Der FC Zürich ist kein Spitzenklub mehr, seine früheren Erfolge in der Super League verblassen mehr und mehr

Analyse zur Situation des Stadtklubs, der seit elf Pflichtspielen auf einen Sieg wartet und unter Trainer Ludovic Magnin - Bilanz: 1,3 Punkte pro Spiel - nicht vom Fleck kommt.

Markus Brütsch
Drucken
Teilen
Wenigstens ein Sieg an der Urne bei der Stadionabstimmung: Ancillo Canepa, Präsident FCZ.

Wenigstens ein Sieg an der Urne bei der Stadionabstimmung: Ancillo Canepa, Präsident FCZ.

Keystone

Die Zürcherinnen und Zürcher haben mit 59 Prozent der Stimmen ein weiteres Mal Ja zum Bau eines neuen Stadions im Hardturmareal gesagt. Errichtet ist dieses allerdings noch lange nicht, denn Einsprachen scheinen vorprogrammiert. Dass sich FCZ-Präsident Ancillo Canepa, wie wohl auch in China sein GC-Kollege Sky Sun, hocherfreut über das Ergebnis zeigte, ist gleichwohl verständlich.

Wenigstens hat der Stadtklub wieder einmal einen Erfolg errungen. Wenn auch auf politischer Ebene und nicht auf dem Spielfeld. Ein Sieg täte dem FCZ aber auch hier mehr als gut. Seit elf Pflichtspielen wartet er auf einen solchen und kommt einfach nicht vom Fleck. Wer wie beim 2:2 gegen Lugano fast eine Halbzeit lang in Überzahl spielen darf, eine Viertelstunde vor Schluss 2:1 in Führung geht und doch nicht gewinnt, muss über die Bücher. Zahlt man vielleicht den Preis für die grundsätzlich sehr lobenswerte Haltung, junge Spieler nach Kräften zu fördern? In dieser Spielzeit kamen schon acht Eigengewächse zum Zug.

Nicht die Schiedsrichter sind schuld

Es fehlt dem FCZ immer etwas zum Sieg. Ja, zuletzt gab es ein paar unglückliche Schiedsrichterentscheidungen gegen ihn, unter dem Strich liegt aber das Problem nicht hier. Dafür ist in der jüngeren Vergangenheit zu viel schief gelaufen.

Dies muss auch Klubbesitzer Canepa erkannt haben, ansonsten er seinen FCZ in diesem Sommer nicht personell und strukturell umgekrempelt hätte. Die Beförderung von U23-Trainer Marinko Jurendic zum Sportchef anstelle des ins zweite Glied abgeschobenen Sportlichen Leiters Thomas Bickel wirkt auf Aussenstehende allerdings nicht schlüssig. Für Jurendic ist das Aufgabenfeld Neuland.

Falls Canepa sich mit diesem Umbau als Nebeneffekt eine Aufbruchstimmung erhofft hat, ist diese bereits arg gedämpft. Mit nur einem Punkt aus zwei Spielen ist der Start in die Super-League-Saison missglückt. Vor allem aber hat die 2:3-Niederlage beim zusammengewürfelten Challenge-League-Verein Chiasso bereits ein alljährliches Saisonziel ausser Reichweite gebracht: den Cupsieg.
Die Leistungen gegen YB und Lugano mögen nicht schlecht gewesen sein, mehr als kleine Lichtblicke sind sie nicht. Wenn ein 29-jähriger Innenverteidiger, der den Durchbruch in Deutschland nie wirklich geschafft hat, nun als grosser Hoffnungsträger angesehen wird wie der von Köln ausgeliehene Lasse Sobiech, dann zeigt dies, wie bescheiden die Ansprüche geworden sind.

Doch Canepa lebt lieber weiter in jener Welt, in der sein Klub im vorigen Jahrzehnt drei Mal Meister geworden ist und in der Champions League gegen Real Madrid und Milan gespielt hat. Als sich ein Journalist vor ein paar Wochen erdreistete, Canepa die Frage zu stellen, ob der FCZ noch ein Spitzenklub sei, stellte der Präsident den Dilettanten in den Senkel.

Die Niebelungentreue zu Trainer Ludovic Magnin

Das Präsidentenehepaar Canepa erweckt den Eindruck, es lebe in einer Blase. Es gibt sich mit Haut und Haar der Idee hin, mit Ludovic Magnin den Trainer seines Lebens entdeckt zu haben. Wie schon vor fünf Jahren im Fall des bald danach krachend scheiternden Sami Hyypiä. Eventuell hat der Cupsieg, den Magnin mit dem FCZ dank glücklicher Umstände wenige Monate nach seiner Inthronisierung feierte, die Sinne etwas vernebelt.

Ein Blick auf die Statistik schafft indes Klarheit: Nach 107 Pflichtspielen mit einem Schnitt von nur 1,3 Punkten ist Magnins Leistungsausweis aussagekräftig und - ungenügend. Die in den zweieinhalb Jahren seines Wirkens sporadisch auftauchenden Hoffnungsschimmer, der FCZ könnte unter ihm die Kurve kriegen, verschwinden nach Niederlagenserien und oft bedenklich hohen Klatschen jeweils schnell wieder. Es ist dem 41-Jährigen nicht gelungen, mit dem FCZ eine positive Entwicklung einzuschlagen.

Dazu haben auch Transferflops beigetragen. In der letzten Saison wurden Denis Popovic und Mimoun Mahi als grosse Verstärkungen angekündigt, zusammengezählt standen sie in 27 von 72 möglichen Spielen auf dem Feld. Das Engagement des Augsburgers Pedersen wurde nach zwei Partien beendet. Der FCZ hat in den letzten zehn Jahren für 58,51 Millionen Franken Spieler verkauft, jedoch nur 11,22 Millionen in neues Personal investiert. Eine Strategie, die vielleicht in finanzieller, nicht aber in sportlicher Hinsicht aufgeht. Die siebten Plätze der drei letzten Saisons und der Abstieg in die Challenge League 2016 sprechen Bände. Ein Spitzenklub ist der FCZ schon lange nicht mehr.