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«Brauchen jemanden, der nicht ganze Gruppen vor den Kopf stösst»: Reaktionen zur Zäsur im Bistum Chur

Er polarisierte wie kaum ein anderer Kirchenmann – nun ist Vitus Huonder weg. Der 77-Jährige ist nicht mehr Bischof von Chur. Der Papst entscheidet sich für eine Interimslösung aus Island.
Yannick Nock
Nicht mehr im Amt: Bischof Vitus Huonder. (Bild: Keystone)

Nicht mehr im Amt: Bischof Vitus Huonder. (Bild: Keystone)

Der Beschluss kam von höchster Stelle: Papst Franziskus hat am Montag den Amtsverzicht des Churer Bischofs Vitus Huonder angenommen. Damit endet die Amtszeit des wohl umstrittensten Oberhirten im Land.

Peter Bürcher, Apostolischer Administrator. (Bild: pd)

Peter Bürcher, Apostolischer Administrator. (Bild: pd)

Bis die Nachfolge Huonders geregelt ist, übernimmt Peter Bürcher, emeritierter Bischof von Reykjavik, die Bistumsleitung. Er wird als Apostolischer Administrator walten. «Ich bin mir der grossen Herausforderung bewusst, die dieses Mandat bedeutet», schreibt der Walliser in einer Mitteilung. «Nicht ohne Respekt vor der Aufgabe nehme ich den päpstlichen Willen an.» Er sei bloss Diener und wolle zuhören.

Die versöhnlichen Worte sind kein Zufall. Er hebt sich damit deutlich von Huonder ab. Der Hardliner sorgte in seiner fast zwölfjährigen Amtszeit immer wieder für Aufsehen. So stellte Huonder in einem Hirtenbrief aus dem Jahr 2012 klar, dass geschiedene Wiederverheiratete nicht zu den Sakramenten zugelassen sind. Die wohl schärfste Kontroverse löste er allerdings 2015 aus, als er bei einem Auftritt in Deutschland aus dem Alten Testament zitierte.

«Schläft einer mit einem Mann, wie man mit ­einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.»

Huonder, der am Montag nicht für die Medien zu sprechen war, verzichtete in einer schriftlichen Verabschiedung auf Provokationen. Er werde sich ins Institut Sancta Maria in Wangs SG zurückziehen. Dort wolle er zur Einheit der Kirche beitragen.

Reformkatholiken sind erfreut

Die Einsetzung eines Administrators ist eine übliche Vorgehensweise. Eher aussergewöhnlich ist, dass jemand ausgewählt wurde, der das Bistum Chur kaum kennt. «Die von Rom beabsichtigte Zäsur ist aber richtig», sagt Martin Kopp, Generalvikar für die Kantone Uri, Schwyz sowie Nid- und Obwalden. Er nimmt an, dass Bürcher keine neue Aufregung verursacht, sondern Brücken baut.

«Wir brauchen jemanden, der die Regionen zusammenhält und nicht ganze Gruppen vor den Kopf stösst.»

Dies gelte auch im Hinblick auf die künftige Bischofswahl.

Gerade bei den Reformkatholiken kommt die Interimslösung Bürcher gut an. So auch im Kanton Zürich, wo die Landeskirche immer wieder heftige Kritik an Huonder übte. «Wir wollen dem neuen Administrator unsere Hand für den Versöhnungsprozess reichen, der in unserem Bistum dringend notwendig ist», schreiben Synodalpräsidentin Franziska Driessen-Reding und Generalvikar Josef Annen in einer gemeinsamen Medienmitteilung.

Mit der Berufung Bürchers wird auch die Forderung der Allianz «Es reicht» erfüllt. Die Gruppierung verlangte bereits im Jahr 2017 in einer Petition an die Adresse des Papsts, auf die Wahl eines neuen Bischofs zu verzichten und die Verantwortung für das Bistum vorübergehend einem dialogfähigen Administrator anzuvertrauen. Die Massnahme solle Zeit schaffen, die Situation zu beruhigen.

Der 73-jährige Bürcher ist in Zürich weitgehend unbekannt. Er gab das Bischofsamt in Reykjavik im Oktober 2015 wegen gesundheitlicher Probleme auf. Davor wirkte der Weihbischof im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg, ehe er 2007 den Schritt zum Bischof von Reykjavik machte. Bürcher werde in einer ersten Phase interne Gespräche führen, um sich mit dem Bistum vertraut zu machen, heisst es vonseiten des Bistums. Spätestens Anfang Juni werde er sich äussern. Sicher ist, dass er nur kurze Zeit bleibt. «Nur für einige Monate», wie er schreibt. Das habe ihm der Papst mehrmals bei einer Privataudienz zugesichert.

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