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Kommentar

Der überschätzte Papiurlaub

Die Sozialkommission des Ständerats bietet zwei Wochen Vaterschaftsurlaub als Gegenvorschlag zu den vier Wochen, welche die Initiative verlangt. Unser Autor argumentiert weshalb es keine der beiden Varianten braucht.
Kari Kälin

Zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub will die Sozialkommission des Ständerats frischgebackenen Vätern ­gewähren. Es handelt sich um einen direkten Gegenvorschlag zur Initiative für einen vierwöchigen Urlaub. Einige Initiativbefürworter attestieren dem Ständerat ein Schrittchen in die richtige Richtung, andere geisseln ihn sinngemäss als rückständigen Altherrenclub, der noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Die Initiative verspricht viel. Väter, die sich gleich nach der Geburt um den Nachwuchs kümmern, täten das auch später signifikant öfter. Sie verringerten ihren Rückstand bei der Betreuungskompetenz, den sie sich bei postnataler Absenz gegenüber den Müttern einhandeln. Der Vaterschaftsurlaub fördere sodann die egalitäre Verteilung zwischen Erwerbs- und Familienarbeit. Er verhindere sogar Scheidungen, weil Vater und Mutter gegenseitig mehr Verständnis für ihre Lebenssituation aufbringen. Diese segensreichen mutmasslichen Wirkungen verschlingen nicht einmal allzu viel Geld. Gemäss der Botschaft des Bundesrats, der die Initiative ablehnt, kostet ein vierwöchiger Vaterschaftsurlaub 420 Millionen, das Modell der ständerät­lichen Sozialkommission die Hälfte. Finanziert würde der Ausbau des Sozialstaats aus der gleichen Kasse wie etwa der Ersatz für die Militärdienstpflicht. Bis jetzt ist die Schweizer Wirtschaft nicht an ein paar WK zugrunde gegangen.

Die Finanzen sind nicht der Punkt. Entscheidend sind andere Fragen: Begünstigen vier oder zwei Wochen Vaterschaftsurlaub nachhaltig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Muss der Staat das egalitäre Familienmodell zur Norm erklären und ihm mit sozialpolitischen Massnahmen auf die Sprünge helfen? Die Antwort lautet zweimal Nein.

Das Elterndasein endet auch für Väter nicht nach zwei oder vier Wochen. Die Kinder wachen auch später nachts auf. Sie wickeln sich nicht von alleine, düsen nicht im selbstfahrenden Auto in die einigermassen teure Kinderkrippe. Kindererziehung ist eine Lebensaufgabe. Ein Vaterschaftssurlaub oder sogar eine Elternzeit von 38 Wochen, wie es sie die Eidgenössische Familienkommission vorschlägt, ermöglichen Eltern bloss einen angenehmen Start in einen neuen Lebensabschnitt. Nicht mehr.

Das bedeutet nicht, dass sich Väter nur halbherzig bei der Kinderbetreuung engagieren sollen. Bloss: Niemand verbietet es ihnen, sich zu engagieren. Wer die ersten Lebenswochen des Nachwuchses hautnah miterleben will, kann das heute schon. Es ist keine Zumutung, bei der Geburt eines Kindes ein paar Wochen Ferien zu beziehen. Man könnte sogar, wenn dies Arbeitgeber verweigern, einen gesetzlichen Anspruch auf Ferien gleich nach der Geburt einführen. Diese Idee hat Ständerat Andrea Caroni (FDP, AR), selber Vater von zwei Kleinkindern, angeregt.

Laut Umfragen möchte fast die Hälfte aller Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. In der Praxis sind aber 87 Prozent von ihnen vollzeitbeschäftigt. Es fällt schwer, die Kluft zwischen dem angeblichen Wunsch und der Realität nur mit väterfeindlichen Strukturen und Arbeitgebern zu erklären. Wenn sich die Männer verstärkt um die Kinder kümmern möchten, können sie ihr Arbeitspensum reduzieren. Die Paare sind frei, die für sie passende Lösung zu wählen. Wer die egalitäre Rollenverteilung zur allein selig machenden Maxime erklärt, wertet die anderen Familienmodelle ab. Auch Vollzeit angestellte Väter können gute Väter sein.

Kari Kälin.

Kari Kälin.

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