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Der Mann ohne Fliege

Lukas Golder kommentiert erstmals die Abstimmungen im SRF. Er hat Respekt vor der Aufgabe. Nicht alles will er gleich machen wie Vorgänger Claude Longchamp.
Politik- und Medienwissenschaftler Lukas Golder. (Bild: PD)

Politik- und Medienwissenschaftler Lukas Golder. (Bild: PD)

25 Jahre lang hat Claude Longchamp alle nationalen Abstimmungen im Schweizer Fernsehen kommentiert. Morgen Sonntag aber werden die Zuschauer ein neues Gesicht zu sehen bekommen: Lukas Golder analysiert erstmals die Abstimmungsergebnisse. «Ich bin bereit für diese Rolle», sagt Golder. Der 43-jährige Politik- und Medienwissenschafter ist ein langjähriger Mitarbeiter von Longchamp und beschäftigt sich seit Jahren mit Hochrechnungen. Abstimmungssonntage hat er auch in den vergangenen Jahren nie verpasst: Sogar vom Spitalbett schrieb er einmal noch eine Analyse für einen Blog. Ihm gefällt der «Thrill» am Abstimmungssonntag: «Das ist Politologie in Action.»

Trotzdem war es für Golder keine einfache Entscheidung, die Aufgabe als Kommentator im SRF-Abstimmungsstudio zu übernehmen. «Ich kenne die Risiken», sagt der Berner. Er hat miterlebt, wie Longchamp heftig kritisiert wurde, etwa wegen der Umfrageserie zur Minarett-Initiative, die eine Ablehnung suggerierte, oder im Streit um die Stimmbeteiligung der Jungen bei der Masseneinwanderungs-Initiative. «Die Kritik wird einer Person angehängt», sagt Golder, «davor habe ich Respekt.» Inzwischen habe GFS Bern die Methoden zwar verbessert. Aber: Über längere Zeit sei es wahrscheinlich, dass man sich einmal täusche. «Ich kann die Wahrscheinlichkeit nicht überlisten.»

Ausgerechnet eine Fehlpro­gnose hat dazu geführt, dass Golder überhaupt Politologe wurde. Er wollte zunächst Arzt werden wie sein Vater. Doch an einer Infoveranstaltung, die er als Maturand besuchte, wurde vor einer Ärzteschwemme gewarnt. Das schreckte ihn ab – und statt Medizin studierte er an der Universität Bern Politikwissenschaften. Heute leitet er zusammen mit Urs Bieri das von Claude Longchamp gegründete Forschungsinstitut GFS Bern.

Was unterscheidet den Berner von seinem Vorgänger?«Longchamps unglaubliches historisches Gedächtnis fehlt mir», sagt Golder. «Er ist Historiker, ich bin ein Ergründer der Gegenwart.» So werde auch morgen die Rollenverteilung im Studio eine andere sein. «Ich bin weniger der Experte, der alles alleine erklärt», sagt Golder. Vielmehr wolle er gemeinsam mit Moderator Urs Leuthard versuchen zu vermitteln, weshalb die Abstimmung so oder so verlaufen sei.

Longchamps Markenzeichen, die Fliege, wird er sich nicht umbinden.«Wenn der Chef eine Fliege trägt, darf der An­gestellte nicht», meint Golder lachend. Longchamp sei zwar nicht mehr sein Chef, doch die Krawatte sei ihm lieber. Sein Markenzeichen, wenn er denn eines wünschen könnte, soll kein Kleidungsstück werden, sondern etwas Persönliches: «Ich hoffe, man merkt mir die Leidenschaft für das Land und den Beruf an.» Sein Ziel: die Abstimmungen mit einer Prise Humor zu analysieren. Ob ihm das schon bei der Premiere gelingt, wird sich morgen zeigen.

Maja Briner

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