sei es kein Vergleich zur jetzigen Krise mit dem Corona-Virus.

«Die Asien-Flüge waren damals zwar die Cash-Cows, aber wir hatten immer noch unsere USA-Destinationen und den Europa-Verkehr.» 

Nun sei praktisch die ganze Luftfahrt zum Erliegen gekommen. «Überall. Es ist ein Super-Gau.» Dass die Swiss nun um Staatshilfe bittet, kann er nachvollziehen. «Die Flieger stehen am Boden, die Fixkosten sind enorm, das geht enorm schnell an die Liquidität.»

André Dosé war 2001 der erste Swiss-Chef, 2004 trat er zurück.

André Dosé war 2001 der erste Swiss-Chef, 2004 trat er zurück. 

Bild: Kenneth Nars / BLZ

Laut Dosé, der in der Aviatikbranche diverse Beratungsmandate ausübt, dürfte kaum eine Airline diese Krise ohne externe Hilfe überstehen. Nicht alle dürften aber zum Zug kommen. «Einige werden in Konkurs gehen.»

«Damals wurden krasse Management-Fehler begangen»

«Klar, die Bilder von den Swiss-Flugzeugen am Boden in Kloten bringen böse Erinnerungen ans Swissair-Grounding hervor», sagt Dosé. Vergleichbar sei die jetzige Situation mit der damaligen dennoch nicht. «Damals wurden krasse Management-Fehler begangen, das kann man heute nicht sagen. Im Gegenteil, die Swiss arbeitet äusserst erfolgreich.»

Die Zeit dränge auch jetzt, allerdings sei er optimistisch, dass es die Verhandlungen mit dem Bund nicht derart lange dauern würden wie damals. «Nach dem Swissair-Ende wurden zig Alternativen diskutiert mit unzähligen potenziellen Investoren.» Heute sei die Situation viel klarer.

«Der Bund muss nun rasch und pragmatisch handeln und der Swiss und allen anderen betroffenen Unternehmen aushelfen.»

Es gehe aber auch nicht nur um die Swiss beim Thema Staatshilfe, sondern alle betroffenen Unternehmen. Dosé denkt insbesondere an die Reisebüros. Denn seit 2014 ist der 62-Jährige Stiftungspräsident des Garantiefonds der Reisebranche.

Das Sommergeschäft der Reisebüros ist gefährdet

Die Situation sei dramatisch, sowohl bei den Grossen als auch bei den kleinen Anbietern. So haben der Genfer Kreuzfahrten-Veranstalter MSC und Europas grösster Reisekonzern Tui ihr Geschäft bis auf weiteres komplett eingestellt. «Es gibt aber auch enorm viele kleine Reisebüros mit zwei oder drei Angestellten.» Für alle werde es nun sehr schwer. Denn auch das Sommerferien-Geschäft ist gefährdet.

Den Garantiefonds gebe es aufgrund des Pauschalreisegesetzes seit rund 30 Jahren, und es habe gut funktioniert. Wenn ein Reisebüro Konkurs ging, habe man die Kunden mit den Mitteln des Fonds entschädigen können. «Aber der Fonds ist nicht für eine Krise dieses Ausmasses ausgelegt, so etwas ist nicht finanzierbar.» Dosé sucht deshalb so bald wie möglich das Gespräch mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft, um Überbrückungskredite und weitere Erleichterungen für seine Mitglieder einzufordern.

«Wir müssen jetzt reagieren, rasch und pragmatisch, damit wir bereit sind, wenn die Normalität zurückkehrt.»
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