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Der Intellektuelle mit Bischofsbier und Humor-Rubrik

Balz Bruder

Diözesanbischof  Er ist zwar nicht der offizielle Gastgeber von Papst Franziskus. Denn die Einladung an den Pontifex ging vom Bundesrat und vom Ökumenischen Rat der Kirchen aus. Doch der Bischof von Lausanne, Genf und Fribourg, Charles Morerod, ist trotzdem das Schweizer Gesicht des Papstbesuchs. Und dies mit gutem Grund. Erstens ist die Diözese gleichsam Auftragnehmerin der Kurie für die Organisation für die «ökumenische Pilgerreise» des Papstes; zweitens darf sie auch die Kosten von rund 2 Millionen Franken übernehmen. Kein Pappenstiel – und vor allem ausserhalb des Budgets des Bistums.

Die Freude Morerods über den Besuch von Franziskus trüben diese weltlichen Probleme allerdings nicht. Der Präsident der Bischofskonferenz ist mit einer guten Portion Humor ausgestattet und sieht die übergeordnete Bedeutung des Ereignisses als «wunderbares Zeichen des ökumenischen Dialogs». Das entspricht dem menschlichen Antlitz des Bischofs. Unter seiner Ägide schuf das Bistum ein zu wohltätigen Zwecken verkauftes Bischofsbier ebenso wie eine Humor-Rubrik auf der Webseite, die auch vor ironischen Verzerrungen ihres Schöpfers nicht haltmacht.

Differenziert auch im Text zwischen den Zeilen

Was nicht davon ablenken sollte, dass der 57-Jährige, der nach der Matura in den Predigerorden eintrat, sowohl in Theologie als auch in Philosophie promovierte, Experte für Leben und Werk des Heiligen Thomas von Aquin ist und unter Benedikt XVI. ebenso wie unter Franziskus seinen Weg in päpstlichen Akademien und Kongregationen machte. Ein abgehobener Schreibstuben-Gelehrter wurde aus Morerod allerdings nicht. Wenn er gefragt wird, antwortet er differenziert. So differenziert, dass das Lesen zwischen den Zeilen zuweilen die wahre Herausforderung ist. Auf die Frage, ob der Islam staatlich anerkannt werden soll, sagte Morerod der NZZ vor knapp einem Jahr beispielsweise: «Der Staat kann ein Interesse daran haben, die Beziehungen mit dem Islam zu regeln.»

Gesetz des Schweigens in der Kirche bewusst gebrochen

Sehr deutlich wurde Morerod dagegen, als es um die Missbrauchsfälle in seinem Bistum ging. Er unterstützte Opfer Daniel Pittet beim Aufarbeiten der Untaten von Kapuzinerpater Joël, er sorgte dafür, dass Franziskus das Vorwort zum Buch «Mon Père, je vous pardonne» beisteuerte, und er rief Opfer auf, sich zu melden, dass zumindest ans Licht kommt, was juristisch nicht mehr fassbar ist. Zu lange seien die Geschichten dem Gesetz des Schweigens unterworfen gewesen – «sie sind ein Kreuz und ein Spuk, die uns verfolgen», sagte Morerod.

Ein solcher soll der Papstbesuch trotzdem nicht werden – auch wenn die finanziellen Aufwendungen drücken. Zwischenzeitlich machte gar das Gespenst vom Konkurs der Diözese die Runde. Und dass die Kurie eine Kollekte bei der Eucharistiefeier des Papstes in den Palexpo-Hallen ablehnte, machte die Sache auch nicht einfacher.

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