Heinz Brand soll Nationalratspräsident werden

2015 galt Heinz Brand (SVP) als Kronfavorit für den Bundesrat. Nun wird er 2021 höchster Schweizer sein.

Yann Schlegel
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Der Bündner Kantonalparteipräsident und Nationalrat Heinz Brand, an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Klosters, 24. März 2018)

Der Bündner Kantonalparteipräsident und Nationalrat Heinz Brand, an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Klosters, 24. März 2018)

Damals waren es fünf Wahlgänge. 2015 scheiterte Heinz Brand im Schlussgang gegen Thomas Aeschi, als es um die Bundesratsnachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf ging. Diesmal musste der Bündner vier Wahlgänge abwarten, konnte aber am Schluss lachen. Brand wird 2021 den Nationalrat präsidieren.

Noch am Dienstagmorgen schreitet Brand zügig durch die Wandelhalle, die Mundwinkel nach unten gespannt. Der Tag sei kein spezieller. Aber, so der SVP-Nationalrat, «es ist kein gewöhnlicher Tag».

Denn am Dienstag wählte die SVP den designierten Nationalratspräsidenten für das Jahr 2021. Vor einem Jahr aspirierte der Luzerner Nationalrat Felix Müri noch auf das Amt des höchsten Schweizers. Dieser figuriert im nächsten Jahr als zweiter Vizepräsident des Nationalrats, bevor er erster Vizepräsident und schliesslich Präsident des Nationalrats wird. Es sei für ihn ein Traum, sagte er damals. Vergangene Woche schwenkte Müri um: Am kommenden Sonntag kandidiert der altgediente Nationalrat für den Gemeinderat von Emmen. Lieber verzichte er auf das Nationalratspräsidium. Vier Männer meldeten nach Müris Rückzug Interesse für das prestigeträchtige Amt an: der Berner Andreas Aebi (59), der Freiburger Pierre-André Page (58), der Appenzeller David Zuberbühler (39) – und: der Bündner Heinz Brand (63). «Jeder Ausgang ist möglich», sagte Brand vor der entscheidenden Fraktionssitzung. Die Oberaargauer Gemütlichkeit klingt im feinen Bündner Dialekt mit. Brands Wurzeln liegen in Huttwil. Nach dem Tod seines Vaters zog die Familie nach Klosters um.

Zweieinhalb Jahrzehnte sass Brand an der Spitze des Bündner Migrationsamts, ehe er 2011 seine Politkarriere im Nationalrat lancierte. In Bundesbern machte er sich als Migrationspolitiker auf SVP-Vordenker bald einen Namen. Durch seine pragmatische Art punktete er auch bei politischen Gegnern. Also war Brand vor gut drei Jahren Mitfavorit, als es um die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf ging. Die SVP-Fraktion entschied jedoch anders. Thomas Aeschi stach Brand im Schlussgang aus. Heute sagt er, als Bündner habe er aus geografischen Überlegungen keine Chance gehabt, Widmer-Schlumpf zu beerben. Brand hat auch politisch einen Wandel vollzogen. Seit er den Kassenverband Santésuisse präsidiert, hat er sich zu einer wichtigen Stimme in der Gesundheitspolitik entwickelt. «Ich mag heisse Themen», sagt er. Nach der gestrigen Wahl wird er sich als künftiger Nationalratspräsident bald zurücknehmen müssen.

Für einmal spielte die Geografie für Brand. Page stammt wie der amtierende Nationalratspräsident Dominique de Buman aus dem Kanton Freiburg. Gegen Aebi sprach, dass Christa Markwalder vor zwei Jahren dem Nationalrat vorstand. Zuberbühler ist im Vergleich zu Brand unerfahren und noch jung. Des Bündners Rechnung ging diesmal auf. Vorausgesetzt, Brand schafft im nächsten Jahr die Wiederwahl in den Nationalrat, dürfte er im Jahr 2021 höchster Schweizer sein.