Der Mann hinter der Hornkuh-Initiative ist nur den Kühen zuliebe berühmt

Was mit einem Brief an den Bund begann, endete in einer Volksinitiative. Und machte Armin Capaul berühmt: Wie ein Bergbauer aus dem Berner Jura zum Medienstar wurde.

Yann Schlegel
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Steht im Zentrum des Medieninteresses: Hornkuh-Initiant Armin Capaul. Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 2. Oktober 2018)

Steht im Zentrum des Medieninteresses: Hornkuh-Initiant Armin Capaul. Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 2. Oktober 2018)

Leicht gebückt sitzt Armin Capaul im orangefarbenen Sessel des Bundeshaus-Medienzentrums. Er hat eine grüne Mütze mit gelb-roten Streifen aufgesetzt. Weisser Zauselbart, weisses Zauselhaar. Der Hornkuh-Rebell im sterilen Raum der Bundeshauptstadt. «Ich habe nie davon geträumt, hier zu sitzen», sagt der 67-jährige Capaul. «Ich wollte nur den Kühen und Geissen eine Stimme geben.» Die Journalisten erhörten den Bergbauern. Viele fuhren in den Berner Jura, besuchten Capaul im abgelegenen Valengiron, um mehr über seine Geschichte zu erfahren. «Wenn die Kühe wählen könnten, hätten sie Hörner», sagt Capaul. «Zeichnen Sie einmal eine Kuh ohne Hörner.» In der Schweiz aber werden neun von zehn Kühen enthornt.

Was mit einem Brief ans Bundesamt für Landwirtschaft begann, endete in einer Volksinitiative. Im ersten Schreiben, das er nach Bern schickte, hatte Capaul vorgeschlagen, dass behornte Kühe mit einem Franken pro Tag subventioniert werden sollen. Doch die Verwaltung hörte nicht auf ihn. Dann liess er über zwei Politiker Motionen zu seinem Anliegen einbringen, die aber auch scheiterten. Also lancierte er eine Volksinitiative: Am 25. November stimmt die Schweiz nun darüber ab, ob Landwirte für Kühe mit Hörnern Direktzahlungen erhalten sollen.

Mit seinem Anliegen weckte Capaul schon früh das Interesse der Medien: 2015 reiste «Der Spiegel» zu Capaul und berichtete über den «Alm-Öhi», der für die Würde der Kuh kämpft. Wenige Monate später kam die Initiative mit über 150000 Unterschriften zustande. Bundesrat und Parlament sprachen sich dagegen aus. Auf einen indirekten Gegenentwurf konnte man sich nicht einigen. Einmal soll Capaul gegenüber Bundesrat Johann Schneider-Ammann gesagt haben: «Ich habe die Bevölkerung und die Medien hinter mir.» Der Wirtschaftsminister habe erwidert: «Ja, es scheint so.»

Der begabte Protagonist

Über 3800 Medienberichte seien in der Schweiz zur Hornkuh-Initiative erschienen, sagte Capaul gestern vor den Medien stolz. Das Interesse an der Initiative und dem Initianten ist noch immer gross: Am Freitag strahlt der deutsch-französische TV-Sender Arte einen Dokumentarfilm über den Bergbauern aus. Im Zusammenhang mit der Hornkuh-Initiative erschienen zudem zwei Bücher. Und vergangene Woche referierte Capaul an einer internationalen Konferenz der Agrarjournalisten und besuchte in diesem Rahmen einen Alpabzug im Entlebuch. In Schüpfheim, so Capaul, habe keine einzige Kuh Hörner gehabt.

Weshalb seine Hornkuh-Initiative durchkommen sollte, nachdem das Volk soeben zwei Agrarinitiativen verworfen habe, fragt ihn ein Journalist im Medienzentrum. «Weil es bei mir bloss um zwei Hörner geht», sagt Capaul. Als der Bergbauer mit der Unterschriftensammlung begann, belächelte ihn die Politik. Die Medien jedoch begannen ihn zu feiern. Capaul weiss um deren Wirkung. «Dank den Medien bin ich hier», sagt er und lächelt. Die Stimmen zu Gunsten der Kühe sind zahlreicher geworden, Capaul könnte mit seiner Initiative an der Urne tatsächlich einen Coup landen. Eher überraschend beschloss der Bauernverband Stimmfreigabe.

Die SP-Delegierten sprachen am vergangenen Samstag die Ja-Parole aus. Die Bauernpartei SVP ist gespalten. Als Parteipräsident Albert Rösti im Medienzentrum auftaucht, um die Kampagne zur Selbstbestimmungsinitiative zu lancieren, grüsst er «Armin» – wie ihn alle nennen – herzhaft. «In der Arena werde ich sagen, dass die SVP keine Bauernpartei mehr ist», sagt der Bergbauer zu Rösti. Dann prophezeit Capaul selbstbewusst: «Es gibt ein 80-Prozent-Ja bei 100 Prozent Ständemehr.»

Sollte es anders kommen, würden die Kühe und Ziegen verlieren, nicht er, meint Capaul. Seine Aufgabe sei getan. Die Energie sei ihm nie ausgegangen während der ganzen Zeit. «Wenn ich müde bin, fasse ich mit der Hand ans Horn der Kuh und tanke frische Kraft», sagt Capaul. Ein druckfrischer Satz. Der Bergbauer wiederholt sich: «Es ist unglaublich, dass die Medien so mitmachen.»