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Der Mobbing-Streit geht weiter: Entlassene Professorin zieht ETH vor Gericht

Der Anwalt der wegen Mobbings entlassenen Astronomie-Dozentin reicht Beschwerde am Bundesverwaltungsgericht ein. Die Kündigung sei missbräuchlich, sagt er.
Yannick Nock
Der Mobbing-Fall an der ETH geht in die nächste Runde. (Bild: Keystone)

Der Mobbing-Fall an der ETH geht in die nächste Runde. (Bild: Keystone)

Einige Monate war es ruhig um die Mobbing-Affäre der ETH Zürich. Doch nun ist klar: Der Fall wird die renommierte Hochschule noch lange beschäftigen. Womöglich Jahre. «Wir haben gegen den Entscheid des ETH-Rates Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben», sagt der Anwalt der entlassenen Astronomie-Professorin, Marcella Carollo, auf Anfrage.

Marcella Carollo. (Bild: pd)

Marcella Carollo. (Bild: pd)

Es ist die nächste Episode in einem der unrühmlichsten Kapitel der 164-jährigen Geschichte der ETH Zürich. Bereits im Herbst 2017 sorgte Carollo landesweit für Schlagzeilen. Auslöser war eine Gruppe Doktoranden, die berichteten, jahrelang von ihr gemobbt worden zu sein. Die Professorin habe Frauen aufgefordert, weniger Zeit für Make-up und mehr für die Forschung zu verwenden.

Einige Doktoranden sollen sogar in ihrem Büro in Tränen ausgebrochen sein. Selbst internationale Medien berichteten über den Fall. Carollo wurde zum Paradebeispiel von Professoren gemacht, die ihre Macht missbrauchen und Doktoranden schikanieren würden.

Ist die Entlassung gerechtfertigt?

Vergangenen März entliess die Hochschule Carollo, obwohl die ETH-Kommission, welche die Kündigung untersuchte, zum Schluss gekommen war, dass eine Entlassung aus juristischer Sicht wohl nicht gerechtfertigt sei. Die Professorin sei erst spät verwarnt worden und hatte dadurch keine Möglichkeit, ihr Verhalten anzupassen. Die Vorwürfe würden aber weitgehend zutreffen. Das Verhalten der Professorin gegenüber ihren Doktoranden sei inakzeptabel gewesen, hiess es im Bericht.

Der endgültige Entscheid von Seiten der Hochschule fiel dann vergangenen Juli. Der ETH-Rat, formell zuständig für Anstellungen und Entlassungen von Professoren, bestätigte die Kündigung. Die Vorwürfe gegen die Professorin seien gerechtfertigt, schrieb der Rat damals.

Anrecht auf bis zu zwölf Mönatslöhne

Nun zieht Carollos Anwalt den Fall weiter ans Bundesverwaltungsgericht. Seine Klientin sei nach wie vor der Ansicht, dass die gegen sie erhobenen Vorwürfe falsch seien, sagt er. Carollo selbst sei Opfer von Mobbing geworden – nicht ihre Doktoranden. Die Kündigung sei deswegen unbegründet und missbräuchlich. «Wir sind der Ansicht, dass die Kündigung keinen Bestand hat und aufgehoben werden muss.»

Falls das Gericht der Argumentation folgt, hätte Carollo wohl ein Anrecht auf eine Entschädigung im Rahmen von sechs bis zwölf Monatslöhnen. Der ETH-Rat wollte sich auf Anfrage nicht äussern und verweist auf das laufende Verfahren.

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