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Der Sinneswandel des Philippe Nantermod

Philippe Nantermod, der junge Aufsteiger aus dem Wallis, wollte Krankenkassenlobbyist werden – doch dann bekam der FDP-Nationalrat kalte Füsse.
Dominic Wirth
Philippe Nantermod gilt als eloquent und scheut kaum einmal die Rednerbühne. (Cyril Zingaro/Keystone; Lausanne, 2. Juli 2018)

Philippe Nantermod gilt als eloquent und scheut kaum einmal die Rednerbühne. (Cyril Zingaro/Keystone; Lausanne, 2. Juli 2018)

Der 34-jährige Philippe Nantermod hat sonst nichts dagegen, im Scheinwerferlicht zu stehen. Doch an diesem Abend ist das anders. Die aktuelle Ausgabe von Infrarouge, der Polittalkshow des Westschweizer Fernsehens, neigt sich allmählich dem Ende zu, als es für den Walliser Nationalrat ungemütlich wird.

Es geht in der Sendung um die Gesundheitskosten, die einfach nicht aufhören zu wachsen. Nun, zum Ende, dreht sich alles um das Lobbying der Krankenkassen. Und um ein Mandat, das Nantermod gerade an Land gezogen hat: Er habe, so bestätigt es der Walliser, eine Einladung in die «Groupe de refléxion» von Groupe Mutuel angenommen. In der Gruppe sitzen Parlamentarier sowie Vertreter der Krankenkasse. Und auch wenn sie sich offiziell dem Reflektieren widmet, so geht es eigentlich eher ums Lobbyieren. Und das lohnt sich für die Politiker. Die fünf bis sechs Sitzungen pro Jahr würden mit gegen 10 000 Franken entschädigt, erläutert Nantermod in der Sendung vom Mittwochabend.

10 000 Franken für fünf, sechs Sitzungen: Das gibt einen ansehnlichen Stundenlohn. Und in der Gesprächsrunde von Infrarouge einiges zu reden. «Inakzeptabel» sei das, wettert Pierre-Yves Maillard, Waadtländer SP-Staatsrat. Nantermod versucht sich zu wehren; man kann zusehen, wie er auf seinem Stuhl schrumpft.

Nantermod, der Politiker, der sich die Tasche mit Krankenkassengeld füllen lässt? Dieses Bild muss dem Anwalt Albträume beschert haben. Denn schon am Morgen nach dem TV-Auftritt gibt er bekannt, dass er jetzt doch nicht mitreflektiert bei Groupe Mutuel. Er habe einen Fehler gemacht, wolle seine Unabhängigkeit bewahren. Deshalb verzichte er.

Schnell einen Namen gemacht

Es ist ein rascher Sinneswandel. Er dürfte viel zu tun haben mit den Ambitionen Nantermods. Der Walliser sitzt zwar erst seit 2015 im Bundeshaus, hat sich dort aber schnell einen Namen gemacht. Als einer, der oft Vorstösse einreicht und sich gerne ans Rednerpult stellt. Und als einer, der zum rechten Flügel der FDP gehört, der an den Markt glaubt und den Staat klein halten will. Das Bankgeheimnis ist für ihn «ein Menschenrecht». Die No-Billag-Initiative lancierte er mit, verordnete sich im Abstimmungskampf aber einen Maulkorb, weil die FDP die Nein-Parole beschlossen hatte. Mittlerweile war er ein Vizepräsident der Partei.

Den Sprung ins Vizepräsidium schaffte der 34-Jährige nach wenigen Monaten im Nationalrat. Auch sonst ging es in seiner Karriere stets zügig voran: Er war schon Walliser Kantonsrat und Co-Präsident der Jungfreisinnigen, bevor er den Sprung nach Bern schaffte. Nantermod wusste eigentlich immer, was er will. Zumindest bis jetzt.

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